Alte Fehler mit neuen wettgemacht
Leserbrief an die Lokalredaktion
Man könnte den Bau der geplanten Umgehungsstraße für einen Aprilscherz halten, der sich zum Schildbürgerstreich ausgewachsen hat, wenn die ganze Angelegenheit nicht so traurig wäre. Einige Politiker wie Straßenplaner haben anscheinend nichts dazugelernt und zerstören bedenkenlos unsere Umwelt, wenn es nur um Parteidisziplin und Befriedigung von möglichen Parteimitgliedern oder Wählern geht. Die Wiederwahl ist offenbar ein höheres Gut als eine intakte Umwelt, denn Bäume können ja nicht wählen.
Oerlinghausens Kapital ist aber sein grüner Lebensraum. Jetzt wird wieder ein Teil davon geopfert. Weil man erkannt hat, der Bau der alten Umgehungsstraße war ein Fehler, will man den Fehler mit einem neuen wieder wett machen und baut eine neue Umgehungsstraße. Daß man das Desaster von einem Ortsteil in einen anderen nur verlagert, spielt dabei wohl nur eine untergeordnete Rolle. Bis das offensichtlich wird, sind die Wahlen gewesen und Jahre vergangen.
Vermutlich wäre es billiger geworden, lärm- und luftgeschädigte Altanlieger auf Kosten der Allgemeinheit umzusiedeln (neue Anlieger haben noch nicht einmal einen moralischen Anspruch) , als mit einer Unsumme von Millionen den Menkhauser Berg zu untertunneln. Die jetzige kleine Tunnellösung ist doch nur ein Alibi für die Zerstörung einer Landschaft.
Der Bau der neuen Umgehungsstraße ist sowohl ein Frevel an der Umwelt als an der Allgemeinheit, daß die sinnlose Verschwendung von Steuergeldern noch kein Straftatbestand ist. Für sinnvolle Aufgaben sind die öffentlichen Kassen leer, aber wohl nicht so, daß man nicht noch ein paar Millionen zum Verschwenden findet.
Bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts lautete das Credo von guten international renommierten Architekten, daß der Architekt die Landschaft zu schonen und die Natur in seine Planung einzubeziehen hat. Für den Nazi-Gigantismus war das natürlich entartet, und auch die kommunistischen Planer hatten mit der Natur nichts im Sinn. Manchmal hat man den Eindruck, die Zeit sei stehengeblieben und manche träumten noch davon, Erde und Natur sei beliebig vermehrbar.
Manfred Hollmann
Albert-Schweitzer-Straße 13
33813 Oerlinghausen