Es war vor 85 Jahren (Überlieferungen)
Erinnerungen
Der Sonntag naht. Vater ist auf Ziegelei, und Mutter 10 Monate allein.
Er ist Brenner auf der Ziegelei, und kommt erst immer 6-8 Wochen später heim als die anderen Ziegler, da er noch nachbrennen muß. Mutter macht sich Gedanken was sie Sonntag machen soll, denn die Kinder müssen doch merken das es Sonntag ist. Da fällt ihr ein auf dem Kindsgrabe in der Senne einen Besuch zu machen, denn es ist ja weite Verwandtschaft. Nach einer Stunde sind sie da. Die Bauersfrau freut sich und schickt ihre Kinder nach draußen, damit mehr Platz in der Wohnstube ist. Es ist warm, die Fenster stehen offen, der Besuch drinnen und die Hauskinder draußen. Die Bäuerin hatte schon alles zum sonntäglichen Pickertbacken vorbereitet, und freut sich nun was anbieten zu können. Es dauert nicht lange und der erste Pickert ist fertig und kommt auf den Tisch. Kaum liegt er, da hat es sich bei den Fliegen des Hofes herumgesprochen, und sie kommen alle auf den schönen Pickert. "Nui eet man" sagte die Bäuerin. Keiner rührt sich, alle starren auf die Pickertbesetzer. Nun aber haben die Hauskinder die Lage erfaßt und rufen gemeinsam "Fleugenpickert-Fleugenpickert". Jetzt faßt der Besuch erst recht nicht mehr zu, denn der Pickert ist immer schlechter zu sehen, weil immer mehr Fliegen kommen. Plötzlich ändert sich die Lage denn die Bäuerin sagt: "Ja wenn sie den Pickert nich häbben wit, meuine Kinner nimten gerne". Damit nahm sie den Pickert und schmiss ihn, wie eine Diskuswerferin aus dem Fenster, wo er noch in der Luft von den Hauskindern zerrissen wurde.
F. S.
Aufgezeichnet nach einer Erzählung von Onkel Willi. (Sommer 1984)