Krämer
Auszug aus der Oerlinghauser Chronik von August Reuter - Handwerk und Handel in der älteren Zeit
Um 1650 wandten sich die Brüder Henrich und Jürgen Nagel mit wiederholten Eingaben an den Grafen zur Lippe in denen sie ausführten, sie und ihre Eltern seien bisher Kramer in Oerlinghausen gewesen, hätten Hausierhandel getrieben und Sonntags vor der Predigt ihren Laden aufgeschlagen. Jetzt aber komme ein Kramer aus Bielefeld, hausiere in der Vogtei Oerlinghausen und schlage auch vor, während und nach der Predigt seine Krambude auf dem Kirchhofe auf. Sie bitten, ihm das zu untersagen. Bald darauf (1654) machte Curd Dahlhausen, genannt Kramer, geltend, bisher hätten die Gebrüder Nagel allein die Kaufmannschaft untergehabt; früher hätten aber auch er, sein Vater und sogar schon sein Großvater in ihrem Hause Kaufmannschaft betrieben. Während des Krieges aber (es war der dreißigjährige) seien er und sein Vater wiederholt ausgeraubt und in große Schulden geraten, sodaß er noch nicht wieder mit aller Kaufmannschaft habe anfangen können. Er bittet, nicht nur die Gebrüder Nagel zu privilegieren, sondern auch ihm zu gestatten, die Kaufmannschaft wieder anzufangen, sobald er dazu in der Lage sei. Diese Bitte muß Erfolg gehabt haben, denn wir finden später die Familie, die hernach den Namen Dahlhausen verloren hat und nach ihrem Beruf nur noch Kramer genannt wurde, als Kaufleute wieder.
Als zu Beginn des 18.Jahrhunderts sich mehr Juden in Oerlinghausen niederließen, bemächtigten sich diese natürlich des Handels. Aber auch sie klagen häufiger, daß sich Klipkrämer an Sonn- und Festtagen hier einfänden, wodurch sie geschädigt würden.