Bäcker
Auszug aus der Oerlinghauser Chronik von August Reuter - Handwerk und Handel in der älteren Zeit
Einen eigenen Bäcker scheint Oerlinghausen am Anfang des 17.Jahrhunderts noch nicht gehabt zu haben. Die meisten Häuser hatten ihre eigenen Backöfen (Backse), die Leute backten ihr Brot selber. Im Jahre 1613 lieferte ein Heidsiek auf der Osterheide Brot nach Oerlinghausen, und er wurde bestraft, weil es 6 ½ Lot zu leicht befunden wurde. 1654 waren Johann und Henrich Ebbinghause und Henrich Bawingk Bäcker in Oerlinghausen; sie klagten bei der Regierung darüber, daß fremde Bäcker, so insbesondere Bernd Heidsiek auf der Osterheide, nach Oerlinghausen kämen und hier Brot verkauften. Sie er reichten dadurch, daß sie von der Regierung ein Privilegium erhielten, in welchem fremden Bäckern bei 50 Gulden Strafe verboten wurde, in Oerlinghausen Brot zu verkaufen. Heidsiek suchte sich nun in der Weise zu helfen, daß er das Brot nicht selbst vertrieb, sondern durch den in Oerlinghausen wohnenden Franz Redeker verkaufen ließ. Im Jahre 1658 wurde Ebbinghaus und Genossen das Privilegium wieder entzogen, weil sie schlechtes Brot backten. 1670 bitten die Bäcker Johann und Kord Ebbinghaus und Tönies Koring um Schutz gegen Hans Henrich und Deppe Lilmeyer und Kamphenrich, denen dann auch das Backen verboten wird. Letztere gehen aber gegen das Verbot an. Nachdem von beiden Seiten wiederholt Eingaben gemacht worden sind, wird endlich 1671 entschieden, daß erstere Weißbrot, letztere dagegen Grobbrot und nur an Festtagen und Jahrmärkten Weißbrot backen sollen.