Anspruchsberechtigte einfach umsiedeln

Leserbrief

 

Ich bin der Meinung, es wäre billiger, die ca. 30 anspruchsberechtigten Familien umzusiedeln, als eine Straße für 60 Millionen Mark durch und unter den Menkhauser Berg zu bauen.

Es hätte dem ganzen Streit sicher gutgetan, wenn etwas weniger emotional, sondern mehr sachlich argumentiert worden wäre. Wenn jetzt die Planungsgeschädigten gar von 22.000 Kraftfahrzeugen sprechen, die täglich die Straße passierten, dann gibt es keine Verkehrszählung, die diese Zahl deckt. Sie ist allenfalls prognostiziert worden. Damit es einen Anhaltspunkt für eine halbwegs versachlichte Diskussion gibt, habe ich mit Freunden und Familienangehörigen an der Holter Straße eine manuelle Zählung (so, wie ich es früher als Student machte) gemacht. Wir haben, da das an einem Werktag über 24 Stunden nicht durchzuhalten war, den 8. und 9. März, also zwei ganz normale Werktage, ausgewählt. Auf den ersten Blick war unser Ergebnis erschütternd, denn wir zählten 15.700 Fahrzeuge in beiden Richtungen. Die Frequenz lag nur wenig unter der Verkehrszählung von 1985, die mit 16.613 dem Planfeststellungsverfahren von 1988 als Basis diente. Aber bei einer Durchleuchtung signalisieren sie eine völlig andere Situation wie 1988 und führen die Prognosen absurdum. Der Planfeststellungsbescheid geht davon aus, daß der Schwerlastverkehr am Verkehrsaufkommen mit sieben Prozent beteiligt ist. Bei unserer privaten Zählung spielte der gesamte Lastwagenverkehr mit zwei Prozent eine völlig untergeordnete Rolle. Es war, wie sich aus den polizeilichen Kennzeichen ergab, kein Transitverkehr, sondern diente der Versorgung oder war Werksverkehr. Durch die Anbindung der A 33 an die A 2, der neuen Anbindung der A 2 (Hillegossen) an die B 66 und der neuen Ostwestfalen- Ab- und -Auffahrt hat der Schwerlastverkehr jetzt andere Verkehrswege. Die uns so belastende Abkürzung über Hillegossen, Oerlinghausen, Stukenbrock, B 68 bis zur A 7 nach Kassel ist inaktuell und unwirtschaftlich geworden. Nicht viel anders verhält es sich im Pkw-Verkehr. Über 50 Prozent der Pkw hatten lippische Kennzeichen und 25 Prozent Kennzeichen aus Bielefeld und Gütersloh. Daraus läßt sich unschwer der Schluß ziehen, es handelt sich um innerstädtische bzw. Nachbarschaftsverkehr, und dem ist auf lange Sicht nur mit einem kundenfreundlichen Angebot im Nahverkehr beizukommen.

Der Planfeststellungsbeschluß führt die Shell-Studie 2000 an und hier erweist sich, sie ist von der Wirklichkeit überholt. Heute prognostiziert die Automobilindustrie anders: Der Pkw-Bedarf ist weitgehend gesättigt (die Krise bei der Pkw-Herstellung ist ein Indiz), denn jeder kann sich zwar mehrere Autos kaufen, aber nicht mit mehr als einem Auto zugleich fahren. Anders aber sieht es im Lkw-Verkehr aus, hier wird mit einer Zunahme noch um 20 Prozent gerechnet. Für dieses zusätzliche Lkw-Aufkommen wird sich die neue L 751 geradezu als Ausweichstrecke anbieten.

Für die bisherigen Anlieger der L 751 alt wird der Neubau zu einem Danargeschenk werden. Bisher bekam sie den Lärm aus Osten, in Zukunft aus dem Westen, nur mit dem Unterschied, jetzt muß der Verkehr einigermaßen verhalten auf die Ampelkreuzung Robert-Koch- / Lämershagener Straße zufahren. In Zukunft wird er mit mindestens 50 km/h durchrauschen. Die vorherrschende Windrichtung wird dann dafür ursächlich, daß das Gebiet Steinbült / Landerweg mehr als jetzt durch Lärm und Luftverseuchung in Mitleidenschaft gezogen wird. Auch für die Politiker wird die ganze Angelegenheit zu einem Bumerang. Hinzu kommt dann noch Ärger mit den Neugeschädigten z. B. aus Lipperreihe.

Ich weiß sehr genau, daß nicht alle in der Mehrheitsfraktion des Landtages ob ihres Beschlusses in Sachen L 751 nicht gerade fröhlich sind und mit Sicherheit einem Moratorium eher das Wort reden würden, als den Beschluß erneut zu fällen. Zur Ökologie ist schon alles gesagt, so daß ich sie aussparen kann, blieben die Finanzen, insbesondere die zerrütteten von NRW. Sie lassen mit Sicherheit ein Unternehmen wie die L 751 zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu. Was die Initiative etwas mißverständlich ausgedrückt hat und dabei zwangsläufig in die Messer der Fachwelt laufen mußte, war die Vermischung von verschiedenen Etatpositionen. Was sie aber meint, und das ist unangreifbar: Ganz egal, ob es sich um die Finanzen des Bundes, des Landes oder der Kommune handelt, alles Geld stammt von der Allgemeinheit der Steuerzahler und ist der Politik anvertraut. Die kann sich zwar noch zusätzliche Finanzen durch Schuldverschreibungen beschaffen, doch dreimal darf man raten, wer dafür haften muß.

 

Manfred Hellmann

Albert-Schweitzer-Str. 13

33813 Oerlinghausen