38 Millionen für das Tunnelprojekt sind einfach ein zu großer Brocken

Landesverbandsvorsteher Holländer erläutert Ausschußvotum

 

[Bild: Muß wahrscheinlich noch auf Jahre hin den Durchgangsverkehr „schlucken“: die Robert-Koch-Straße in Oerlinghausen (auf dem Luftbild im Vordergrund). Freigegeben Reg.-Präsident Münster Nr. 11 933/86]

Oerlinghausen/Leopoldshöhe (pivo). „Nach den Vorberatungen gehe ich davon aus, daß der Landtag den Ausbau- und Bedarfsplan für Landstraßen in Lippe im wesentlichen so verabschiedet, wie vom Straßen- und Hochbauausschuß des Landschaftsverbandes in Münster empfohlen.“ Wenig Hoffnung konnte der Vorsteher des Landesverbandes, Helmut Holländer, den durch Autolärm und -abgase gebeutelten Anliegern der Robert-Koch-Straße in Oerlinghausen machen. In einem Pressegespräch, dessen Kernaussagen wir bereits gestern veröffentlichten, erläuterte Holländer die Beweggründe, die kürzlich zur Entscheidung im Fachausschuß des Landschaftsverbandes geführt haben, die Oerlinghauser Umgehung nicht mehr in den Ausbau-, sondern nur noch in den Bedarfsplan für Landstraßen aufzunehmen. Eine gleichlautende Entscheidung des Landtags würde bedeuten, daß aus dem Bau der L 751 n in Oerlinghausen zumindest erst einmal die kommenden fünf Jahre nichts wird. 1991 müßten die Prioritäten dann neu verteilt werden.

Den Erläuterungen des Landesverbandsvorstehers zufolge waren für die Entscheidung des Ausschusses, dessen Vorsitzender er ist, ausschließlich finanzielle Gründe ausschlaggebend. Holländer: „Bei der Umgehungsstraße in Oerlinghausen, die ganz ohne Frage sehr wichtig ist, handelt es sich um einen riesigen Brocken. Er würde unsere Mittel, die wir vom Land für Straßenbau in Lippe bekommen, drei Jahre binden. Das geht beim besten Willen nicht! Dann bekämen wir in den nächsten Jahren in Lippe nur einen Tunnel und sonst gar nichts. Aber es gibt in Lippe eben noch eine ganze Reihe anderer wichtiger Straßenbaumaßnahmen.“

Holländer zählte in diesem Zusammenhang all jene Projekte auf, die der Ausbauplan nach dem Willen des Straßenausschusses enthalten sollte. Auf der Liste stehen unter anderem der Weiterbau der Ostwestfalenstraße (L 712), die Ortsumgehungen Lügde, Großenmarpe, Harzberg und Bösingfeld sowie die L 945 zwischen Helpup und Pivitsheide und die L 751 zwischen Bad Salzuflen und Leopoldshöhe. Die Ortsumgehung von Leopoldshöhe als Fortführung der neuen Landstraße 751 in Richtung Teutoburger Wald, die ebenfalls schon seit einigen Jahren in der Planung ist, steht genauso wie das neue L 751-Stück in der Bergstadt nur im Bedarfsplan. Sieht man einmal von der unfallträchtige L 945 ab, die ja zu einem kleinen Teil auch auf Oerlinghauser Gebiet liegt, bleiben die beiden westlippischen Randkommunen also beim Ausbauplan komplett außen vor.

Natürlich sei noch denkbar, daß bei den Beratungen in Düsseldorf die Oerlinghauser Umgehung doch in den Ausbauplan hineinkommt und dafür etwas anderes herausgenommen wird, sagte Holländer weiter. „Aber dann müßten wir ja diesen Riesenbetrag von 38 Millionen Mark irgendwo herholen. Und dann würde in Lippe erst einmal so gut wie nichts anderes mehr passieren."

Laut Holländer waren diese Überlegungen im Straßenausschuß und vorher in der Kommission des Straßenausschusses für den Baubereich Bielefeld ausschlaggebend gewesen. Auch Horst Steinkühler habe in der Kommission keinen Vorschlag machen können, woher man die 38 Millionen Mark nehmen soll. Holländer: „Wenn er es natürlich schafft, die 38 Millionen zusätzlich beim Land locker zu machen, würden wir uns alle freuen.“

Der Landesverbandsvorsteher machte in diesem Zusammenhang auch einige generelle, auf den gesamten lippischen Raum bezogene Bemerkungen. „Man darf nicht so tun, als ob hier gar nichts passiert", sagte er. Gerade zur Zeit werde im Bereich der Bundes- und Landstraßen Wichtiges geleistet. Holländer: „Aber leider wird die gesamte Verkehrsproblematik in Lippe immer unter dem Aspekt diskutiert, welche wichtigen Straßen nicht gebaut werden.“