Brief von Ingeborg Schwarz
An den Oerlinghauser Bürgermeister
Ostern 1979
6927 Bad Rappenau
Schwanenstraße 8
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
In jedem Jahr eilen meine Gedanken an den Ostertagen nach Oerlinghausen und gedenken der Toten, die 1945 dort ihr Leben lassen mußten!
Nun liegen schon 34 Jahre zwischen dieser Zeit! Schweres Erleben prägt sich besonders ein und so habe ich bei einem Erzählwettbewerb des Landesseniorenrates Stuttgart unsere Erlebnisse in den Kampftagen 1945 geschildert. Ich wurde mit einem 2. Preis ausgezeichnet, der mir bei einer Feier in Stuttgart von Minister Griesinger überreicht wurde. Dazu bekam ich eine Urkunde mit Unterschrift des Ministerpräsidenten: "In dankbarer Anerkennung der hervorragenden Leistung wird der vorgelegte Beitrag mit einem 2. Preis ausgezeichnet."
Leiter mußten wir vor der Teilnahme unterschreiben, daß wir unsere Erzählung nicht anderweitig veröffentlichen dürfen.
Ich möchte nun meine Erzählung der Stadt Oerlinghausen für ihr Archiv zum Geschenk machen. Falls Sie eine Veröffentlichung vorhaben, müßten Sie die Erlaubnis beim Landesseniorenrat 7 Stuttgart 1, Falkertstraße 31, Vorsitzender Helmut Mohn, einholen.
Vor einigen Jahren hat mich Rektor Hunke gebeten, ihm Material über die Kampftage in Oerlinghausen mitzuteilen und ich bin der Bitte nachgekommen. Ich hatte noch Zeitungsabschnitte und die Tagebücher meiner 5 Kinder aufbewahrt. Ich schicke Ihnen noch die Abschrift eines Artikels mit: „Die Toten am Tönsberg", unterzeichnet Frau E. M., der in damaliger Zeit erschienen ist. Wer Frau E. M. ist, weiß ich nicht.
Erst 8 Jahre nach dem Tod meines Mannes bin ich jetzt dazu gekommen, alte Schriftlichkeiten durch zu sehen und fand eine Akte meines Mannes mit genauer Beschreibung der Kampftage. Nach Durchsicht werde ich Ihnen dieses Material auch noch für das Oerlinghauser Archiv zugehen lassen.
Mein lb. Mann - Pfarrer Friedrich Schwarz - war 8 ½ Jahre in Oerlinghausen tätig, darein fällt die Kriegszeit. Wir haben Oerlinghausen und das schönt Lipperland sehr geliebt. Damals kamen wir durch Landessuperintendent Neuser, Detmold, aus der hess.-Landeskirche nach Oerlinghausen.1947 hat mein Mann eine Pfarrstelle in Frankfurt/M. übernommen. Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren wir in dem so schönen Bad Wimpfen am Neckar, wo er noch 5 Kirchen renovierte und im Gottesdienst des 4. Advent einem Herzinfarkt erlag. Es war kurz vor seiner Pensionierung, wir hatten im benachbarten Bad Rappenau eine Doppelhaushälfte gebaut, in die ich dann allein eingezogen bin. Unsere 5 Kinder und 6 Enkel wohnen in Arolsen, Mergentheim und Frankfurt.
Mit herzlichem Gruß an Sie
und das liebe Oerlinghausen
(Frau I. Schwartz)
die inzwischen eine Oma von 73 Jahren ist.