Vor 40 Jahren endete der Krieg Auch eine Mahnung für die Zukunft

Ein Dankgottesdienst als Brücke zwischen Deutschen und Engländern

 

Oerlinghausen (heu). Am 8. Mai vor 40 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Daß damit der Schrecken des Faschismus in Deutschland vorbei war, ist für sich, ein Grund zu feiern. Doch was sich mit dem Datum 8. Mai 1945 verbindet, ist wesentlich vielschichtiger, als daß allein Jubeln angebracht wäre. Für viele Menschen ging eine Zeit ungeheuren Leides zu Ende, ebenso viele wurden sich des zugefügten Leides erst richtig bewußt. In Deutschland begann die längste Friedensperiode in der jüngeren Geschichte dieser Nation - was wiederum nicht unbedingt ein Grund zum Feiern ist, sondern viel eher als Mahnung für die Zukunft verstanden werden sollte.

Diese Vielschichtigkeit des Gedenkens rund um den 8. Mai war Anlaß für einen engagierten Kreis Oerlinghauser Bürger einen Dankgottesdienst für den Abend des 7. Mai in der evangelischen Kirche Oerlinghausen vorzubereiten. Die Veranstaltung, die nicht zuletzt aufgrund der großen Unterstützung durch die Stadt zustande kam, soll zum einen der jungen Generation die Verantwortung verdeutlichen, die ihnen das Kriegsende vor 40 Jahren auferlegte, obwohl sie es nicht persönlich erlebten. Zum anderen soll der Gottesdienst, in dem ein englischer Chor auftritt, eine Brücke zwischen deutschen und englischen Bürgern der Bergstadt schlagen und ihre gemeinsamen Interessen an einer friedlichen Zukunft ausdrücken.

Doch das sind nicht die einzigen Hintergründe für die Gedenkveranstaltung, wie sie Professor Richard Grathoff gestern im Gespräch mit der NW erläuterte: „Wir wollen in einer dem Anlaß entsprechenden Würdigkeit den Tag begehen und über die Tagespolitik hinaus die Grundlage zur Besinnung geben.“ Peinlichkeiten, wie sie das deutsch-amerikanische Gerangel um die Frage bestimmten, wem und wo zum 8. Mai gedacht werden sollte, wollen die Oerlinghauser gerade wegen der Vielschichtigkeit des Themas vermeiden. „Ohne große Reden darüber soll es im Dankgottesdienst nicht gehen.“ Die unsinnige, aber häufig gestellte Frage, ob das Kriegsende für Deutsche nun ein Sieg oder eine Niederlage sei, verbietet sich für den engagierten Kreis von selbst.

Einen weiteren Aspekt des Dankgottesdienstes signalisiert schon die Tatsache, daß der Londoner Singkreis „Saint Anne’s Music Society“ die musikalische Gestaltung der Veranstaltung übernimmt. In Oerlinghausen leben rund 1.500 Briten, die mit dem Gottesdienst genauso angesprochen werden sollen wie ihre deutschen Nachbarn. Professor Grathoff: „Wir möchten das Zusammenleben und die gemeinsamen Sorgen deutlich machen“. Sorgen - das meint in erster Linie das Bemühen, den Frieden zu bewahren. Unter Vermeidung allzu großer Gesten soll der Gottesdienst ein Forum sein, darüber nachzudenken, wie prekär der Frieden ist.

Daß es 40 Jahre brauchte, bis das Kriegsende und seine Bedeutung in einem Dankgottesdienst gewürdigt wird, hat sicherlich - so Grathoff - seine Begründung zum einen darin, daß eben „runde Jahreszahlen“ den Anlaß zum Gedenken liefern. In den letzten Jahren ist darüber hinaus aber das Bewußtsein außerordentlich gewachsen, daß eine aktive Friedenspolitik betrieben werden muß. Insbesondere waren es die Jugendlichen, die dieses Thema besonders in den Vordergrund gebracht haben.

Zu dem Dankgottesdienst am Dienstag, 7. Mai, 19.30 Uhr in der evangelischen Kirche Oerlinghausen laden die Stadt, die evangelische und die katholische Kirchengemeinde sowie die britisch-anglikanische und die britisch-katholische Militärkirche ein.