Berndken von Galen

Auszug aus der Oerlinghauser Reuter-Chronik

 

Fünfundzwanzig Jahre lang nach dem 30-jährigen Kriege war Frieden im Lande. Man suchte die Wunden zu heilen und baute langsam wieder auf.

Da gefiel es dem kriegslustigen Bischof Bernhard von Galen in Münster, gegen die Hansestadt Bremen zu kämpfen. Er zog aus Böhmen wilde Kriegshorden heran, und auf seinem Zuge nach Bremen kam er durch Lippe. Er machte dadurch zwar einen großen Umweg. Aber für die Verproviantierung seiner Armee suchte er sich erklärlicherweise nicht das Bistum Osnabrück aus, sondern die evangelischen Länder Lippe, Minden usw. Das war im Jahre 1675.

Graf Simon Henrich zur Lippe, der unserem Dorfe wohl gestimmt war und dem das Nahen der Münsterschen Truppen gemeldet worden war, ließ alle Pässe der langen Bergkette mit Wachtposten besetzen und beorderte den Landhauptmann Luther Flörke mit einer kleinen Streitmacht nach Oerlinghausen, um die westliche Grenze des Landes zu verteidigen. 8 Regimenter Münsterscher Truppen rückten heran. Ihnen voraus zogen drohende Gerüchte und Wehklagen aus allen ravensbergischen Orten, die sie durchzogen hatten.

Vor solchen Wehklagen rückte der Hauptmann Luther Flörke mit seiner Besatzung aus, nun lag Oerlinghausen und das ganze Land dem Feinde offen. Am 5. Juli 1675 rückten 6.000 – 7.000 Mann in Oerlinghausen ein und verteilten sich hier auf die umliegenden Höfe und benachbarten Ortschaften. Jetzt folgten die furchtbarsten Bedrückungen.

Vorrat an Getreide war um diese vorgeschrittene Zeit nicht mehr da, die neue Ernte noch nicht eingebracht. Unsere Gegend hatte durch 2-jährigen Mißwuchs schwer gelitten, und auf allen lasteten noch die Folgen des großen Krieges. So flehte man um Gnade und Erbarmen. Aber das störte alles die zügellosen Soldaten des Bischofs nicht. Was sie gebrauchten, das nahmen sie wo sie es fanden. Weigerten sich die Bürger und Bauern, ihren Forderungen zu genügen, so wurde sogleich ein Soldatenhaufen von 20 - 30 Mann zur Exekution kommandiert. Diese Exekutoren erlaubten sich dann die schändlichsten Mißhandlungen, besonders auch hier in Oerlinghausen. Sie drangen in die Häuser, prügelten die Bewohner, schleiften Männer und Frauen bei den Haaren heraus, banden ihnen auch wohl Hände und Füße zusammen und hängten sie an den Zaun, zerschlugen dann Türen, Fenster, Öfen, Möbel und Hausrat und raubten, was ihnen brauchbar schien [Fußnote: Vergleiche Lippisches Magazin Band VIII: "Die Münstersche Invasion des Bischofs Bernhard von Galen", von Falkmann].

Viele Bewohner zogen es deshalb vor, ihre Häuser ganz zu verlassen und sich in den Waldungen zu verstecken oder tagelang umherzuirren, bis sie von Soldaten entdeckt und unter Schlägen wieder heimgebracht wurden.

Erst nach etwa 1 Monat wurde das Land diese Horde wieder los. Oerlinghausen stand wieder vor dem Nichts. Bei Falkmann wird Galen der devastator Lippiae genannt. Andere Geschichtsschreiber loben seine Kraft und sagen von ihm, daß er einen seiner Zeit weit vorauseilenden Geist besaß. Er spürte sicher das Zeug für einen großen weltlichen Herrscher in sich. Für unser Lipperland sind seine Pläne recht verhängnisvoll gewesen.

Welchen Schrecken der kriegerische Bischof und seine Kriegshorden meist slawischer Herkunft hier verbreitet haben, geht aus einem Vers hervor, mit dem man unartigen Kindern Angst einflößte:

Berndken van Galen De wert di halen !