Ruhestätte in der Morgensonne
Tag des offenen Denkmals: Mausoleum, Antoniuskapelle und ev. Kirche offen
[Bild: Die Südseite des Tengeschen Mausoleums zieren drei Frauenstatuen. Friedrich Ludwig Tenge erbaute 1863 den neoklassizistischen Tempel, in dem er selbst, seine Frau und ein Sohn die letzte Ruhestätte fanden. Foto: Ziese]
Oerlinghausen/Leopoldshöhe (vz). Drei Baudenkmäler öffnen am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals ihre Pforten: In Oerlinghausen das Mausoleum der Familie Tenge und die Antoniuskapelle, in Leopoldshöhe die evangelische Kirche am Marktplatz.
Die ersten zaghaften Strahlen der Morgensonne tauchen die Egge in ein stimmungsvolles Licht. Der nach Norden abfallende Hang gibt die Aussicht auf Asemissen frei. Unten liegt das Gut Niederbarkhausen. Diesen idyllischen Flecken wählten die Tenges als letzte Ruhestätte für ihre Verstorbenen. Als erster wurde dort 1943 Gustav Tenge beigesetzt, jung verstorben zu Barkhausen. Die Kaufmannsund später Industriellenfamilie war erst kurz zuvor nach Lippe gekommen. Friedrich Tenge entstammte dem Osnabrücker Händlerimperium, das mit Leinen, Tabak und Branntwein reich geworden war. Anfang des 19. Jahrhunderts begann er, marode Güter zu erwerben. 1814 kaufte er als erstes für seinen 21jährigen Sohn Friedrich Ludwig das hoch verschuldete Gut Niederbarkhausen. Friedrich Ludwig lebte dort mit seiner Frau Bernhardine Theodore, das Paar hatte zwölf Kinder. Nachdem Theodore 1860 60-jährig verstarb, faßte ihr Gatte den Plan, auf dem Familienfriedhof ein Mausoleum zu errichten. 1863 erbaute er einen Tempel im neoklassizistischen Stil, an der Nordseite von vier Säulen dominiert.
Friedrich Ludwig starb zwei Jahre später im November 72-jährig und fand in der Grabkammer des Mausoleums seine letzte Ruhestätte. Seine Frau und der im Alter von 15 Jahren verstorbene Sohn Ludwig wurden umgebettet und ruhen in Zinksärgen neben ihm. Acht Kammern in der Familiengruft sind indes noch frei und werden es auch bleiben: Um das Mausoleum vor ungebetenen nächtlichen Besuchern zu schützen, wurde der Eingang zur Gruft mit einer Betonplatte verschlossen.
Zur Jahrhundertwende legte Baurat Petri noch einmal Hand an den Tempel: Er erweiterte das Gebäude durch einen Umgang mit großzügigen Glasfenstern, der an der Südseite von drei Frauenstatuen geschmückt wird. Gräberfeld, Tempel und Vorplatz wurden außerdem durch einen Zaun eingefriedet. Heute ist das Mausoleum, das 1985 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen wurde, im Besitz der Tengeschen Familienstiftung.