Die Anlieger schlucken Dreck
Zur Diskussion um die Ortsumgehung Oerlinghausen erreichte die Redaktion ein weiterer Leserbrief:
Die unwahren Behauptungen der Gegner der Umgehungsstraße sind für mich unfaßbar. Da werden Gebiete genannt, die demnächst besonders stark von Lärm und Abgasen bedroht sein werden. Wenn es nicht so traurig wäre, möchte ich lachen, denn hier werden Bereiche aufgeführt, die nie wirklich betroffen werden, mit Ausnahme des Landerweges.
Tatsache: Seit über 20 Jahren wälzt sich ein Verkehrsstrom von zuletzt gezählten rund 22 000 Fahrzeugen pro Tag durch die Bahnhof-, Zeppelin-, Robert-Koch- und Holter Straße, direkt, nur durch einen Bürgersteig getrennt, an den Wohnhäusern vorbei. Kinder und alte Menschen können nicht allein die Straße überqueren. Die Anlieger schlucken den Dreck, die Abgase, müssen mit dem unerträglichen Lärm leben. Aktiver Lärmschutz ist wegen der Enge der Straße nicht möglich. Umsiedlungs- oder Kaufangebote (wie behauptet) wurden den Anliegern nie gemacht.
Zur Erinnerung: Die L 751 führte bis Ende der 60er Jahre durch die Oerlinghauser Innenstadt. Viele Oerlinghauser können sich an die Situation erinnern, wenn ein Bus und ein Lkw sich begegneten. Die anvisierte Lösung bestand darin, daß für den überörtlichen Verkehr eine äußere Umgehung und für die innerörtliche Entlastung eine Straße (wie sie heute verläuft) gebaut würde. Die Anwohner der Zeppelin-, Robert-Koch- und Holter Straße haben dieser innerörtlichen Entlastungsstraße, nachdem man ihnen versichert hatte, daß die äußere Umgehung zeitgleich gebaut würde, (aus heutiger Sicht leider) zugestimmt. Die gesamte Städteplanung (einschließlich aller neu ausgewiesener Wohngebiete) basiert auf dieser Planung. Die innerörtliche Entlastungsstraße wurde vor der äußeren Umgehung gebaut und damit auch für den überörtlichen Verkehr freigegeben. Seit dieser Zeit müssen die Menschen an dieser Straße damit leben.
Die Konfrontation mit den Gegnern der äußeren Umgehung ließ nicht auf sich warten. Die Gegner forderten den Tunnel durch den Menkhauser Berg. Der Planfeststellungsbeschluß sieht ihn vor. Das weitere Für und Wider endete mit der Abweisung aller Klagen vor Gericht. Jetzt wird die äußere Umgehung gebaut. Die Menschen an den inneren Entlastungsstraßen (und alle Bewohner der umliegenden Bereiche wie Steinbült, Küsterfeld, Friedrichstraße, obere Holter Straße, Bereiche des Breitenkamps, Anfang Welschenweg, Triftweg, Wehrenteich, Widfeld u. a. m.) können aufatmen. Fast alle Projekte haben Befürworter und Gegner. Die Gegner der Umgehungsstraße jedoch kehren die Fakten einfach unter den Teppich. Auch frage ich mich, ob die Geschäftsleute in der Innenstadt, die heute Unterschriftenlisten gegen die Umgehung auslegen, vergessen haben, wer den Preis für ihr jetziges Umfeld bezahlt hat.
Waltraud Bartsch
Robert-Koch-Str. 5 33813 Oerlinghausen