Dann verkaufen wir alle Autos

SPD-Informationsabend zur L 751 n interessierte Gegner und Befürworter

 

Oerlinghausen (big). Die Wogen in Sachen Landstraße L 751 neu haben sich (noch) nicht geglättet. Das erlebten Befürworter wie Gegner der Oerlinghauser Umgehungsstraße bei einer Veranstaltung des Lipperreiher SPD-Ortsvereines. Nicht Wellenbrecher konnte er, aber Informant wollte Joachim Hermann, SPD-Stadtverbandsvorsitzender und Mitglied des Umweltausschusses, sein. Er erläuterte in einer die kleine Stube nahezu sprengenden Runde den aktuellsten Bauplanungsstand.

„Der Plan ist rechtskräftig", betonte Hermann und konzentrierte sich - aus Sicht der Lipperreiher - insbesondere auf den südlichen Bereich der Trasse. Hier beginnt das Bauvorhaben mit der Errichtung von Brücken für die Erschließungsstraße, die zu dem Bereich des südlichen Tunneleingangs führt.

[Bild: Ganz klar: Den Verfassern dieses Schriftbandes an der Robert-Koch-Straße kommt die neue Umgehungsstraße L 751n gerade recht. In einer Informationsveranstaltung der Lipperreiher SPD schlug die Wellen nochmals richtig hoch.                Foto: Guhlke]

Noch vor den Sommerferien soll der Auftrag für den Bau des letztendlich 470 Meter langen Tunnels durch den Menkhauser Berg vergeben werden. Die Erschließungsstraße sei notwendig, erläuterte Hermann, damit die Bauarbeiter das Material aus der Tunnelhöhlung abfahren könnten. Am 22. August soll der Bau der Trasse beginnen. Bis der Bautrupp dann im Bereich Lipperreihe angekommen sei, vergingen noch mindestens zwei bis drei Jahre. Laut Plan soll die L 751 n 1998 fertiggestellt sein.

Die Anbindung der L 751 n an den Knotenpunkt Dalbker Straße/Holter Straße/Heideweg ließ die bis dahin recht gemäßigten Gemüter in den Besucherreihen zum ersten Mal anschwellen. Die Einfahrt zum Heideweg werde um etwa 20 Meter versetzt, so daß eine Kreuzung auf der Höhe der Dalbker Straße entsteht - allerdings ist dort nach wie vor keine Ampelanlage vorgesehen.

„Und wie sollen unsere Kinder dann sicher zur Schule kommen?" fragten besorgte Anwohner des Heideweges, deren Jungen und Mädchen die Lipperreiher Grundschule besuchen. Sowohl Joachim Hermann als auch der Ortsvereinsvorsitzende Ekkehard Schulz versprachen, sich beim Landesstraßenbauamt für die Errichtung der Anlage einzusetzen.

Kritische Resonanz seitens der Bürger erfuhren auch die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen. Westlich des Wochenendgebietes am Menkhauser Berg sowie für das Wohngebiet am Heideweg sind lärmdämmende Wälle laut Plan vorgesehen. Oberhalb der Dalbker Straße allerdings nicht. Das stieß bei den Bürgern ebenso auf Unverständnis wie die ihrer Ansicht nach unzureichenden Maßnahmen östlich des Wochenendhausgebietes.

Der Ansicht eines Bürgers, daß die Anbindung der A 33 an die A 2 einen erheblichen Rücklauf des Verkehrs zur Folge gehabt habe und damit die L 751 n nach aktuellem Stand „überflüssig" sei, widersprach Hermann entschieden: „Das ist nicht wahr." Laut Gutachten herrsche in der Bergstadt ein starker Durchgangsverkehr. Der Anschluß der Autobahn wurde zudem bereits in den Planungen berücksichtigt.

Die Straße sei zwar nicht der „Königsweg", räumte der Politiker ein, aber Ziel sei ’es, „die Stadt zu schützen" und den Durchgangsverkehr herauszuschleusen. 700 bis 800 Pkw pro 1 000 Einwohner nannte Hermann die derzeit aktuelle statistische Größe. Rufe nach einem besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehrs-Netz als Alternative zum eigenen Fahrzeug wurden an diesem Abend auch laut. Dann könne nämlich wirklich auf die L 751 n verzichtet werden. Der lakonische Kommentar eines Zuhörers: „Dann verkaufen wir morgen alle unsere Autos."