Hermann Diekmann zum 75. Geburtstag

 

Am 12. März des. Jahres feierte Rektor i. R. Hermann Dickmann in Oerlinghausen seinen 75. Geburtstag. Neben Heinrich Schwanold, Leo Nebelsiek und August Meier-Böke ist er einer der verdienstvollsten Erforscher unserer lippischen Vorgeschichte.

Vor vierzig Jahren, im Frühjahr 1926, fand er an den Quellen und Bachläufen des Teutoburger Waldes im Gebiet seiner Heimatstadt Oerlinghausen die ersten Siedlungen aus der mittleren Steinzeit und konnte dann über 30 Rundhütten von Menschen, die vor etwa 6.000 Jahren hier siedelten, feststellen und in vielen Hunderten von Steinwerkzeugen und mehreren Herdstellen den Nachlaß jenes vorzeitlichen Jägervolkes bergen. Gegen Ende des gleichen Jahres grub er auf einer Randterrasse am Barkhauser Berge die Reste eines Cheruskerhofes aus. Wer damals Hermann Dickmann bei seinen vorgeschichtlichen Grabungen zuschauen durfte, wer all die Feuerstein-Werkzeuge und die Herdstellen des Mesolithikums, die Pfostenlöcher, Tonscherben und Schmelzofenreste des Germanenhofes ans Licht treten sah, konnte den unbeirrbaren Spürsinn und die rastlose Forscherleidenschaft dieses Mannes bewundern, der als „einfacher Volksschullehrer" erst allmählich die Anerkennung der „zünftigen Wissenschaft" errang.

Diekmann hat sich nicht beirren lassen. Im Jahre 1931 erschien sein reich bebildertes Werk „Steinzeitsiedlungen im Teutoburger Walde", 1935 die „Vorgeschichte der Bergstadt Oerlinghausen". Er hat weiter gegraben, gezeichnet, gesammelt und Modelle vorgeschichtlicher Bauten angefertigt. In den Jahren bis zum 2. Weltkrieg stellte er im Raum Oerlinghausen - Dörenschlucht insgesamt 42 Steinhügel- und 148 Sandhügelgräber fest, vermaß und kartierte sic und grub gefährdete aus. In seinem 1934 gegründeten Schulmuseum, das er später zu einem sehenswerten Heimatmuseum ausbauen konnte, stellte er Tausende vorgeschichtlicher Gegenstände aus. Ein großer Erfolg war ihm beschieden, als 1937 auf Grund seiner Entdeckungen und der Bestätigung durch anerkannte Wissenschaftler die ersten Germanen-Häuser am Barkhauser Berg errichtet wurden, die jedoch, wie auch das Heimatmuseum, 1945 blindem Unverstand zum Opfer fielen.

Im Jahre 1938 fand Diekmann westlich der heutigen Stadt Oerlinghausen die Spuren einer frühgeschichtlichen sächsischen Siedlung, gleichsam das „Ur-Oerlinghausen". Er konnte u. a. eine Schmiede, einen Schmelzofen und eine große Versammlungshalle feststellen. Der Krieg setzte dann seinen rastlosen und erfolgreichen Forschungen ein Ziel, und später hat es lange gedauert, ehe man Hermann Diekmann und seinem Werk wieder die gebührende Anerkennung zuteil werden ließ. Aber er hat auch damals nicht aufgehört zu forschen und für die Vorgeschichte der Heimat zu werben, und so durfte er 1960 die Krönung seines Forscherlebens erfahren, als unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Reinerth, dem Erforscher der Pfahlbauten am Bodensee und Gründer des Pfahlldorfes Unteruhldingen, das von Diekmann entdeckte Cheruskergehöft am Barkhauser Berge als Freilichtmuseum Oerlinghausen wieder ausgebaut wurde.

Wenn heute eine von Jahr zu Jahr wachsende und nun schon mehrere Hunderttausende zählende Besucherschar diese Pflegestätte unserer heimischen Vorgeschichte staunend erblickt, dann darf Hermann Dickmann das Bewußtsein haben, daß seine Forschungsarbeit reiche Früchte getragen hat und daß er einen wertvollen Beitrag leisten konnte, für die so wichtige Gegenwartsaufgabe, den heutigen und den kommenden Geschlechtern die Vergangenheit von Heimat und Volkstum lebendig zu erhalten. Mögen ihm, der noch immer rege tätig ist und der z. Z. an der Vorgeschichte der Sennestadt arbeitet, noch lange Jahre erfolgreichen Schaffens beschieden sein!

Süvern