August Reuter - Erster Bürgermeister und Ortschronist

August Wilhelm Peter/Erwin Pott:

 

August Reuter (1883 - 1960) wurde 1919 zum Gemeindevorsteher von Oerlinghausen gewählt und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters, der von 1893 — 1907 Vorsteher der Dorfschaft Oerlinghausen war. Mit der Verleihung der Stadtrechte am 22. April 1926 wurde er der erste Bürgermeister der neuen Stadt.

Daß der jahrzehntelang immer wieder vorgetragene Wunsch nach Stadtwerdung endlich erfüllt wurde, verdankt Oerlinghausen nicht zuletzt August Reuter. 1933 wurde er aus seinem Amt entlassen. Sofort nach Beendigung der Kampfhandlungen Anfang April 1945 riefen ihn die Oerlinghauser in seine Geburtsstadt zurück. Leider mußte er bereits am 10. Januar 1946 aus gesundheitlichen Gründen sein Bürgermeisteramt aufgeben.

August Reuters Passion war es, die Geschichte der Stadt, die noch gänzlich unerforscht war, in den Archiven zu erkunden und darüber umfangreiche Unterlagen zu sammeln. 1922 war von ihm der Verein für Natur- und Heimatkunde mitgegründet worden, der 1946 unter dem neuen Namen „Heimatkundlicher Verein Oerlinghausen” wieder ins Leben gerufen wurde und dessen zweiter Vorsitzender er war. Auch wurde von ihm die Oerlinghauser Gruppe des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins geführt. Durch Vorträge, Veröffentlichungen und Exkursionen wurde die Liebe zur Heimat gefördert und gefestigt.

Weihnachten 1928 begann August Reuter mit seinen handschriftlichen Aufzeichnungen im ledergebundenen „Buch der Stadt Oerlinghausen”. Jede freie Stunde nutzte er, um auf über 300 großformatigen Seiten „Aus der Geschichte von Oerlinghausen” zu berichten. August Reuters Wunsch war es, seine Abhandlungen einmal als Buch zu veröffentlichen. Sein Tod am 24. Dezember 1960 verhinderte dieses Vorhaben.

Auf Bitten der Stadt Oerlinghausen erklärten sich 1969 die Herren Rektor i. R. Bruno Hunke und Professor Hans Sprenger – beide in Oerlinghausen geboren und aufgewachsen - bereit, Reuters Material zu ergänzen und soweit vorzubereiten, daß eine Drucklegung in Angriff genommen werden konnte. Bruno Hunke war seit Jahren im Vorstand des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das Land Lippe tätig und leitete die Vereinsgruppe Oerlinghausen sowie den Heimatkundlichen Verein. Hans Sprenger hatte sich ebenfalls als Heimatfreund mit der lippischen Geschichte vertraut gemacht. Leider verstarb Hans Sprenger bereits 1973 und Bruno Hunke 1980. Beide haben ihr gemeinsam angefaßtes Werk nicht vollenden können. Es liegt nur das Manuskript des von ihnen erarbeiteten ersten Kapitels „Vorwerk Orlinchusen” vor, das vorstehend veröffentlicht wird.

Der nachstehend auszugsweise abgedruckte Brief von Hans Sprenger an Bruno Hunke gibt ein lebendiges Bild ihrer Darstellung des heimatlichen Raumes.