BHW vor dem Aus

Geschäftsführer sehen keine Aussicht auf Besserung im Baugewerbe

 

[Bild: Ruhe auf dem Betriebsgelände: Den Bielefelder Hartsteinwerken geht es als Zulieferer der Bauindustrie schlecht. Das bekommen jetzt auch die Mitarbeiter zu spüren.       Foto: Lass]

Oerlinghausen (cla). Die Bielefelder Hartstein werke (BHW) in Oerlinghausen stehen womöglich vor dem Aus. Das Unternehmen mit acht Mitarbeitern soll nach dem Willen der Geschäftsführung wegen der an-haltenden konjunkturellen Flaute im Bausektor und mangelnder Aussicht auf Besserung schließen. Maßgebend sind die Geschäftsführer Dr. Georg Rheinberg und Rainer Fehring, die zugleich das Kalksandsteinkontor Westfalen-Lippe in Bielefeld, die Vertriebsgesellschaft für mehrere Kalksandstein werke in der Region, leiten.

Die Geschäftsführung habe „mit sehr vielen“ Mitarbeitern, so Rheinberg, Arbeitsplatz-Angebote für Werke im Umkreis von 50 Kilometern gemacht. Bei den Gesprächen seien auf Einladung der Firmenleitung auch Vertreter der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt zugegen gewesen.

Die Stadt Oerlinghausen versucht derweil, das Unternehmen am Ort zu halten. „Wir sind in Gesprächen“, bestätigte Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort auf Anfrage der NW. Nicht bestätigten Informationen zufolge haben die Bielefelder Hartsteinwerke verschiedene Vorschläge mit finanziellen Auswirkungen für die Stadt gemacht, unter welchen Bedingungen sie sich eine weitere Produktion vorstellen könnten.

Brisanz könnte für die Bergstadt die Aufgabe des Standortes nicht nur wegen der insgesamt schwindenden Gewerbesteuereinnahmen und des Wegfalls von acht Arbeitsplätzen, sondern auch wegen verschiedener Klauseln in Erbpacht- und Abbauverträgen haben. So produziert das Unternehmen beispielsweise seit 1956 An der Bleiche auf Flächen, die es auf der Grundlage eines Erbpachtvertrages von der Stadt erhalten hat.

Geben die Bielefelder Hartsteinwerke die Produktion in Oerlinghausen auf, so hat das nach Auffassung der Bürgermeisterin keine Auswirkung auf den Erbpachtvertrag. Mit anderen Worten: Die Bielefelder Hartsteinwerke müssten weiter ihren Zins leisten. In welcher Höhe, will Dr. Herbort nicht öffentlich machen. Aber das Ob ist für sie keine Frage, vor allem keine der rechtlichen Auslegung: „Der Vertrag besteht. Basta.“

Darüber hinaus: „Selbst wenn die Frist abgelaufen wäre, müssten wir die Grundstücks-Aufbauten nicht zwangsläufig übernehmen“, sagt die Bürgermeisterin und stellt sich damit Gerüchten über eine für die Stadt kostspielige Wiederherstellung des Geländes entgegen.

Rekultivierung ist die Pflicht des Unternehmens

Neben dem Erbpachtzins zahlen die Bielefelder Hartsteinwerke eine Nutzungsentschädigung für den Sand, den sie in der so genannten Sandkuhle Haßler/ Hanning abbauen. Berechnet wird die Höhe der Entschädigung auf der Basis der verkauften Steine.

Oerlinghausens Kämmerer hat im Jahr 2000 noch knapp 25 500 Euro auf der Haben-Seite des städtischen Haushalts verbuchen können. Optimistisch kalkulierte er 2001 mit gut 30 000 Euro. Doch mit der Bauwirtschaft ging es abwärts: Schon für 2002 rechnete der Finanzchef nur noch mit 17 000 Euro. Ob sie tatsächlich erreicht werden, ist fraglich.

Dr. Rheinberg macht jedenfalls aus der schlechten Lage im Bausektor keinen Hehl. „Als Zulieferer trifft das auch uns.“ Signifikante Verbesserungen in der Auftragslage sind nicht zu erwarten, konstatiert schon die Verwaltung in ihren Erläuterungen zum Etat für 2002. „Stichwort: Eigenheimzulage“, sagt der Geschäftsführer wie zur Ergänzung.

Sehr zum Ärger der Natur- und Umweltschützer, ist die Nutzungsentschädigung für die Abgrabungen in der Sandkuhle Haßler/Hanning nie in die Natur geflossen, sondern in den allgemeinen Verwaltungshaushalt der Stadt. Statt ihrer haben die Bielefelder Hartsteinwerke Rekultivierungspflicht gegenüber der Stadt für das Abbaugebiet. Und die bleibt nach Auffassung der Bürgermeisterin auch bestehen, wenn der Betrieb bereits eingestellt ist.