Allgemeine Angaben über Oerlinghausen
Von Fritz Soll sen.
An dieser Stelle scheint es uns angebracht, ein paar allgemeine Angaben über die von uns untersuchte Stadt Oerlinghausen voranzuschicken, um die Situation zu klären, in der sich die damaligen Ereignisse altspielten.
Diese Angaben beziehen sich, soweit nicht anders angegeben, nur auf Oerlinghausen ohne die damals noch eigenständigen Orte Lipperrreihe, Mackenbruch, Währentrup, Wellentrup.
1. Statistische Angaben über die Bevölkerung von Oerlinghausen.
Oerlinghausen hatte 1933 3 473 Einwohner, davon 1646 männliche. Daraus ergibt sich die Bezeichnung Kleinstadt für Oerlinghausen.
Die berufliche Gliederung ergibt folgendes Bild (1932):
Prod. Gewerbe – Handwerk - Industrie: ca. 70 % der Erwerbst.
Landwirtschaft: ca. 1,2% der Erwerbst.
Dienstleistungen: ca. 29 % der Erwerbst.
Dieses Bild ist für einen lippischen Ort atypisch und der hohe Arbeiteranteil in Oerlinghausen erklärt auch mit seine politische Sonderstellung im überwiegend ländlichen Lippe, worauf wir später noch einmal zurückkommen werden. Die Hauptindustriezweige in Oerlinghausen waren damals:
die Möbelindustrie (ca. 400 bis 500 Beschäftigte)
die Leinenindustrie (ca. 600 Beschäftigte)
die Zigarrenindustrie, die allerdings stark nachließ und ihren Höhepunkt vor 1930 hatte. Die Arbeiter dieser Industrien waren in sehr hohem Maße gewerkschaftIich organisiert.
Die konfessionelle Gliederung stellte sich am 01.03.33 folgendermaßen dar:
ca. 95 % evangelisch
ca. 5 % katholisch.
Außerdem 19 jüdische Mitbürger, von denen wahrscheinlich vier in KZ‘s umgekommen sind. Das tragische Schicksal der jüdischen Einwohner ist aber nicht Thema dieser Arbeit und soll deshalb nur am Rande erwähnt werden.
Fritz Soll