Vorladung des Scharführers Franz C.

 

Detmold, den 6. November 1933

 

S.Z .

Vorgeladen erschien der Scharführer Franz C. in Oerlinghausen, geb. 14. 8. 1911 in Werben a. d. Elbe.

Etwa im Januar 1932 erließ die Reichsregierung ein Umzugsverbot. Noch bevor dies Verbot heraus war, verbot der Bürgermeister in Oerlinghausen der S.A. das Marschieren.

Anfang des Jahres 1932 marschierte der Sturm 108 unter der Führung des Sturmführers W. um am Kriegerdenkmal auf dem Tönsberge einen Kranz niederzulegen. Unterwegs wurde der Zug durch die Polizei aufgelöst. Der Sturm mußte darauf in aufgelöster Ordnung - die einzelnen Leute in einem Abstand von etwa 10 m - den Tönsberg hinauf marschieren. Auch der Rückmarsch musste sich in aufgelöster Ordnung vollziehen. Dies ereignete sich, als die Reichsregierung das Umzugsverbot noch nicht erlassen hatte. Eine nähere Zeitangabe ist mir nicht mehr möglich.

Die Marxisten haben wiederholt Häuser und Straßen beschmiert, aber niemals eine Strafe erhalten. Als H. aber eines Tages ein schwarz-rot-goldenes Schild, das am Laden des Konsumvereins hing, überschmierte, erhielt er eine Gefängnisstrafe Geldstrafe, die H. dann abgesessen hat.

Eines Abends, Ende 1931, ging der jetzige Sturmführer H. am "Essener - Hof" vorbei, wo er von Marxisten angepöbelt wurde. Es kam zu einem Wortwechsel. 10 - 15 Mann fielen über H. her und brachten ihm verschiedene Kopf- und Handverletzungen bei. H. zog das Messer, und stach aus Notwehr einen Marxisten an den Kopf. Heumann wurde deswegen bestraft. Den Marxisten geschah nichts. Dies weiß ich aus Erzählungen von H.

Wenn wir Propagandaumzüge machten, so wurde uns regelmäßig vom Bürgermeister Reuter polizeilicher Schutz versagt, obwohl es öfters zu Zusammenstößen mit Marxisten kam. Ich bin deshalb der Meinung, dass Bürgermeister Reuter die Marxisten begünstigt hat.

Eines Tages im Sommer 1932 entstand zwischen dem Polizeimeister Neese in Oerlinghausen und dem jetzigen Sturmführer eine Auseinandersetzung darüber, ob mehrere S.-A.- Leute im geschlossenen Zuge marschiert waren. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung wurde H. von N. geohrfeigt. Ich nehme an, das N. anders gehandelt hätte, wenn er nicht mit der feindlichen Einstellung des Bürgermeisters gegenüber den Nationalsozialisten gerechnet hätte. Bei der Auseinandersetzung zwischen N. und H. war ich nicht zugegen. Ich weiß dies aus Erzählungen meiner S.A.-Kameraden.

Zum Schluss verweise ich noch darauf, dass Bürgermeister R. die Verfehlungen des Stadtsekretärs N. gedeckt hat.

Anfang 1932 waren mein Vater und meine Brüder und ich selbst arbeitslos. Wenn wir als Unterstützung Gutscheine für Lebensmittel erhielten, so waren diese stets für Geschäftsleute ausgestellt, die sozialdemokratisch eingestellt waren. Nationalsozialistische Geschäftsleute wurden hierbei nicht berücksichtigt.

Ich will noch folgendes bemerken, Gelegentlich eines Umzuges hat Bürgermeister R. uns einmal darauf aufmerksam gemacht, dass uns - wir waren etwa 6 S.A.-Leute  -  etwa 30 Marxisten entgegenkämen, wir sollten uns vorsehen, dass es nicht wieder zu einer Schlägerei käme. Wir sind daraufhin zurückmarschiert. Dieser Vorgang scheint für den Bürgermeister zu sprechen.

Ich nehme aber an, dass er sich damals bei uns anschmieren wollte.

Im allgemeinen habe ich den Eindruck, dass Bürgermeister R. den Nationalsozialisten gegenüber feindlich eingestellt war.

 

Vorgelesen, genehmigt und

Franz C.

Unterschrieben

 

Beglaubigt:

 

 

C. erklärte noch, dass H. und S. z.Zt . abwesend sind, da sie <e4 an einem Kursus teilnehmen. F. kommt in dieser Woche zurück, F. voraussichtlich erst kurz vor Weihnachten. Ich werde beiden Bescheid sagen, daß sie sich sofort nach ihrer Rückkunft hier einfinden. G. war heute Morgen verhindert. Ich will auch ihm Bescheid sagen, dass er sich an einem Vormittage dieser Woche hier einfindet.