Bericht der NSDAP Oerlinghausen

 

N.S.D.A.P.

Ortsgruppe Oerlinghausen.

 

Oerlinghausen, den 29. September 1933.

 

Bericht betr.: Bürgermeister Reuter, Oerlinghausen.

 

Im Jahre 1919 wurde Reuter mit Unterstützung der S.P.D. - die damals allein ausschlaggebend war - zum Bürgermeister gewählt. Reuter hat es immer verstanden sich mit jedermann auf guten Fuß zu stellen, wenn er mit den Sozialdemokraten Politik machte, so brachte er es gleichzeitig fertig sich bei den Bürgerlichen in ein gutes Licht zu setzen, indem er sich einsetzte für die Errichtung eines Ehrenmals der ehern. 145., die während des Krieges in Oerlinghausen lagen. Auch ein Löns-Gedenkstein wurde errichtet. Das Oerlinghauser Segelfluggelände erfreute sich auch seiner liebevollen Annahme. Herr Reuter sorgte dafür, daß dem roten Segelflugverein Sturmvogel trotz großer Kosten die Ausübung seines Sportes ermöglicht wurde. Dass er sich, um der Politik der S.P.D. willen, mit solch einflußreichen Leuten wie Herr von Lentzke überwarf -sehr zum Schaden der Stadt- sei nur nebenbei erwähnt. Über die damalige städt. Finanzwirtschaft etwas zu sagen erübrigt sich wohl, erinnert sei nur an den Kanalbau, Rathaus- und Häuserankauf und Sportplatz. Es war selbstverständlich, dass die Ratsherren der S.P.D. zu einen sehr niedrigen Mietsatz in städtischen Gebäuden wohnten. Wenn trotz dieser niedrigen Miete der damalige Ratsherr Schütte der Stadt heute noch weit über RM 1000.- Miete schuldig ist, die nicht beitreibbar sind, so sagt das alles. Der Ratsherr Becker, welcher im Rathause wohnte, erhielt dadurch einen Nebenverdienst, dass er die Diensträume der Stadt reinigte; außerdem war der Pächter des Rathauses, Herr Gräber, verpflichtet ihn bei allen festlichen Anlässen die Garderobeaufbewahrung zu übertrugen; hierzu sein Verdienst als Webermeister, während die Erwerbslosigkeit von Tag zu Tag zunahm. Auf der anderen Seite wurde aber versucht den Seilermeister Allmendinger, bei welchen unser jetziger Sturmführer Heumann beschäftigt war und wohnte, wegen geringer Mietrückstände aus seiner Wohnung zu bringen. Seine Einstellung zu der nationalsozialistischen Bewegung geht aus folgenden hervor: Im Oktober 1929 wurde anlässlich der ersten nat.-soz.-Versammlung Plakate geklebt, Pg. Heumann wurde am folgenden Tage polizeilich vernommen und zu RM 25.- Geldstrafe zusätzl. Kosten verurteilt, resp. polizeilich bestraft. Pg. Heumann bot dem Bürgermeister Ratenzahlung an, die Reuter aber ablehnte, Heumann einen dummen Jungen schimpfte und erklärte, daß die Nazis feiges, lichtscheues Gesindel wären und er müsse die Strafe zahlen oder er wanderte in den Kasten, Pg. Heumann erhob beim Gericht Einspruch und wurde dann zu RM 10.- zuzüglich Kosten verurteilt, wobei ihm leichte Ratenzahlung eingeräumt wurde. Im Mai 1930 wurden Flugblätter verteilt von mehreren S.A.-Männern, auf Anruf der S.P.D. beim Bürgermeister wurden die Pg. wegen Aufreizung gegen die bestehende Ruhe und Ordnung von der Straße weg verhaftet und die Flugblätter beschlagnahmt. Bemerkt sei, dass es sich um ein Flugblatt gegen den Juden Fechenbach handelte. Jedesmal wenn seitens der N.S.D.A.P. geklebt war, wurde Pg. Heumann ins Rathaus zitiert und ihm gesagt, man wüßte dass er geklebt hätte und wann er nicht bekennen würde, gings in'n Kahn. Wenn Heumann dann nichts nachzuweisen war, wurden Haussuchungen bei ihm abgehalten. Es kam vor, daß in einer Woche drei bis viermal die Polizei bei Heumann war. Nach wiederholten Überfällen auf den Pg. Heumann ging H. zum Bürgermeister und verlangte Schutz, resp. Abänderung der Zustände. Bürgermeister Reuter erklärte ihm, daß wäre ja merkwürdig, ihm passierte daß ja nicht, er solle die Leute nicht aufreizen mit seinem Parteiabzeichen, dass wollten die Leute hier nicht haben, er solle aus der Partei austreten oder nicht mehr durch die Straßen sondern über den Berg gehen.

November 1931 wurde durch Pg. Heumann ein Durchzug des damaligen Sturmes 108 Bad Salzuflen angemeIdet, verbunden mit Gefallenenehrung und Kranzniederlegung an Ehrenmal. Diese Anmeldung wurde nach Entrichtung der Gebühren genehmigt, nach zwei Tagen aber widerrufen mit der Begründung in den nächsten Tagen käme ein allgemeines Demonstrationsverbot heraus. Es wurde dann aber doch die Gefallenenehrung gestattet unter der Bedingung, dass nur der Kranzträger und zwei Mann als Begleitung zu den beiden Ehrenmälern gehen durften. Als der Sturm in Oerlinghausen ankam, wurde er von der Polizei sofort aufgefordert sich aufzulösen. Der Sturm kam dieser Aufforderung nach und musste nunmehr zum Gaudium der zuschauenden Marxisten wie eine Hammelherde zum Ehrenmal in der Stadt gehen. Als der damalige Sturmführer Werder wenigstens zur Totenehrung beim Denkmal den Sturm antreten lassen wollte, wurde auch dieses verboten. Zum Ehrenmal der 145 er auf dem Berge, mussten die S.A. Männer einzeln mit 5 m Abstand gehen. So wurde eine ernste, feierliche Angelegenheit, nur weil sie von national denkenden Männern vorgenommen wurde, bewusst lächerlich zu machen versucht. Bemerkt werden muss noch, dass die Marxisten bei dieser Gelegenheit Flugblätter verteilten die zu Gegenkundgebungen aufforderten, die auch stattfanden; die K.P.D. forderte direkt zum Mord in einem Flugblatte auf. Ein Flugblatt ist s.Z. dem Bericht beigefügt worden, und muss sich bei den Akten befinden. Auf Grund dieser öffentlichen Aufforderungen der Marxisten zu Gewalttätigkeiten mehrten sich die Überfälle auf unsere Parteigenossen. Statt das sie Schutz von der Polizeibehörde erhielten, wurden sie ausgelacht und in jeder Weise schikaniert. Wie weit dieser Terror ging, ist daraus zu ersehen, wie die einzelnen S.A. Männer bestraft sind. So sind bestraft: Heumann mit 10 Tagen, Heumann 50.- RM, nochmal 50.- RM, Heumann mit 3 Monaten, Heumann nochmal mit 3 Monaten, Ciepliek 3 Monate, Schulz 3 Monate. Immer wurde es so dargestellt als wenn die 12 Oerlinghauser Parteigenossen einen Terror auf die ganze Bevölkerung ausübte. Wurde von der N.S.D.A.P. eine Veranstaltung aufgezogen, musste Herr Reuter entweder verreisen oder er war krank, so dass die Polizeigewalt dem ersten Stadtrat, dem Sozialdemokraten Schütte, übertragen wurde, der sie dann schon entsprechend ausnutzte. Ferner duldete Bürgermeister Reuter, daß der hiesige Konsumverein öffentlich zum Boykott hiesiger Geschäftsleute auffordern konnte. Noch nach der Machübernahme durch die N.S.D.A.P. konnten sich die Marxisten, bei dem Fackelzug der nationalen Verbände, eine Beschimpfung der Symbole des neuen Reiches, sowie des Führers in der gemeinsten Weise erlauben. Hier sorgte Herr Reuter nicht für Schutz, während bei dem Aufmarsch eines S.A.-Sturmes im Jahre 1931 "zum Schutze der Bevölkerung“ ein starkes Polizeiaufgebot von auswärts anwesend war. Es ist nicht anzunehmen, dass Herr Reuter von allen diesen Dingen nichts gewußt hat, die innerhalb der Bewegung in ganz Lippe besprochen wurden, vielmehr muss angenommen werden, dass er nichts hat sehen wollen. Hat er nichts gewusst, dann ist er für das Amt als Bürgermeister nicht fähig gewesen, hat er aber gewusst, dann hat er das ihm anvertraute Amt mißbraucht. Die Beschwerden unserer Parteigenossen haben jedenfalls nie den gewünschten Erfolg gehabt. Alle Einzelheiten anzuführen ist unmöglich, denn darüber wäre ein ganzes Buch zu schreiben. Am besten unterrichtet über alle Vorkommnisse sind der jetzige Sturmführer Heumann, der Scharführer Cieplik, der S.S.-Mann Schulz, der frühere Ortsgruppenleitor Juhnke und der jetzige Stadtrat Gronemeier. Auch beiliegende Anlagen sind für seine, Bürgermeister Reuters Einstellung, geradezu bezeichnend. Diese Schriftstücke sind s. Z. in der Eile von von Herrn Reuter vergessen.

 

 

Ortsgruppenleiter