Bericht über die Aktion der SA am 11. März 1933 in Oerlinghausen
Bericht
Gründe: Oerlinghausen gilt im Lipperlande als eine Hochburg des Marxismus. Das Ergebnis der letzten Reichstagswahl beweist dieses auf das Beste, ca. 750 Stimmen für die N.S.D.A.P. und ca. 1 240 Stimmen für den Marxismus. Diese Stadt wird beherrscht von Bürgermeister Reuter, der als Linksdemokrat anzusprechen ist, ebenso ist R. Logenbruder und hat den Typ eines Halbjuden. Ferner steht ihm zur Seite ein, aus drei Personen bestehender, Stadtrat, der sich zusammensetzt aus zwei Sozialdemokraten und einen Demokraten.
Bürgermeister Reuter hat nun in Oerlinghausen eine Schaukelpolitik betrieben derart, dass er einmal die Politik seiner Logenbrüder und einmal die Politik seiner marxistischen Gesinnungsgenossen machte, er hat in all den Jahren die deutsche Freiheitsbewegung mit den rigorosesten und gemeinsten Mittel bekämpft und gequält. Als Beispiel führen wir an:
Am 9. November 1931 marschierte der Sturm Schötmar nach Oerlinghausen um am Ehrenmal einen Kranz niederzulegen zur Gefallenenehrung. Am Eingang der Stadt wurde der Sturm von einem verstärkten Polizeiaufgebot mit dem Gummiknüppel auseinander trieben. Die SA-Männer gingen darauf einzeln zum Ehrenmal am Friedhof und traten zur Ehrung an. Als eben der feierliche Akt vollzogen werden sollte, fuhr die Polizei Reuters abermals mit dem Gummiknüppel dazwischen. Die Gefallenenehrung konnte in der beabsichtigten Form nicht vor sich gehen, nur ein Mann durfte den Kranz hinlegen und die SA von ferne zusehen. Lediglich der Ruhe und Besonnenheit des damaligen Sturmführers Werder ist es zu verdanken, dass es an dem Tag'1 nicht zu größeren Ausschreitungen kam. Daraufhin ging die SA aufgelöst zum Ehrenmal auf dem Berge, um auch hier die Heldenehrung am steinernen Sarkophag vorzunehmen. Die Polizei, die sich bereits oben befand, ließ die SA-Männer einzeln mit mindestens 15m Abstand an das Mal herantreten und verhinderte es sogar, daß nur ein paar feierliche Worte gesprochen wurden.
Der frühere SA-Mann, jetzige Truppführer Kurt Heumann, war damals einziger SA-Mann in Oerlinghausen. Fast täglich wurden auf Heumann Überfälle gemacht, niemals wurde ein Täter von der Polizei zur Anzeige gebracht. Andererseits wurde aber Heumann wegen Klebens und Tragens eines Spatens zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, dasselbe geschah auch einem anderen SA-Kameraden. Diese Feststellungen wurden von der Polizei Reuters prompt gemacht.
Reuter richtete es ferner immer so ein, dass er bei Veranstaltungen der Bewegung entweder krank oder verreist war, so dass die Polizeigewalt dann auf den 1. Beigeordneten, den Sozialdemokraten Schütte, überging. Schütte übte dann seine Gewalt so aus, wie man es von einem SPD-Mann nicht anders erwarten konnte.
Unter der Ära Reuter ist es sogar in allerletzter Zeit vorgekommen, dass der dortige Konsumverwalter die Arbeiterschaft Oerlinghausens durch Plakataushang öffentlich zum Boykott der anderen Gewerbetreibenden auffordern konnte
Auch noch nach dem 30. Januar mussten unsere Pgg. sich täglich auf der Straße von Marxisten anpöbeln lassen. Beim Fackelzug konnten sich Marxisten ansammeln und auf offener Straße rufen: Nieder mit Hitler und Hitler verrecke.
Nach Einsetzung der Hilfspolizei wurden Haussuchungen auf Waffen vorgenommen, die jedoch kein Ergebnis zeitigten. An gestrigen Sonnabend, dem 11. März äußerten Reichsbannerleute am Arbeitsamt, dass sie trotz der Haussuchungen über genügend Waffen verfügten, um dem Hitlerspuk ein Ende zu bereiten. Dies alles veranlasste den Sturmbannführer 11/55 den Sturm 13/55 und Teile des Sturmes II/55 vor dem Rathaus in Oerlinghausen aufmarschieren zu lassen. Die Truppe stand um etwa 9.30 Uhr vor dem Rathaus. Bürgermeister Reuter war durch den vorrausfahrenden Adjutanten II/55 gebeten worden, sich auf seinem Amtszimmer zur Verfügung zu halten. R. wurde auch dort angetroffen. Sturmbannführer Werder begab sich mit seinem Adjutanten Filges und dem Geldverwalter Meierhans in das Amtszimmer und erklärte dem Bürgermeister, daß er sich vorläufig jeder Amtshandlung zu enthalten habe und zwar bis zur Entscheidung der Landesregierung. Auf die Frage Reuters nach dem Auftraggeber wurde ihm bedeutet, dass die deutsche Revolution marschiere und der rote Terror In Oerlinghausen sein Ende gefunden habe. Inzwischen waren im Amtszimmer noch erschienen der Führer der Hilfspolizei SS Scharführer Eissen, sowie auch der OGF von Bad Salzuflen Pg. Hillebrenner. Auch der zufällig in Oerlinghausen anwesende Landtagsabgeordnete Kreisleiter Prüssner wurde hinzugezogen. Nach längeren Auseinandersetzungen, bei denen keinerlei Gewalt angewandt wurde, verließ Bürgermeister Reuter das Amtszimmer.
Nach seinen Fortgang wurde der Reichsbannerführer Von Oe. vorgeführt. Die durch Sturmbannführer II/55 mit der Aufsichtbetrauten Pgg. Hillebrenner und Meierhans, die Polizeigewalt war dem Führer der Hilfspolizei SS Scharführer Eissen übertragen, vernahmen im Beisein. Eissens den Rb.-Führer. Er beteuerte immer wieder, daß er keine Waffen im Besitz habe oder versteckt halte, auch das Reichsbanner verfüge s. W. über keine Waffen. Dasselbe sagte ein etwas später aufgegriffener Reichsbannermann aus. Andere Vernehmungen wurden nicht mehr vorgenommen. Der Zugang zu den Räumen wurde von SA-Männern bewacht. Akten oder Schubladen sind von niemanden angerührt worden. Nach einigen kurzen Ausführungen des Adjutanten II/55, welche zur Aufklärung der Bevölkerung über die Vorgänge dienten, begann der Propagandamarsch der SA durch die Stadt. Die Ausführungen des Adjutanten von der Rathaustreppe aus wurden von der Bevölkerung mit lautem Beifall aufgenommen. Nach Rückkehr vom Propagandamarsch formierte sich die Truppe nochmals vorn Rathaus. Hier gedachte der Adjutant in feierlicher Weise der Toten des Weltkrieges und der Bewegung und ermahnte zur Disziplin sowie zur Treue an dem Banner […..] der deutschen Revolution. Die SA rückte nun aus Oerlinghausen ab. Zurückblieben außer Pgg. Hillebrenner und Meierhans eine Wache von 25 Mann SA., welche in Verbindung mit der Hilfspolizei die Ruhe und Ordnung verbürgte. Zwischenfälle irgendwelcher Art sind nicht mehr vor-gekommen.
Heute morgen pünktlich um 8 Uhr wurden die Reichs- und Landesfarben vor angetretener SA und Hilfspolizei Halbmast gehisst. Hiernach fingen zwei Hilfspolizeibeamte mit Pg. Hillebrenner zum Konsum und dessen durch den Lagerhalter die Boykott Inschrift aus dem Schaufenster entfernen. Ferner stellte er zwei Reichsbannerfahnen sicher. Das disziplinierte Auftreten der SA hatte zur Folge, das im Laufe des Vormittags Marxisten auf das Rathaus kamen, ohne jede Aufforderung, und erklärten, daß sie im Besitz von Kleinkaliber-Büchsen seien, hierfür aber Waffenschein besäßen. Auf Wunsch würden sie diese Waffen abgeben.
Kurz vor Mittag bat Bürgermeister Reuter um eine Unterredung, der auch stattgegeben wurde. Pg. Meierhans machte ihm noch einmal klar, was zur Aktion der SA Veranlassung gegeben hatte. Merkwürdigerweise unterstützte der inzwischen herbeigekommene Zellenwart Hesse den Bürgermeister bei seinen Entschuldigungen, so daß zuletzt nichts weiter übrig blieb als beiliegende Eingabe an die Landesregierung zu verfassen. Sturmbannführer Werder weigert sich aber, nach all den Schikanen der letzten Jahre durch Reuter, diese Eingabe mit zu unterzeichnen, da sowohl er als auch die SA die Ansicht vertritt, dass R. verschwinden muss.
Gleich nach Mittag rief Landespräsident Pg. Krappe an und erkundigte sich zunächst bei Pg. Hillebrenner nach dem Stande der Angelegenheit.
Hillebrenner rief Pg. Meierhans zum Apparat, welcher Pg. Dr. Krappe die Eingabe vorlaß. Pg. Dr. Krappe erklärte, dass die Landesregierung diese Aktion der SA nicht billigen könne, ob uns nicht die Veröffentlichung des Führers im heutigen völkischen Beobachter bekannt sei. Es wäre keine Art und Weise einen Bürgermeister durch SA abzusetzen. Aufmerksam gemacht, daß Reuter nur bis zum Eingreifen der Regierung jede Amtshandlung von uns untersagt sei, sagte Pg. Dr. Krappe, er wolle sich auf Wortklaubereien nicht einlassen. Er habe Wichtigeres zu tun als sich andauernd mit SA- Aktionen zu befassen, Pg. Dr. Krappe beauftragte dann Pg. Meierhans Bürgermeister Reuter zu bestellen ihn anzurufen. Dieses ist geschehen. Pg. Krappe hat noch erklärt, dass er über die Eingabe befinden werde.
Nunmehr hat sich sowohl Meierhans als auch Hillebrenner jeden weiteren Eingriffs enthalten, sind vielmehr zurückgefahren und haben dem Sturmbannführer Meldung erstattet.
Bad Salzuflen, den 12. März 1933
Der Führer des Sturmbann II/55
m.d.F.b.
Werder
Sturmführer.
Meierhans
Sturmbann- Geldverwalter
Scharführer u. Adjutant.
m.d.F.b.