Gleichschaltung

 

Am 30.1.33 wurde Adolf Hitler Reichskanzler eines mit nur zwei weiteren Nazi-Ministern besetzten Präsidialkabinetts. Schon mit diesem Tag begann der Prozeß der Gleichschaltung. Dies war möglich, weil das Innenministerium als Schlüsselinstanz von dem Nazi Frick besetzt war. Schlag auf Schlag wurde das demokratisch-parlamentarische System zerschlagen und ein Führerstaat mit Hitler an dessen Spitze errichtet. Wichtige Stationen dieses Prozeßes waren die Reichstagsbrandverordnung, das Ermächtigungsgesetz, die Aufhebung des Föderalismus, die Ausschaltung der Gewerkschaften und aller politischen Parteien neben der NSDAP, die Erhebung der NSDAP zur Staatspartei und schließlich die Vereinigung von Kanzler- und Präsidentenamt in der Person Hitlers als „Führer und Reichskanzler“.

Von diesen Vorgängen blieb natürlich auch Oerlinghausen nicht verschont. Deshalb wenden wir uns nun kurz noch dem Prozeß der Gleichschaltung in Oerlinghausen zu.

Die erste Aktion in Oerlinghausen, die vom Anbruch einer neuen Zeit kündete, war die Besetzung des Oerlinghauser Rathauses am 11.3.33 durch SA. Ziel dieser Aktion war ursprünglich die Absetzung des Bürgermeisters R. Dieses schlug aber fehl und die SA mußte das Rathaus nach kurzer Zeit wieder verlassen, da ihre Aktion nicht durch die Landesregierung abgedeckt wurde. Als Gründe für diese Aktion gab die SA an:

a) Marxistenfreundlichkeit Bürgermeister R‘s.

b) ungerechte Behandlung der NSDAP durch R.

Diese Gründe wirken fadenscheinig und schwammig. In Wirklichkeit war diese Aktion der SA ein Ausbruch ihrer Aggressionen. Später wurde die Aktion nachträglich durch die Landesregierung legalisiert. Die einzige heute noch erhaltene Darstellung dieses Vorganges ist der Bericht der SA vom 12.3.33 (Anlage ). Der beliegenden Eingabe wurde am 16.3.33 stattgegeben. R. selber wurde am 20.3.33 abgesetzt.