Fünf Tage Widerstand kosteten vielen jungen Soldaten ihr Leben
März/April 1945 „dunkles Kapitel“ der Oerlinghauser Geschichte
Fritz Soll recherchierte drei Monate für Referat über letzte Kriegstage
Oerlinghausen (fs). Fünf Tage im März und April 1945 haben für die Oerlinghauser Geschichte eine besondere Bedeutung: Vom 30. März bis zum 3. April kam es in der Bergstadt in der letzten Phase des zweiten Weltkrieges zu heftigen Gefechten zwischen den anrückenden amerikanischen Truppen und deutschen Soldaten, die in einem „absolut sinnlosen Kampf“ die Alliierten aufzuhalten suchten und hohe Verluste an Menschenleben hinnehmen mußten. 72 Soldaten ließen damals ihr Leben, viele von ihnen gerade dem Kindesalter entwachsen - einer der Toten war erst 15, 19 waren gerade 17 Jahre alt. Bewirken konnte der sinnlose Widerstand jedoch nicht viel - die amerikanischen Truppen wurden zwei Tage aufgehalten und beschossen die Fliegerstadt.
Fritz Soll vom Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein hat drei Monate intensiver Arbeit in die Nachforschungen gesteckt, um die Hintergründe der Tragödie vom Frühjahr 1945 zu erforschen. In mühevoller Kleinarbeit arbeitete er alte Dokumente durch und bezog auch Informationen in seine Nachforschungen ein, die er von Oerlinghauser Bürgern über die fünf Kriegstage erhalten konnte. Dies alles verarbeitete er zu einem Vortrag von etwa einer halben Stunde Dauer, den er am Montag, 1. April, um 18 Uhr in den „Altdeutschen Bierstuben“ halten wird. Da er dann jedoch nur das Wesentliche über die Kämpfe berichten kann, will er im kommenden Winter ein ausführliches Referat zu diesem Thema halten.
Die Probleme bei der Erforschung dieses „dunklen Kapitels“ in der Geschichte der Bergstadt begannen schon beim Zusammentragen der Informationen. In Lipperreihe, erklärte Fritz Solle, seien relativ viele Dokumente und Unterlagen erhalten gewesen, die er für seine Nachforschungen verwenden konnte. In Helpup hingegen, das von den Kampfhandlungen fast gar nicht berührt wurde, seien nahezu gar keine Informationen über die besagten fünf Tage erhalten geblieben.
Die meisten Erkenntnisse zog Solle aus drei ihm zugeleiteten Tagebüchern sowie fünf Berichten, die kurz nach den Ereignissen geschrieben worden waren. Außerdem zog er zur Vervollständigung seiner Arbeit die Unterlagen des Stadtarchives hinzu, denen er einige Details entnehmen konnte. Aus diesen Dokumenten konnte der Oerlinghauser einen umfangreichen und sehr präzisen Bericht über die Kampfhandlungen in der Bergstadt erstellen.
Die von Lipperreihe her nach Oerlinghausen rückenden amerikanischen Truppen wurden nach Solls Informationen von deutschen Truppen in der Kernstadt aufgehalten und in heftigen Kämpfen aus der Stadtmitte bis zum Welschenweg zurückgedrängt. Den Turm der evangelischen Kirche hielten die Amerikaner jedoch besetzt, so daß sie mit dort postierten Maschinengewehren viele deutsche Soldaten verwunden und töten konnten. Von Lipperreihe aus wurde die Kernstadt dann mit Artillerie beschossen, so daß viele Bürger nach Asemissen oder auch Währentrup flüchteten. Fünf Tage nach Beginn der Kämpfe wurde die Stadt dann eingenommen.
Nicht zuletzt soll die Veranstaltung am Montag, bei der die Oerlinghauser Geschichte aufgearbeitet wird, auch der Werbung neuer Mitglieder gelten. Bisher, so Soll, blieben vor allem jüngere Bürger dem „Stammtisch“ des Vereins fern. Dies könne sich durch mehr interessante, zeitkritische Vorträge ändern.