Betroffene des Faschismus in Oerlinghausen
(nach einer handschriftlichen Liste aus dem Jahre 1945 im Staatsarchiv Detmold - Signatur ?)
1. Marie Berke, (Frau des 1944 hingerichteten KPD-Vorsitzenden Eduard Berke)
2. Ludwig Linnemann, Stukenbrocker Weg, (vermutlich in Zusammenhang mit der Jüdin Anna Soesmann)
3. Ernst Meier, Auf dem Roeden 1, (KPD-Mitglied, 1933 in Schutzhaft)
4. Karoline Meier, Wellenbruch 3, (Ehemann in Zusammenhang mit Berke und Hofmann verhaftet)
5. Johann Sikka, Tönsbergstraße, (Este, 1933 in Schutzhaft, Käufer der Synagoge)
6. Paul Wandtke, Hauptstraße
7. Wilhelm Schwenke, Hermannstraße
8. Anna Hofmann, Wellenbruch 3, (Ehemann in Zusammenhang mit Berke und Meier verhaftet)
9. Hans Brandt, Pfarrstraße, (bisheriges Bekanntes und Fragen betr. Schicksal)
10. August Weisheit, KPD-Stadtverordneter, Kreistag Lemgo, Redakteur von "Der Kämpfer”, Leiter der Rotfrontkämpferbund-Abteilungen im Unterbezirk Bielefeld.(vermutlich nicht nur Leiter der politischen Schulung, sondern auch Ausbilder in Theorie und Praxis des bewaffneten Selbstschutzes.) Im Februar 1933 zusammen mit 18 weiteren RFB-Mitgliedern verhaftet und mit Urteil des Zweiten Strafsenates des OLG Hamm vom 20. Feb. 1934 zu 1 Jahr 9 Monate Zuchthaus verurteilt. (vgl. DZA Potsdam, Akten des Oberreichsanwaltes beim Reichsgericht, 15 3 46/33, Bl. 21, 20-29.)
Wie viele Verurteilte jener Zeit aus Ostwestfalen-Lippe
Kam W. nach Esterwege, wo er vermutlich beim Aufbau des KZ Börgermoor mitarbeiten mußte.
Fragen:
- Wurde W. aus KZ entlassen (unwahrscheinlich) oder gelang ihm Flucht? Wann?
- Schloß sich W. nach seinem Weg von Esterwege-Holland-Frankreich wieder der KPF an?
- Wie lebte W. in Frankreich bis zum Kriegsausbruch ? Wie war er dort politisch tätig (Exilwiderstand)?
- Wurde W. tatsächlich 1944 (?) bei einer Gestapo-Aktion gegen die Resistance erschossen oder überlebte er den Krieg (da nach Angaben von E. Pott vermutlich Lebenszeichen Anfang der 70er Jahre)?
- Fotos, Dokumente, Verwandte, sonstiges ?
2. Eduard Berke, Hofmann, Meier, KPD-Vorsitzender, Landtagskandidat 1929 und 1933. 1933 4 mal in Schutzhaft (im November vermutlich wegen illegaler Flugblattaktion). Dauerhafte Widerstandstätigkeit. Vermutlich 1935/36 gerichtliche Verfahren in Zusammenhang mit Bielefelder Kommunisten. B. gehörte einer Betriebsgruppe bei der Fa, Benteler (Bielefeld) an (so wohl auch H. und M.). B. wurde 1944 enthauptet. H. und M. ins KZ Buchenwald?
Fragen:
- War B. nach 1933 noch immer illegal für die KPD tätig?
- In welchem Zusammenhang kam er 1935/36 vor Gericht?
- Was wurde ihm 1944 zur Last gelegt? (dto. H. und M.)
- Kamen H. und M. im KZ Buchenwald um?
- Fotos, Dokumente, Verwandte, Briefe, Urteile, usw. ?
3. Karl Bobe, Kaufmann, Möbel-Firma. "Weltbürger", der fortwährend Beschwerdebriefe an Nazi-Behörden schickte u.ä. B. wurde 1935 (Juni) für einige Tage in Schutzhaft (Detmold) genommen. Dann für einige Zeit in die Psychatrie eingewiesen.
Fragen:
- Was legten die Nazis ihm zur Last?
- Wie hoch war Möllers Anteil an Einweisung in "Irrenanstalt"? - Wie verbrachte B. die restlichen Kriegsjahre?
- Fotos, Dokumente usw. (s. Akte im Stadtarchiv)
4. Anna Soesmann
Jüdin, höchstwahrscheinlich aus Detmold stammend ca. 1934/35 nach Oerlinghausen gekommen. Im Juni 1935 wurde sie aus unbekanntem Grund für einige Tage in Schutzhaft genommen (Detmold). 5. war als Haushälterin bei dem Kriegsbeschädigten Linnemann beschäftigt, der sich laut Schreiben der NSDAP vom April 1935 nicht von ihr trennen wollte. Die NSDAP überwachte die beiden. In der Liste der deportierten Juden aus den Krei-..sen Detmold und Lemgo (1946) taucht ihr Name nicht auf.
Fragen:
- Dann kam S. nach Oerlinghausen und warum?
- Darum wurde sie 1935 in Haft genommen?
- Die lange war sie bei Linnemann beschäftigt?
- Da L. auf der Liste der Betroffenen des NS auftaucht: kam S. ums Leben? (evtl., verließ sie Oerlingh. und wurde in einer anderen Gemeinde "aussortiert")
- Melderegister-Auszug (?), Fotos, usw.
- Lebt noch einer der drei Söhne des L.?
6. Johann Sikka, aus Estland, Schuhmacher. Ende der 20er nach Oe. gekommen. KPD-Anhänger. Wurde 1933 als einer der ersten von den Nazis verhaftet. S. kaufte ca. 1934 die jüdische Synagoge.
Fragen:
- Warum kam S. nach Deutschland? Gründe seines Weggehens aus Estland?
- Warum war S. wiederholt Ziel der Nazis?
- Wurde S. auch noch in der Synagoge von ihnen heimgesucht? - War S. Mitglied der KPD ?
5. Sonstige: Fritz Diekhoff (Perna), Hermann Stieghorst, Paul Wandtke, Wilhelm Schwenke, Hans Brandt, die jüdischen Familien (insbes. Farn. Herz)
Informationen zu weiteren Personen in Oerlinghausen:
a) Friedrich Möller, geboren 1893, seit 1923 Mitglied des Stahlhelms, aus Erd-bruch/Kleinenmarpe stammend. Seit 1908 im Dienst Lippes. Kriegsteilnehmer 1. WK. Intrigenspiel der Nazis ihn 1932 als Amtmann von Blomberg durchzudrücken scheitern. Als Kreissekretär in Blomberg bei Kollegen unbeliebt, galt zudem als unfähig und wurde "Kallorjen-Möller" genannt, da er das Dort "Kalorien" nicht richtig aussprach. Kam 1933 nach Oe., auf Grund seiner Beziehungen zu Helms. 1945 verhaftet, entnazifiziert mit 2 Jahren (?) Haft. Um 1970 gestorben in Erdbruch (?).
Fragen:
- dann ist M. Mitglied der NSDAP geworden (auf jeden Fall vor 1933)?
- Seine Rolle beim Schicksal der jüdischen Fam. Herz?
- Positives und Negatives seiner Amtszeit?
- die verfuhren die Amerikaner/Briten nach seiner Verhaftung mit ihm?
- die wurde M. bei der Entnazifizierung eingestuft? (Akte bei Stadt)
- Seine Kontakte zur Oerlinghauser NSDAP?
- wie verfuhr er mit Gegnern des NS?
b) Hermann Jahnke, Redakteur des "Oerlingh. Anzeigers" seit 1926. Ab Ende 1931 Leiter der NSDAP Oerlingh. Da. Herbst 1932 weggang nach Bielefeld (Zeitung). Im Winter 1932/33 für den "Lipp. Kurier" im Landtagswahlkampf tätig.
Fragen:
- Seit wann ist 3. Mitglied der NSDAP gewesen?
- Gab er sich als Nazi zu erkennen?
- Kam J. nach 1933 noch einmal nach Oe.?
- Schicksal? oder lebt er noch?
c) Hermann Hesse, Zellenleiter der NSDAP seit 1932. Stadtverordneter. Bei der Machtergreifung zu "pflaumenweich", weil er Bgm. Reuter deckte. H. ging vermutlich nach Münster.
Fragen:
- welches Ansehen genoß H. in Oe.?
- die wurde er abgesägt bei der NSDAP Oe.?
- Verhalf er A. Reuter in Münster tatsächlich zu einer Anstellung?
- Schicksal?
d) Hermann Meierhans, aus Bad Salzuflen, SA. Als Hilfspolizist in Oe. tätig, wird er 1933 (Juni) Leiter der NSDAP Oe. und Chef der AOK. Um 1934 Parteigerichtsverfahren wegen Unterschlagung und Beleidigung.
Fragen:
- Warum wurde M. Leiter der NSDAP?
- Charakter des M.? (galt wohl allgemein als übler Nazi)
- seine Rolle bei der Hilfspolizei?
- Die wurde M. in Oe. "abserviert"?
- Schicksal?
e) Hermann Diekmann, Schullehrer/-leiter, Vorgeschichtsforscher. Nach 1933 im Stadtrat. Wurde von Nazis gleich an Stelle des Rektors der Volksschule gesetzt.
Fragen:
- Wann wurde D. Pg.? (wahrscheinlich noch vor Machtergreifung, da nur "alte Kämpfer" von den Nazis gleich in Stadtverordnetenversammlung/rat gesandt wurden und nach März 1933 Aufnahmeverbot) (Laut A. Reuter in einem Schreiben nach dem Krieg hat D. geäußert, er sei schon seit 1924 Anhänger des NS-Gedankens)
- Rolle D.s in der NSDAP Oe.?
- Entnazifizierung D.s?
f) August Reuter, Bürgermeister 1919-33.
Fragen:
- Sein Weg nach 1933?
- Wurde R. Mitte der 30er Jahre (um 1936/37) Mitglied der NSDAP (da er ab dieser Zeit als Angestellter vermutlich Mitglied einer NS-Organisation werden mußte)? Und führte dieses nach 1945 in Oe. zu Auseinandersetzungen, gar zu seiner Amtsaufgabe?
- Wie verhielt sich R. in Bezug auf die Entnazifizierung und gegenüber ehemaligen höheren Nazis in Oe.?