Fritz Recksiek

Ein Turner, Sänger und Ausrufer

 

Als öffentlicher Ausrufer war er unerreicht. Wenn er die Klingel schwang, so geschah das mit einem Ernst und einer Würde, die schon von vornherein jeden aufhorchen ließen. So deutlich vorgetragen, wie von Recksiek, war das "Ausrufen" zweifellos die beste Methode zur Bekanntmachung neuer Verordnungen oder sonstiger Ankündigungen. Die jederzeit spottlustige Jugend rief ihm wohl seinen "Frischen Schjellfisch" nach, wenn er ankündigte was "morgen" auf dem Wochenmarkt zu kaufen gab. Aber Recksiek kümmerte sich niemals um die Spottrufe, sondern ging gewichtigen Schrittes zur nächsten Ausruf - Ecke, deren es in der Stadt ganze 35 hatte. Für das Ausklingeln erhielt er 3-5 Mark, je nach Länge der Bekanntmachung. 35 mal das gleiche ausrufen, das machte die Kehle trocken, die unterwegs auch mal angefeuchtet werden mußte. Dann und wann wußte er den Bekanntmachungen eine besondere Wirkung zu verschaffen durch persönliche Bemerkungen, die er dem amtlichen Wortlaut anhängte. Nach dem 1.Weltkrieg rief er z.B. nach gehörig langem Klingeln den vor die Haustür tretenden Frauen zu: "Nui lustert moll teo!". Heute wird auf dem Marktplatze Brennholz an die Haushaltungen verteilt. Der Gemeindevorstand. "Seo,nui laupt man tenger,dat jui wat metkruijet."

Nach Recksieks Tode hat es längere Zeit gedauert, bis hier wieder ein guter Ausrufer gefunden war. Man findet eben nicht immer Männer mit solch lauten und deutlichen Organ.

So gewissenhaft Recksiek beim Ausklingeln war, so fleißig war er auch beim Zigarrenherstellen. Oft saß er schon morgens um 5 Uhr am Wickeltisch.

Fritz Recksiek wurde am 9.8.1867 in Oerlinghausen geboren. In seiner Jugend war er ein schlanker sehniger Turner. Beim Kreisturnfest, 1889, auf dem Schützenplatze, war Recksiek der einzigste der die Riesenwelle am Reck vorführen konnte. Alle waren stolz auf diese Leistung eines Oerlinghauser Turners. In späteren Jahren kam seine Liebe zum Gesang des öfteren zum Durchbruch. Im frohen Kreise ließ er sich leicht bewegen das Lied "Ein Schäfermädchen" zu Besten zu geben.

Fritz Recksiek starb im Alter von 76 Jahren am 2.10.1943.

 

 

(nach A. Reuter - Sept. 86 - F. Soll)

Zeichnungen Ernst Meier.