Tiefe Trauer um Bürgerin - Albert Schütte
Tatkraft und Güte
bestimmten sein Leben. Ein Vorkämpfer der Sozialdemokratie im Lipperland schied aus dem Leben - Der Jugend ein Vorbild
Heidenoldendorf. Was viele
seiner Freunde schon seit Wochen befürchteten, ist Tatsache geworden: Albert Schütte
hat für immer die Augen geschlossen. Ein junggebliebenes Herz hat für immer
aufgehört zu schlagen. Wer ihn kannte, wird ihn nicht vergessen. Bis in die
letzten Monate seines Wirkens war er immer mit ganzem Herzen dabei — vor allem
dann, wenn es galt, Hilfsbereitschaft in die Tat umzusetzen. Der Bergstadt
Oerlinghausen und seiner Wahlheimat Heidenoldendorf hat er mit seiner Tatkraft,
seinem Wirken und nicht zuletzt seiner Güte einen ganz persönlichen Stempel
aufgedrückt. Er, der am 29. November 1885 in Oerlinghausen geboren wurde, ist
nur 67 Jahre alt geworden. 67 Jahre nur, aber dieses Leben hat er ganz gelebt.
Er hat sich nie geschont, wenn es um die Interessen anderer, um das
Allgemeinwohl ging. Noch bis in die letzten Tage verstand er es, die Jugend
mitzureißen. Ob es in den Reihen der Turner und Sportler war, oder im Kreis der
Sänger, in den Sitzungen der Partei, bei den Beratungen des Gemeindeparlaments,
man hörte ihn nicht nur gern, sondern man hörte auch auf seine Stimme.
Tapfer hat er sich jahrelang
gegen sein Augenleiden gewehrt, und ebenso tapfer war er auch auf seinem langen
Krankenlager. Er konnte in dem Bewußtsein die Augen
schließen, daß sein Leben erfüllt war. Er hat wohl
politische Gegner gehabt, aber nie Feinde. Es blieb der NSDAP Vorbehalten, die
ihn fürchtete, ihn aus seiner Heimatstadt Oerlinghausen zu vertreiben, wo er
eine gutgehende Zigarrenmacherei betrieb und im Rat
der Stadt zielbewußt mitgearbeitet. So kam er 1933
nach Heidenoldendorf, wo er sich, im Verlauf des 1.000-jährigen Reiches nur
mühsam durch das Leben schlagen konnte. Als nach dem Zusammenbruch verantwortungsbewußte Männer gesucht wurden, stand er
wieder in vorderster Linie.
Wenn einmal die Geschichte
des Lipperlandes nach 1945 geschrieben wird, muß man auch seinen Namen nennen.
Albert mußte es machen
Wenn man sein ganzes Leben
auch nur in Stichworten aufzeichnet, spürt man schon die stille Größe dieses
Mannes, der sich in rastlosem Fleiß und Eifer verzehrte. „Ja. Albert, das
wirst du wohl machen müssen", war schon zu einem geflügelten Wort in
Freundeskreisen geworden. Schon als 15-jähriger gehörte er zur Tarnorganisation
„Milchmann" und verbreitete die Flugschriften der
Sozialdemokratischen Partei. In seinem Tagebuch finden sich aufschlußreiche
Episoden aus dieser „illegalen" Zeit im Fürstentum.
[…..] berger". Immer stand
er der Jugend helfend zur Seite. Als 1911 die Tabakarbeiter ausgesperrt wurden,
gründete er -sofort einen eigenen Betrieb und gab dadurch mehreren Kollegen
Brot und Arbeit. Schon in den Jahren 1919/20 gehörte er dem Lippischen Landtag
an, saß im Amtsgemeinderat Oerlinghausen und war, außerdem 1. Ratsherr der
Bergstadt. Neben seinem Bürgermeisteramt in Heidenoldendorf, das er sechs Jahre
in großer Verantwortungsfreudigkeit verwaltete, gehörte er zum Kreisgemeindetag
und war auch im Bezirksgemeindetag tätig. Damit ist die Zahl seiner vielen
Ehrenämter noch lange nicht erschöpft.
Sechs Ratsherren tragen
den Sarg
Wenn am Sonnabend
nachmittag die sterbliche Hülle Albert Schüttes zu Grabe getragen wird,
dann werden nicht nur seine Partei- und Gesinnungsfreunde am Grabe stehen. Ein
ganzes Dorf nimmt Abschied von seinem Bürgermeister. Sechs Ratsherren tragen
den Sarg, der mit roten und schwarzrotgoldenen Schleifen geschmückt ist. Und in
den Abschiedsworten wird es noch einmal aufklingen: „Ja, Albert, das wirst
du wohl machen müssen ..." Auch diesen letzten Gang in ein anderes
Jenseits.
W. L.
[Bild: Das war Albert
Schütte, wie ihn viele kannten: mit einem verständnisvollen Lächeln für alle
menschlichen Sorgen und Nöte, mit einem mitfühlenden Herzen, aber auch mit
einer unverrückbaren Ueberzeugung, die ihm den Weg
durch dieses Leben sicher vorschrieb. Sein plötzlicher Tod ist ein schwerer
Verlust für das ganze lippische Land. Foto:
Schlühr]