Heinrich Schildmann
Lebenslauf
Mein Lebenslauf ist aus der Sicht eines weit über 70-jährigen wie könnte es anders sein, von den beiden Weltkriegen in der 1. Hälfte dieses Jahrhunderts geprägt, allerdings auch von der Jeweiligen Nachkriegszeit. In der Jugend, nach dem 1. Weltkrieg zog es mich in die Ferne, und im Älterwerden hielt es mich in der Nähe.
Im Jahre 1902 in Wesel am Niederrhein geboren, verbrachte ich Kindheit und Jugend in einem dem Ideengut der Sozialdemokratie gegenüber sehr aufgeschlossenen Elternhaus in Duisburg-Hamborn.
Im Jahre 1926 brach ich mit meinem jüngeren Bruder zu einer Jugendbewegt/romantischen "Morgenlandfahrt" auf. Anschließend folgte eine Weltreise quer durch Südasien und den Fernen Osten bis in die subantarktischen Regionen Südamerikas, der eine Reisezeit auf eigenen Wasserfahrzeugen den mittelmeerischen Küsten entlang folgte.
Dieser unter den Segeln der Phantasie gesteuerten Odyssee setzte Ende 1941 der Verlauf des 2. Weltkrieges ein Ende. Nach Zwangsrückkehr aus Italien wurde ich 1942 Soldat und Dolmetscher auf dem Balkan-Kriegsschauplatz und Dolmetscher in Britischer Gefangenschaft.
Nach Oerlinghausen, wo meine Eltern seit 1937 wohnten, entlassen, machte ich meine Fremdsprachenkenntnisse zur Basis meiner materiellen Existenz. Ich heiratete, wurde Vater einer Tochter, bin inzwischen Großvater von zwei deutsch/englischen Enkelkindern. Als Dolmetscher, Chief Clerk und Personalleiter stand ich von 1948 bis 1966 in einem ununterbrochenen Beschäftigungsverhältnis bei Dienststellen der Britischen Stationierungskräfte in Bielefeld.
Im Laufe der Jahre beriefen mich Oerlinghauser Mitbürger zu diesem oder jenem Ehrenamt im Öffentlichen oder gesellschaftlichen Leben unserer Stadt. Am 9. Nov. 1952 wurde loh Ratsmitglied und Hauptausschußmitglied. Ab Jan. 54 Mitglied des Schulausschusses und am 28. Jan. 57 dessen Vorsitzender ununterbrochen bis 31. Dez. 68. Ab 24. Jan. 58 Schulpflegschaftsvorsitzender des Gymnasiums bis unsere Tochter das Progymnasium verließ, um nach Salzuflen weiterzugehen. Als Mitglied der Volkshochschule wurde ich 1958 Ratsdelegierter in die VHS und im Jahre 1960 VHS-Vorsitzender bis 27. Aug. 65. Am 1.4.63 wählte mich der Rat für die 2. Hälfte der Legislaturperiode 1960/61 - 1964 zum stellv. Bgm. und, ebenso in der darauffolgenden Legislaturperiode ab 12. Okt. 64. Nach einem knappen Jahr jedoch, am 29. Sept. 65 wurde ich in das Amt des Bürgermeisters der Stadt Oerlinghausen durch einstimmige Entscheidung des Rates berufen. Für die Zeit vom 1. Jan. 69 bis zur Bildung des Großgemeinderates am 14. Apr. 69 war ich der von der NW-Landesregierung beauftragte Interims-Bürgermeister. Mitglied des Großgemeinderats war ich dann vom 14. Apr. 69 bis zum 4. Mai 75. Im Ganzen war ich also ununterbrochen fast 23 Jahre im Rat der Stadt Oerlinghausen. Inzwischen übrigens ab 1. Jul. 66 Rentner. 12 Jahre meiner ehrenamtlichen Tätigkeit übte ich als stark beanspruchter Berufstätiger aus und 10 Jahre als Rentner.
Früher, nach dem 1. Weltkrieg hat mich die große weite Welt Interessiert, nach dem 2. Weltkrieg jedoch, in gesetzterem Alter, die kleine Heimatstadt. Jetzt ist die Zeit gekommen des Rückblicks, doch an Ausblicken in die Zukunft mangelt es nicht: da sind die Reisen zu den Kindern dann und wann.