Heinrich Schildmann
Curriculum vitae
Hach einigen Kriegsjahren und wenigen Monaten britischer und amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde ich nach Oerlinghausen, wo meine Eltern, Wilhelm und Marie Schildmann mit einem ihrer fünf Kinder wohnten, entlassen.
Das Datum meiner Heimkehr war der 18. Juli 1945, der Tag, an dem unsere Mutter Geburtstag hatte, an dem ich aber erfuhr, daß sie seit den turbulenten April-Tagen 1945 auf dem Oerlinghauser Friedhof ruhte, nicht ganz 70-jährig.
Unser Vater verließ uns 83-jährig, 10 Jahre später, auch noch zu früh. Ihrer beider 5 Kinder leben.
Ich bin das Zweitälteste von ihnen, geboren am 24. November 1902 in Wesel am Niederrhein.
Mit meiner Heimkehr, und erst recht mit meiner Familiengründung bald darauf, wurde ich Oerlinghauser Bürger. Ich beschäftigte mich in den ersten Jahren sowohl mit Privatstudien als auch mit sehr gefragter Sprachmittler- und Übersetzertätigkeit für Oerlinghausen und Umgebung.
Das Fundament dieser Beschäftigung, nämlich meine Sprachkenntnisse, verdanke ich, ohne die elementaren Schulkenntnisse aus der Gymnasiumszeit in Duisburg-Hamborn unterzubewerten, meinen Auslandsreisen.
Aufgeschlossen für das Studium von Sprach- und Kulturgeschichte waren wir, das heißt: mein jüngerer Bruder und ich, nach einigen Jahren lebhaftem Miterlebens der Jugendbewegung, im Jahre 1926 zu Reisen aufgebrochen, die uns die Welt des Altertums erschließen sollten. Wir lernten im Zuge einer 4 Jahre währenden Studienfahrt Griechenland und den Orient kennen und anschließend von 1930 bis 1932 auf einer Weltreise den Fernen Osten und Südamerika. Die geistige Zielsetzung unserer Forschungen bewegte uns nach kurzem Aufenthalt in der Heimat zu neuerlichem Aufbruch im Jahre 1933.
Dabei gewann, nach den Durchquerungen der Wüsten Persiens und der Dschungel Hinterindiens, nach Flußfahrten in Südchina und nach Gletschertouren in den Subantarktischen Chilenischen und Feuerländischen Anden, die sportliche Seite unserer Reisen einen vollkommen (uns selbst) neuen Aspekt, als wir mit unserm Faltboot "Mythos" das Mittelmeer von Südeuropa nach Nordafrika überquerten und an Bord unserer "Ethymon" den klassischen Gestaden Spaniens, Frankreichs, Italiens und Dalmatiens entlangsegelten bis in die Griechische Inselwelt.
Bevor nautisch qualifiziert zu "Großer Fahrt" unter Atlantischen und Antarktischen Breiten mit dem Südpol als ulteriorem Ziel, mußten wir leider nach im ganzen mehr als 12 Jahre -währender Odyssee an der Tatsache des Ausbruchs des 2. Weltkriegs Schiffbruch erleiden. Unser Schiffspark wurde in Venedig und Padua blockiert, wo wir denn während eines 2-jährigen Aufenthalts als Gasthörer an der Universität die Zusammenarbeit mit sprachwissenschaftlichen Schulen begründeten.
Ende 1941 hatten wir unter Aufgabe unseres Expeditionsgutes nach Deutschland zurückzukehren und Anfang 1942 der Einberufung in die Wehrmacht zu folgen. Als Dolmetscher war ich auf dem Balkankriegsschauplatz und ebenso nach dem Waffenstillstand in der Gefangenschaft.
Nach dem Kriege also wurde ich Oerlinghauser Bürger. Als Dolmetscher, Chief Clerk und Personalleiter stand ich von 1948 bis 1966 in einem ununterbrochenen Beschäftigungsverhältnis bei Dienststellen der Britischen Besatzung im nahen Bielefeld.
Bald beriefen mich Mitbüger hier in Oerlinghausen zu diesem oder jenem Ehrenamt im öffentlichen oder gesellschaftlichen Leben der Gemeinde. Am 9. Nov. 1952 wurde ich Mitglied des Rates der Stadt und Mitglied im Hauptausschuß. Ab Jan 54 Mitglied des Schulausschusses und am 28. Jan 57 Schulausschußvorsitzender, ununterbrochen bis heute. Ab 24. Jun 58 Schulpflegschaftsvorsitzender des Gymnasiums, bis zu Ostern 1963 meine Tochter Annemarie die Schule verließ. Als Mitglied der Volkshochschule wurde ich 1958 Ratsdelegierter in die VHS und im Jahre 1960 VHS-Vorsitzender, bis zum 27.8.65. Am 1.4.63 wählte mich der Rat für die 2. Hälfte der Legislaturperiode 1960/61 - 1964 zum stellv. Bürgermeister, und ebenso in der darauffolgenden Legislaturperiode ab 12. Okt. 64. Nach einem knappen Jahr jedoch, am 29. Sep 65 wurde ich in das Ehrenamt des Bürgermeisters der Stadt berufen, in einer einstimmigen Entscheidung des Rates. Dieses Amt übe ich nun 2 Jahre aus.