Altbürgermeister Heinrich Kramer verstarb am 9. März 1987
Ein Mann, der sich große Verdienste um seine Heimatstadt Oerlinghausen erworben hat, ist nicht mehr. Heinrich Kramer war ein Mann der ersten Stunde. Gleich nach Beendigung der Kampfhandlungen des Krieges war er zur Stelle, um das Chaos zu beseitigen. Es galt, die schlimmsten Zerstörungen in Oerlinghausen zu beheben und die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen. In dieser schweren Zeit wurde er am 20.1.1946 vom Landrat des damaligen Kreises Lemgo mit der Führung der Geschäfte des Bürgermeisters der Stadt Oerlinghausen beauftragt. Seine Wahl durch den Gemeinderat erfolgte kurz darauf am 11. Februar des gleichen Jahres. Dieses Amt übte er bis September 1965 aus.
Heinrich Kramer fiel zunächst die schwere Aufgabe zu, die der Stadt Oerlinghausen zugewiesenen Heimatvertriebenen in der ersten Nachkriegszeit unterzubringen und die Bürger der Stadt mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Schwierigkeiten waren groß. An einem einzigen Tage mußten sogar einmal 132 Heimatvertriebene in Oerlinghausen untergebracht werden.
Trotz der widrigen Verhältnisse gelang es ihm in dieser Anfangszeit, durch seine Tatkraft das demokratische Gemeinwesen in der Stadt Oerlinghausen wieder aufzubauen.
Zielstrebig wurde der Wohnungsbau vorangetrieben. Auf der Hanegge wuchsen die Siedlungshäuser aus dem Boden, und auch an anderen Stellen der Bergstadt begann eine rege Bautätigkeit. Die Idee der damaligen Wohngsbau- und Siedlungsgenossenschaft und heutigen Wohnbau Lemgo wurde in der Bergstadt "geboren". Heinrich Kramer gehörte zu ihren Paten.
Im Jahre 1947 waren auch die schulischen Verhältnisse untragbar geworden. Heinrich Kramer veranlaßte, um die Raumnot abzustellen, noch vor der Währungsreform den Erweiterungsbau der Volksschule. Bei den Betonarbeiten legte er sogar selbst Hand mit an. Auf sein Bereiten wurde ein Jahr später die damalige Rektorschule zum Progymnasium erhoben. Es erfolgte wenige Jahre danach der Neubau der Hauptschule mit der ersten großen Turnhalle in Oerlinghausen. Die Entwicklung und Erweiterung der Stadt lag Heinrich Kramer also ganz besonders am Herzen. Insbesondere der Bau der Südstadt geht auf die Anregungen und Initiativen des Altbürgermeisters zurück.
Beim Erwerb des Sültemeierschen Hofes bewies er großes Verhandsgeschick, und es gelang durch sein enges Verhältnis zu dem damaligen Landespräsidenten Heinrich Drake und mit Hilfe des Landesverbandes Lippe das erforderliche Austauschgelände zur Verfügung zu stellen, so daß für die Planung des völlig neuen Stadtteils Oerlinghausen Süd rund 50 Hektar Baugelände bereitstanden.
Darüber hinaus engagierte er sich für die Wiederbelebung des Segelflugsports in Oerlinghausen. Als Vorsitzender der Flughafengemeinschaft Oerlinghausen wurde ihm keine Fahrt nach Düsseldorf zum zuständigen Ministerium zu viel, um den Ausbau des Platzes zu seiner jetzigen Größe zu erreichen. Weitere große Aufgaben wurden während seiner Amtszeit in Angriff genommen: Ansiedlung von Industriebetrieben, Ausbau der Kanalisation und Sicherung der Wasser- und Stromversorgung.
Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister war Heinrich Kramer, der seit 1928 der SPD angehörte, Mitglied des Kreistages Lemgo von 1949 bis 1969. Der Verbandsversammlung des Landesverbandes Lippe gehörte er von 1949 bis 1953 und von 1956 bis 1969 an. Außerdem war er Mitglied der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe von 1961 bis 1969. Schon als 15-jähriger im Metallarbeiterverband organisiert, schloß er sich als begeisterter Turner und Sportler früh der Arbeitersportbewegung an und war Mitbegründer des TSV Oerlinghausen.
In Dankbarkeit werden viele Bewohner der Stadt Gelegenheit nehmen, Altbürgermeister Kramer zur letzten Ruhe zu geleiten.
Die Stadt Oerlinghausen hat ihrem Altbürgermeister Heinrich Kramer viel zu verdanken. Stets dachte er an andere, am wenigsten an sich.