Lebenslauf Heinrich Kramer

 

18. Juli 1980

 

Sein 70. Lebensjahr vollendet heute in Oerlinghausen der frühere langjährige Bürgermeister Heinrich Kramer.

Zahlreiche Gratulationen und viele gute Wünsche werden am heutigen Tage einen Mann erreichen, der sich große Verdienste um seine Heimatstadt erworben hat.

Heinrich Kramer war 1945 gleich nach Beendigung der Kampfhandlungen mit zur Stelle als es galt, auch in Oerlinghausen das Chaos des Krieges zu überwinden. Er half mit, die schlimmsten Zerstörungen durch Kriegshandlungen zu beseitigen und die Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten sicherzustellen. Heinrich Kramer war damals unermüdlich und uneigennützig zum Wohle der Bürger tätig. Durch seine Anregungen kam auch das kommunale Leben wieder in Fluß. Im Januar 1946 wurde Heinrich Kramer vom damaligen Landrat Blome aufgesucht, der ihm erklärte: "Oerlinghausen braucht einen neuen Bürgermeister. Sie müssen es machen!"

Seine Zustimmung fiel Heinrich Kramer nicht leicht, stand er doch vor Aufgaben, deren Lösung schon in normalen Zeiten schwer ist. Mit Wirkung vom 20. Januar 1946 wurde Heinrich Kramer vom Landrat des Kreises Lemgo mit der Führung der Geschäfte des Bürgermeisters der Stadt Oerlinghausen beauftragt Seine Wahl durch den Gemeinderat erfolgte kurz darauf am 11. Februar 1946. Bis September 1965 war Heinrich Kramer dann Bürgermeister in Oerlinghausen.

Die bald einstsetzenden Transporte von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten erforderten den vollen Einsatz des Bürgermeisters, um die Versorgung mit Wohnraum und dem allernotwendigsten Hausrat zu ermöglichen. Dabei blieben Härten auch für die einheimische Bevölkerung nicht aus.

Im Jahre 1947 waren auch die schulischen Verhältnisse untragbar geworden. Um die Schulraumnot abzustellen, veranlasste Heinrich Kramer noch vor der Währungsreform den Erweiterungsbau für die Volksschule. Bei den Betonarbeiten legte er selbst Hand mit an. Auf sein Betreiben wurde ein Jahr später die damalige Rektorschule zum Progymnasium erhoben. Es folgte dann der Neubau der Hauptschule mit der ersten großen Turnhalle in Oerlinghausen.

Sein besonderes Bemühen galt der Förderung des Wohnungsbaues. Mit Hilfe der Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Lemgo, zu deren Gründern Heinrich Kramer mitgehört, wurden auf der Hanegge in Oerlinghausen die ersten Wohnbauten nach dem Kriege errichtet. Großes Verhandlungsgeschick bewies Bürgermeister Kramer beim Erwerb des Sültemeier'schen Hofes. Durch das Entgegenkommen des Landesverbandes Lippe konnte das erforderliche Austauschgelände zur Verfügung gestellt werden, so daß für die Planung des völlig neuen Stadtteils Oerlinghausen-Süd circa 50 ha Baugelände bereitstand. Heute wohnen dort über 3000 Bürger unserer Stadt.

Zusammen mit "Tempo" Drewes war Heinrich Kramer auch Initiator für die Wiederbenutzung des Segelflugplatzes Oerlinghausen durch die ostwestfälisch-lippischen Segelflieger. Als Vorsitzender der Flughafengemeinschaft Oerlinghausen wurde ihm keine Fahrt nach Düsseldorf zum zuständigen Ministerium zuviel, um den Ausbau des Platzes zu seiner jetzigen Größe zu erreichen.

Das Aufgezeigte ist nur ein Teil der Aufgaben, die von Heinrich Kramer während seiner Amtszeit gelöst wurden.

Neben seiner Tätigkeit als Bürgermeister war Heinrich Kramer, der bereits seit 1928 der Sozialdemokratischen Partei angehört, Mitglied des Kreistages des Kreises Lemgo bis 1969. Der Verbandsversammlung des Landesverbandes Lippe gehörte er von 1949 - 1953 und von 1956 - 1969 an sowie der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe von 1961 - 1969.

Ein wacher Sinn für alles hat Heinrich Kramer stets ausgezeichnet. Als 15-jähriger trat er schon dem Metallarbeiterverband bei. Als begeisterter Turner und Sportler schloß er sich früh der Arbeiter-Sportbewegung an und war Mitbegründer des TSV Oerlinghausen.

Seit über 50 Jahren gehört er zu den Naturfreunden in Lage. Der Rat und die Verwaltung der Stadt Oerlinghausen werden dem früheren Bürgermeister Heinrich Kramer neben den Glückwünschen zum Geburtstag auch den Dank für seine aufopferungsvolle Arbeit zum Wohle der Bürger der Stadt übermitteln.