Rückblick auf Stadtgeschichte

Der bekannte Alt-Oerlinghauser Fritz Soll hielt humorvollen Vortrag

 

[Bild: Oerlinghausen. Fritz Soll gab einen historischen Überblick über die Geschichte Oerlinghausens im Rahmen des Ost-West-Stammtisches der VHS. (Foto: Tilleke)]

Oerlinghausen (RT). Seit längerer Zeit besteht seitens der Volkshochschule Lippe-West ein Projekt „Ost-West-Integration". Regelmäßig treffen sich in dessen Rahmen Interessierte zum sogenannten Ost-West-Stammtisch.

Jetzt stand das Thema „Die Dorfschaft Oerlinghausen" auf dem Programm. Als besonderen Gast hatten die Verantwortlichen dazu Fritz Soll eingeladen. Der bekannte Alt-Oerlinghauser wußte einen interessanten, nicht selten auch humorvollen Rückblick über Jahrhunderte Oerlinghauser Geschichte zu bieten: Solange ist es nämlich her, daß die Dorfschaft im Jahre 1036 erstmals erwähnt wurde. Ob es sich beim damaligen Kern aber bereits um einige Häuser oder nur einen einzelnen Bauernhof gehandelt hat, kann heute nicht mehr eindeutig geklärt werden.

Als vorgenanntes Vorwerk des großen Meierhofes und späteren Rittergutes Niederbarkhausen fristete Oerlinghausen zunächst sein Dasein. Nur langsam nahm die Zahl der Oerlinghauser Bürger zu. Im Jahre 1520 wurden erstmals ganze 20 steuerpflichtige Bewohner gezählt. Erst größere Ansiedlungen bildeten sich rund um die evangelische Kirche und als „zinspflichtiger" Anhang von Barkhausen am Tönsberg.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Oerlinghausen vor allem das Weberhandwerk. In rund 45 Häusern klapperten rund um die Uhr an die 100 Webstühle - eine beeindruckende Zahl. Leider konnte Fritz Soll von der Geschichte dieses Handwerks nicht nur Positives berichten. Ab 1850 begann der Niedergang der gesamten Leinenindustrie und damit auch eine Verschlechterung der Oerlinghauser Verhältnisse.

Urplötzlich tauchte in der Stadt jedoch ein neuer Industriezweig auf, der sich bis lange ins 20. Jahrhundert halten konnte: Die Tabakindustrie brachte nicht nur neue Arbeit, sondern sorgte auch für kulturell-sportliche Fortschritte. Wer von den jüngeren Oerlinghausern weiß wohl noch, daß es fünf Zigarrenmacher aus Bremen waren, die mit ihren allwöchentlichen Sportstunden für die Gründung des TSV Oerlinghausen im Jahr 1863 sorgten. Heute ein Widerspruch - Tabak und Sport - damals eine nützliche Verbindung.

Bis zum Ende des ersten Weltkriegs blieb die Tabakindustrie bestimmend für Oerlinghausen, bevor die Zigarette den Zigarrenmachern ihre Arbeit nahm und für Oerlinghausen die Möbelindustrie wegweisend wurde.

Daß die Geschichte der Dorfschaft Oerlinghausen so manches Geschichtchen zu bieten hat und sich an manchen Stellen interessanter als jeder Fernsehfilm gestaltet, stellte Fritz Soll wieder mal in überzeugender Weise dar.