Der geologische Aufbau Oerlinghausens

Auszug aus Hermann Diekmanns Chronik der Bergstadt Oerlinghausen

 

Die Geologie ist die Wissenschaft von der stofflichen Zusammensetzung der Erde, von dem Bau und der Geschichte derselben. Unsere Erde hat eine Vergangenheit von unermeßlicher Länge. Sie hat eine ganze Reihe von Entwicklungszuständen erlebt, bis sie ihre heutige Gestalt erhielt. Diese spiegelt sich in den zahlreich übereinanderliegenden Schichten wider. Die Steine sind sowohl für den Geologen wie auch für den Vorgeschichtsforscher geschichtliche Dokumente. — Unsere Landschaft am Tönsberge zeigt eine ganz intensive Gliederung. Die älteste Schicht ist die Triasformation. Zu Anfang der Trias herrschte in Deutschland ein tropisches Klima. Es entstand ein flaches, vom Meer überspültes Buchtgebiet. Das Meer zog sich zurück, und wir bekamen hier ein Wüstengebiet. Deutschland glich einer flachen Wanne, in die der Schutt hineinflutete. Dann kam das Meer wieder. Es war ein ewiges Kommen und Gehen. — Dann finden wir Deutschland als Sumpfgebiet. Die Ablagerungen waren Kalk. Man teilt den Muschelkalk in den unteren, den mittleren und den oberen. Der untere geht an der Grüte vorbei, zur Breiten Grund und dann nach Wistinghausen. Hier biegt er zum Iberge ab. — Dann folgt der mittlere Kalk. Im eingelagerten Kalk sind Dolomiten, ein Gemenge von Kalk. Er bildet Senken und sanfte Hänge. — Über dem mittleren liegt der obere, der von Dorchiten durchsetzt ist. Die nächste Schicht bildet der Jura. Das Meer kam wieder und blieb längere Zeit hier. Wir erhielten eine Tiefsee. Jetzt wurde viel Sediment abgelagert: Tone, Schiefer usw. Sie enthalten die meisten Tierreste. Vorherrschend waren die wirbellosen Tiere. Jetzt nehmen die Wirbeltiere ihren Anfang. Reptilien und Amphibien erreichen ihren Höhepunkt. Ein ungeheures Insektenleben entfaltete sich. (In Solnhofen ist der erste Vogel gefunden worden!) — Als nächste Schicht folgt die Kreide. Das Meer geht zurück, eine Süßwasserlandschaft bleibt übrig. Wir kennen Kalke, von dünnschaligen Schnecken durchsetzt. In den Sümpfen ist es dann zur Kohlenbildung gekommen. Wir finden bei uns eine stark verunreinigte Steinkohle von 30 Zentimeter Stärke. Ein Abbau hat sich nie gelohnt. Das Meer kam wieder zurück, blieb längere Zeit hier und lagerte die unermeßlichen Schichten der Kreide ab. Saurier, die bis dahin tonangebend waren (in der nördlichen Kette bei Oerlinghausen fand man Knochen vom Saurier), verschwanden auch. Nach der Kreide ist's aus mit ihnen. Nur der Nautilus lebt noch heute. Auch Schwämme wuchsen hier (im Museum ist ein versteinerter Schwamm). In der Kreide haben wir die ersten sicheren Blütenpflanzen. Die unterste Ablagerung der Kreide ist der Osning-Sandstein, dazu gehört der Tönsberg. Die nächsthöheren Schichten sind der Grünstein und Tone. Sie sind nicht so widerstandsfähig und bilden daher kleine Senken. Die Tone sind wasserundurchlässig. Das Wasser kommt am Fuße der Hänge wieder hervor. Der Grünstein geht dann in den Flammmergel über, der unfruchtbar ist und nur Heidekraut trägt. Es folgen dann die Schichten des Zänoman und schließlich Plänerkalk und reiner Kalk. Daran schließen sich die roten Kalke des Turon, die auf dem Wege von Wistinghausen nach Krawinkel zutage treten. — Von dem Tertiär ist nichts mehr vorhanden, alles ist wieder fortgespült. Im Tertiär vervollkommnete sich die Vegetation. Dann kommt das Diluvium mit seinen Eiszeiten. Es war eine Klimaverschlechterung, die als eine Folge der Polverlagerung angesehen werden kann. Die Eisschichten folgen dem Lauf der Täler. Unsere Berge schauten damals als längliche Inseln aus dem Eise hervor. Als das Eis schmolz und allmählich zurückging, setzte es die mitgeführten Sande und Schotter ab. Sie brachten fremdländisches Gestein, wie Granit, Porphyr, Feuerstein usw., mit. Nur die zweite Eiszeit reichte bis in unsere Gegend. Mit 10 000 Jahre vor Christi Geburt gilt sie als abgeschlossen. Der Boden war wohnbar geworden. Der Mensch erschien! (Siehe oben unter Steinzeitmensch!)