Nachrichten aus Oerlinghausen – Stadtrechte

Lippische Landeszeitung vom 11. Dezember 1899

 

Oerlinghausen mit 2300 Einwohnern paßt nicht in den Rahmen der Dorfsgemeindeordnung, und dadurch, daß wir bas bisherige Recht verlieren, durch einen Sitz und eine Stimme lm Amtsgemeinderathe vertreten zu sein, gegen gleiche Stimmberechtigung eines Domänenpächters, 8 kleinerer Bauernschaften und 3 Rittergutsbesitzern, wird sich der allgemeine Verkehr in Oerlinghauser nicht vermindern, und wird Oerlinghausen wohl niemals Reue empfinden, Sitz und Stimme im Amtsgemeinderathe gegen städtische Rechte vertauscht zu haben.

Wir hegen die Hoffnung, daß die Vertreter der Bauernschaft Oerlinghausen diese für uns Alle so hochwichtige Angelegenheit nochmals baldigst einer ernsten Prüfung unterziehen und dann das Weitere bei Fürstlicher Regierung beantragen werden.

[…..]

Diese Aufstellung soll Nachweisen, in welcher Weise die von Oerlinghausen in die Amtsgemeindekasse gezahlten Beträge, verwandt werden.

Nun zahlen wir aber in die Amtsgemeindekasse

M. 6836

— hiervon ab obige    M. 4495

— bleiben                   M. 2341

— worüber der Nachweis der Verwendung fehlt.

Diese 2341 M sind jedenfalls für Wegebauten ausgegeben. Rechnet man hierzu noch die oben ausgeworfenen 500 M für den Kommunalweg Oerlinghausen-Senne, so zahlt Oerlinghausen zur Amtsgemeindekasse 2841 M für Wegebauten. In der Bauerschaft Oerlinghausen kommen von dieser Summe nur 500 M für den Kommunalweg Oerlinghausen-Senne zur Verwendung, für Instandhaltung der Chaussee und des Straßen-Pflasters im Orte muß Oerlinghausen selbst sorgen.

Oerlinghausen, 9. Dezember. Städtische Rechte. Heute ist dem hiesigen Ortsvorstande folgender, von 5 Gemeinderats-Mitgliedern unterzeichneter Antrag eingesandt:

An den Ortsvorstand hiers.

Unter Hinweis auf den in beigefügter Nr. 214 der „Lipp. Post" enthaltenen Artikel richten die Unterzeichneten das Gesuch, ohne Verzug eine öffentliche (mid öffentlich bekannt gemachte) Sitzung des Dorfsgemeindeausschusses im Saale des Herrn Kiffe anzuberaumen, in welcher die Angelegenheit betr. Städtisch. Rechte berathen wird.

Hochachtungsvoll! gez.

Carl Hölter, C. Grote, Fr. Hansing, H. Gronemeier, C. Diekmann.

Neben den weiteren Verlauf der für unsern Ort so höchst wichtigen Angelegenheit werden wir sofort nach der Sitzung des Gemeinde-Ausschusses Bericht erstatten.