Nach 20 000 Tagen keine Alarm-Sirenen mehr
Fritz Soll sen. – im März 1993
Nun heulen sie nicht mehr. Jahrelang haben sie Tot und Verderben angekündigt. Jahrzehntelang haben sie Kinder zum Weinen gebracht und Mütter sie verflucht. Hoffen wir alle das so etwas nie wieder kommen möge!
Als im Dezember vorigen Jahres auf der Holterstraße die 8 Sprengschächte zugeschüttet wurden, kamen Erinnerungen wieder an die Tage im Sommer 1954, als in der Hauptstraße von Kochsiek bis zur ev. Kirche Sprengschächte eingebaut werden sollten. Der Bürgermeister der Stadt Oerlinghausen, Heinrich Kramer, er ließ damals einen Aufruf, im Auftrage des gesamten Rates, an die Bevölkerung der folgenden Wortlaut hatte:
Nach einer mir zugegangenen Mitteilung sollen nun doch die Sprenglöcher in der Hauptstraße auf der Strecke von Bierverleger Kochsiek bis zum Ravensberger Hof eingebaut werden. Der Rat der Stadt Oerlinghausen hat in seiner Sitzung vom 28. Januar 1954 beschlossen, daß ich, wenn die Sprenglöcher trotz unseres Einspruchs eingebaut werden, die Bevölkerung durch Alarmierung auf die Gefahr aufmerksam machen soll. Der Rat erwartet, daß dann die gesamte Bevölkerung, ob Mann, Frau oder Kind, sich sofort zu diesen Straßenteilen begibt, um den Einbau der Sprengschächte zu verhindern. Ich fordere hiermit alle Einwohner auf, sich sofort an der bezeichneten Stelle einzufinden, wenn das 5 Minuten dauernde Sirenensignal ertönt. In Erinnerung an die furchtbaren Kampftage im Jahre 1945, glaubt sich der Rat mit der gesamten Bevölkerung darin einig, daß alles Menschenmögliche getan werden muß um die Vorbereitungen zur Zerstörung unserer Heimat zu verhindern.
Oerlinghausen den 20 September 1954.
Im Auftrage des Rates Heinrich Kramer - Bürgermeister