Stadtratswahlen 1956 - Wahlprogramm SPD

Zeitschrift „Die Kumsttonne“

 

Oerlinghausen, im Oktober 1956

Verehrte Wählerinnen, verehrter Wähler!

Oerlinghausen ist in den letzten Jahren größer geworden. — Ob es auch schöner geworden ist, das muß der einzelne selbst entscheiden. Auf jeden Fall haben sich die Stadt und der rührige Verkehrs- und Verschönerungsverein darum bemüht.

Jetzt ist es wieder an der Bielefelder Straße lebendig geworden; die ersten Spatenstiche für den Volksschul- und Turnhallenneubau sind getan. Erinnern Sie sich noch der vielen Beratungen im Rat der Stadt? Es war ein mutiger Beschluß des Oerlinghausener Stadtparlamentes. Er wurde auf Grund sozialdemokratischer Initiative gefaßt. Nun wachsen hier Schulräume, die wohl schlicht, aber zweckmäßig sein werden, in denen unsere Kinder sich auf ihr ferneres Leben vorbereiten sollen. Die Turnhalle wird allen Sporttreibenden, jung oder alt, die Möglichkeit zu gesunder sportlicher Betätigung bieten. Die geplante Aula wird für das Kulturleben unserer Stadt von unschätzbarer Bedeutung sein.

Noch ist nicht alles getan. Aber durch zielstrebige Verhandlungen mit den vielen Grundstücksbesitzern, denen auch an dieser Stelle Dank für ihr Verständnis gesagt werden soll, konnte dies günstige Baugelände erworben werden. Auch wurden durch zähe Verhandlungen erhebliche Zuschüsse für dieses Bauprojekt erreicht. Diesen wichtigen Beschlüssen werden Taten folgen. Schon im nächsten Jahre wird der erste Bauabschnitt seiner Bestimmung übergeben werden können.

Am Sonntag, dem 28. Oktober, sollen Sie nun wieder, wie alle vier Jahre, den Rat unserer Stadt wählen. Sie wissen es: Die Beschlüsse dieses Rates wirken sich in irgendeiner Weise auf das Leben jedes einzelnen Bürgers der Stadt aus. Darum prüfen Sie alle Beschlüsse, die der Rat faßt oder gefaßt hat, ob sie sich zum Wohle der Gesamtheit oder nur zum Vorteil einiger weniger auswirken können.

Sozialdemokratische Ratsmitglieder sind verpflichtet, immer das Gesamtwohl aller Bürger im Auge zu haben. Nach diesem Grundsatz hat die sozialdemokratische Mehrheit seit dem Jahre 1945 dafür gesorgt, daß eine kleine, aber wirksam arbeitende Verwaltung die Beschlüsse des Rates verwirklichte. Immer waren darum auch die Mittel dafür da, wo sie notwendigst gebraucht wurden, sei es für Wohnungsbau, Straßenbau, Straßenbeleuchtung, Kindergarten, Gemeindepflegestation, Schulen, Sportplatz, Volkshochschule, Volksbücherei, Feuerwehr, Freibad, Fremdenwerbung und vieles andere mehr.

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sah die sozialdemokratische Fraktion darin, die Stadtwerke Oerlinghausen so zu stellen, daß die Bevölkerung immer ausreichend mit Strom und Wasser versorgt werden konnte. Das Wasserleitungsnetz wurde verbessert und erweitert. Ein dritter Brunnen und ein neues Druckwerk versorgen nun auch die höher gelegenen Gebiete unserer Bergstadt mit Wasser. Die Umstellung des Stromnetzes von Gleich- auf Wechselstrom hat viel Geld gekostet, erhöhte aber die Rentabilität der Stadtwerke, ohne daß dadurch der Strompreis anstieg. Die Verkabelung des Netzes im Ortskern verminderte die Sorgen um Stromausfälle bei Sturm und Gewitter.

Wie rege in den letzten Jahren in Oerlinghausen gebaut worden ist, das haben Sie selbst jeden Tag sehen können. Sie werden festgestellt haben, daß die Entwicklung der Bergstadt unter sozialdemokratischer Führung nicht Stillstand. Dank einer weitsichtigen Grundstückspolitik konnten viele Oerlinghauser und Vertriebene, die hier eine zweite Heimat fanden, von der Stadt einen Bauplatz, sei es in Erbpacht oder durch Verkauf, zu günstigen Bedingungen erhalten.

Aber nicht nur an die Gegenwart, auch an die Zukunft wurde gedacht. Der aufgeforstete Grundbesitz der Stadt hat sich seit 1945 mehr als verdoppelt. Dieser Grundbesitz wird der Stadt für die Zukunft ein finanzielles Rückgrat sein. Neben dem Wohnungsbau ist aber auch in der Seßhaftmachung von Industrie und Gewerbe ein wesentlicher Fortschritt eingetreten. Soweit kein städtisches Gelände hierfür zur Verfügung stand, konnte dieses durch Vermittlung bereitgestellt werden. Die Sozialdemokraten sind sich darüber im klaren, daß die Ansiedlung von Industrie nur in Verbindung mit dem Wohnungsbau gefördert werden kann. Beide Aufgaben müssen Hand in Hand gehen, denn die Seßhaftmachung der Arbeitskräfte soll und muß dem hier ansässigen Handel und Gewerbe zugute kommen. Und ein gesunder Mittelstand kann sich nur entwickeln, wenn eine ortsansässige und kaufkräftige Arbeitnehmerschaft vorhanden ist.

Vieles ist erreicht worden. Prüfen Sie noch einmal, was sozialdemokratische Aufbauarbeit vermochte. Wir, die sozialdemokratischen Kandidaten, wollen über das Erreichte noch hinausstreben, weitergehend auf einem Wege, von dem wir glauben, daß er zum Wohle aller Bürger und damit auch zum Wohle unserer Stadt führen wird.

UNSERE KANDIDATEN

Heinrich Kramer, Bürgermeister, Piperweg

Martin Garnjost, Prokurist, Piperweg

Fritz Diekhof, Maurerpolier, Welschenweg 8

Fritz Blome, Kraftfahrer, Am Widfeld

Otto Berghammer, Stukkateur, Wehrenteich

Fritz Obermeier, Tischler, Landerweg 10

Johann Ritter, Papiermacher, Hermannstraße 20

Hermann Fuhrmann, Lagerhalter, Steinbruchstr. 2

Fritz Holzkamp, Tischlermeister, Steinbült 8

Die Kandidaten der SPD

für die Ratswahlen sowie auch unser Kandidat für den Kreistag

stehen auf allen Stimmzetteln an erster Stelle