Von den Schulvorständen seit 1880
Auszug aus dem Buch der Hermann Diekmann Chronik
Der damalige Vorsitzende des Schulvorstandes war Superintendent Wilhelm Weerth. über seine Bedeutung für das Schulwesen haben wir schon unter „Schulinspektoren“ geschrieben. Zu damaliger Zeit hatte ein Friedrich Becker der Schule bei seinem Ableben testamentarisch die Summe von 1500 Mark für den Aufbau einer Bibliothek vermacht. Der Sohn, Fritz Becker, schreibt an den Superintendenten Weerth als Vorsitzenden des Schulvorstandes: „Im Besitze der Abschrift des Testamentes unserer Eltern, worin dieselben für die hiesigen Schulen ein Legat von 1500 Mk. ausgesetzt haben, zu dem Zwecke, von den Zinsen dieser 1500 Mk. nach und nach eine Schulbibliothek zu bilden, überreiche ich Ihnen im Auftrage meiner Geschwister obige Summe hier in bar in Banknoten, mit der Bitte, solche in dem erwähnten Sinne verwenden zu wollen. Fritz Becker.“
Weerth schreibt darauf: „An Hochfürstliches Konsistorium. Gehorsamste Anzeige. Vermächtnis der beiden Eheleute F. F. Becker Hierselbst betr. Hochs. Konsisto. mache ich hierdurch die gehorsamste Anzeige, daß die Eheleute Leinenhändler F. F. Becker hiers. der hies. Schulgemeinde 1500 Mk. zur Gründung einer Schulbibliothek vermacht haben. Der betr. § 15 des Testamentes lautet: Endlich usw. Diese 1500 Mk. sind an mich als Schulvorsitzenden bereits ausgezahlt und ist sofort für eine sichere Anlage der Summe bei der hiesigen Kirchengemeinde gesorgt worden. Der Schulvorstand. W. Weerth.“
1887 wurde die neue Schule gebaut. Da die Schulgemeinde die ungeheure Bausumme nicht aufbringen konnte, wandte sich der Schulvorstand an die Fürstliche Regierung und bat um einen Zuschuß von 7000 Mark. Diese werden bewilligt.
Nach Weerth ist G. Ober Vorsitzender des Schulvorstandes. Am 30. April tritt ein Konsistorium an den Schulvorstand mit der Bitte um Überlassung eines Teiles der Schulwiese zur Errichtung einer Waschanstalt. Sie wird zunächst auf 5 Jahre verpachtet. Bon den Mitgliedern soll ein Wassergeld erhoben werden, von welchem jedoch die Lehrer ein für allemal befreit sind.
Mit dem Bau der Helpuper Kirche wurde auch die Schulgemeinde Oerlinghausen kleiner. Das Fürstliche Konsistorium schrieb am 8. Juni 1905 an den Schulvorstand: „Die Kirchenvorstände von Oerlinghausen und Helpup haben übereinstimmend beantragt, daß der Gutshof Wistinghausen nebst seinen Köttereien, außer ‚Flinke Haspel', ‚Blockhaus' und der alten ,Fabrik' von Oerlinghausen nach Helpup umgeschult werden.“
In die Amtstätigkeit des Pastors Reber als Lokalschulinspektor fällt auch folgende interessante Begebenheit, die uns zeigt, wie früher die Lehrmittel waren. Am 20. August wurde der Schulvorstand aufgefordert, anzugeben, ob in der dortigen Schule:
1. Abbildungen für den Unterricht der Unterklassen;
2. Bilder zum Gebrauch bei dem Unterricht in der Naturkunde für Mittel- und Oberklassen vorhanden sind, beziehungsweise wieviel Exemplare. Pastor Reber antwortet: 4 Tafeln vom menschlichen Körper von Dr. Fiedler, 6 Tierbilder von Engleder, 1 Vogelkarte, herausgegeben vom Deutschen Vogelschutzverein.
Ein Dokument aus dem Jahre 1895 beschäftigt sich mit der Anlage einer Uhr und einer Glocke. Beide sind noch im Jahre 1900 vorhanden gewesen. Die Glocke mußte während des Krieges, wie auch die Kirchenglocken, abgeliefert werden. Die Uhr in der Portaltür litt immer unter dem Zuschlagen der Tür, so daß sie schon im Jahre 1900 nicht mehr recht gehen wollte; 1930 wurde sie ganz abgeschafft.
Was besagt nun das Dokument aus dem Jahre 1895? Pastor Reber schreibt an den Schulvorstand: „Der Schulvorsteher Fabrikant Hölter hat mitgeteilt, daß er auf dem Bahnhof in Steele noch eine kräftige Spielglocke gesehen habe, welche mit dem eisernen Oberdache darüber für 29 Mark vom Bahnhofsvorstande zu haben sei und daß er dem Schulvorstande hier empfehlen möchte, anzukaufen, damit vor der neun Schule jedesmal zu Beginn der neun Unterrichtsstunde mit dieser Glocke das Zeichen gegeben werden könnte. Ich möchte mich diesem Vorschlag des Herrn Hölter anschließen, da wir schon längere Zeit im Schulvorstande davon geredet haben, daß solch eine Einrichtung bei den vielen Klassen im neun Schulhause erforderlich oder wünschenswert sei. Gleichzeitig möchte ich dann empfehlen, einen Regulator für etwa 50 Mark vom Uhrmacher für Kosten der Schulkasse zu kaufen und denselben in der Cantorschule anzubringen, damit wir eine einheitliche Zeit für den Unterricht haben.
Ich bitte die Herren Schulvorsteher, hierunter zu erklären, ob sie mit der Anschaffung der Uhr und der Glocke einverstanden sind.“
Pastor Reber: Einverstanden mit Uhr und Glocke.
Hölter: Einverstanden mit Uhr und Glocke.
Ich bin für eine Uhranlage auf dem Schulgebäude, derart, daß das Schlagen der Stunden (incl. Viertel) auch in der weiteren Umgebung gehört werden könnte und somit dem ganzen Orte zum wesentlichen Vorteil gereichen würde. Rodewald.
Hölter macht die Randbemerkung: Eine Anlage nach dem Vorschlag des Herrn Rodewald würde 400 bis 600 Mark kosten. Hölter.
Eine Uhr ist wichtiger als eine Pengelglocke, bin aber für beide. K. Kuhlmann.
Ohne Schulvorstandssitzung nicht zu erledigen. Reuter (Vorsteher).