Unsere Schulinspektoren

Auszug aus dem Buch der Hermann Diekmann Chronik

 

„Kraft ihres Amtes“ waren die Pastoren in den meisten Fällen zugleich Schulinspektoren. Wann die ersten Inspektoren auftraten, können wir nicht sagen, anderseits ist es aber sicher, daß sich die Geistlichen um den Unterricht kümmerten. Daß es dadurch zu Streitigkeiten zwischen dem Pfarrer und den Küstern kam, liegt auf der Hand. Sie hielten so lange an, bis die Behörden den Pfarrern die Schulaufsicht entzogen. Ein Rest dieser Schulaufsicht hat sich dann noch die Kriegsjahre hindurch gehalten, nämlich die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes.

Der erste Pfarrer, der als Schulaufsichtsbeamter in Frage kommen könnte, ist ein gewisser Pastor Stratmann, der von 1567 bis 1609 die Pfarre in Oerlinghausen innehatte. Der damalige Küster hieß Konrad Honnerlage Aus einem an den Grafen Simon gerichteten Schreiben, in dem der Pfarrer die Baufälligkeit des Pfarrhauses eingehend schildert, geht hervor, daß er die hochdeutsche Sprache noch nicht ganz beherrschte. Er schrieb „hoch“ und „platt“ durcheinander.

In einem anderen Schreiben beschwert er sich darüber, daß man über seinen Ländereien Landwehren neu aufgeworfen und sein Land dadurch verdorben habe. Es ist interessant zu erfahren, daß die Landwehren in dieser Zeit nicht nur erhalten werden mußten, sondern, daß noch neue hinzukamen. (Die Landwehren sind von zwei Seiten aufgeworfene Erdwälle mit Gestrüpp, die immer quer durchs Gebirge gingen. Auf den Pfarrländereien sind sie heute verschwunden.)

Als zweiter Schulinspektor kommt der Pastor Schlingmann in Frage. Er wird 1611 erwähnt, 1607 war die Schule erbaut. Schlingmann hat unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges sehr gelitten, so daß Graf Simon VII. sich bewogen fühlte, für ihn die allgemeine Mildtätigkeit auszurufen, das heißt, jeder sollte nach Kräften geben, um die Not des Pfarrers zu lindern. Und wie stand es mit der Not des Küsters Hattenkerl? Sie wird ebenso groß gewesen sein. Schlingmann starb im Jahre 1634. Sein Nachfolger im Amt war Johann Marthäus. Damals gehörte zum Kirchspiel Helpup, Kachtenhausen, Senne, Ubbedissen, Greste usw., ein großes Gebiet. Man stelle Marthäus einen „Adjunkten“ (Helfer) namens Hase zur Verfügung. Merkwürdigerweise lehnte sich Marthäus dagegen auf. Als Hase schon nach zwei Jahren starb, wollte Marthäus keinen „Adjunkten“ wiederhaben. Er bekam aber doch einen neun.

Im Jahre 1778 treffen wir Dietrich von Cölln. Er verdient es, in erster Linie unter den Inspektoren genannt zu werden. Die Schule war sozusagen auf den Hund gekommen. Cölln nahm sich ihrer ganz besonders an. Ihm wird nachgerühmt, daß er Verständnis für soziale Nöte zeigte und Liebe zur Kinderwelt ihn auszeichnete. Er führte die sogenannten Kinderfeste ein. Die Kinder sollten nicht immer in der dunklen Schulstube sitzen, sondern sich auch am Spiel und auf Ausflügen ergötzen und erholen. Fürstin Pauline ist des öfteren hier gewesen und hat die Einrichtungen der Schule besichtigt.