Protokoll zur Schule in der Senne
Übersetzung eines Protokolls des Predigers Hildebrand vom 10. November 1811. - Betrifft Schule in der Commune Senne:
Da in der Commune Senne die Schule durch den Tod des am 10 ten Julius dieses Jahres verstorbenen dortigen Schullehres Johann Henrich Grünewälder erledigt und dadurch Gelegenheit gegeben ist, in Ansehung derselben in dieser Commune eine bessere Einrichtung zu treffen, so hat der Pastor Hildebrand, um so möglich eine solche Einrichtung durch den freyen Entschluß der Eingesessenen, die bey ihm in Oerlinghausen eingepfarrt sind, zu Stande zu bringen, jeden einzelnen, bey allen umhergehend, zu einer Zusammenkunft im Hause des Wilhelm Quakernake nro. 32. eingeladen, damit er sich der versammelten Commune sich näher erklären und ihre Gegenerklärung erhalten könnte.
Er besuchte am 4. November, von Colonus Helweg nro. 33. begleitet,
1. Bolhöfer nro. 25
2. Bey der Becke 42
3. Schütte 23
4. Buschtöns Erbpächter
5. Helweg 33
6. Buschtönd 14
7. Buschmann 47
8. Göshling der Schlingmüller
9. Schiinkmann 18
10. Beckmann ohne nro.
11. Niemann nro. 53
12. Wiese 56
13. Brockmann 37
14. Rolf 1
15. Efhelmann? 3
16. Petersjohann nro. 20
17. Linnenbrügger 2
18. Freytag 11
19. Frytagsmüller 6
20. Bülter 8
21. KieIkämper 38
22. Tutermann 39
23. Timpe 13
24. Petersmeyer 21
25. Neuwohner Arend 55
26. Eikelmann 49
27. Vorm Fenne 36
28. Wilh. Quakernake 32
29. Henr. Quakernake 57
und am 5. November, von Heuerling Helweg begleitet,
1. Krull nro. 28
2. Brakenmann 10
3. Fillies 30
4. Klöppertöns 27
5. Bentrup 34
6. Wiese Erbpächter
7. Eikelmann 44
8. Tellenbröker 48
9. Linnemann 17
10. Kraks 7
11. Birkemeyer 31
12. Eikelmann 19
13. Kleindepenbrok 43
14. Lutterkord 22
15. Sprunkmann 46
16. Strotemann 54
17. Bokermann nro. 52
18. Trügelmann 51
19. Berkenkamp nro. 41
20. Strunk 40
(in dieses mit Tinte geschriebenes Protokoll ist später mit Bleistift nachgetragen: Colonat nro. 18 gest. 18. 2. 1817 - Colonat nro. 13 abgebrannt im Januar 1825 - Colonat nro. 30 abgebrannt am 2. 8. 1813 - Colonat nro. 31 abgebrannt 1818 - Colonat nro. 22 abgebrannt 1817).
Jeder einzelne erklärte sich willig, der Einladung des Predigers zu folgen und bei Wilhelm Quakernake nro. 32 am Sonntag Nachmittag, den zehnten November mit dem Prediger zusammenzutreffen und in dieser Zusammenkunft, was das allgemeine Beste erforderte, gemeinschaftlich auszumachen, wie er denn, falls er, aus welchen Beweggründe es nun wäre, sich nicht einstellte, zum voraus dem beyträte, was dort ausgemacht würde.
Am Sonntag Nachmittag, den zehnten November, kamen auch wirklich alle vorher benanntenmit dem Prediger bey Wilhelm Quakernake zusammen, ausgenommen Haus nro. 6. 13. 14. 20. 21. 23. 25. 28. 36. 37. 38. 39. 42. 44. 48. 51. 53. 55. 56. 57. der Schlingmüller, Col. Beckmann, Erbpächter Wiese, und Erbpächter Buschtöns.
Dieser Zusammenkunft wurde nun vom Prediger vorgestellt, daß freylich einer kleinen Anzahl von Kindern zur Noth auf einer Wohnstube könne Unterricht erteilt werden, wie denn das wirklich von manchen Hausvater, der sich die Erziehung seiner Kinder angelegen seyn lasse, jedoch eigentlich nur dann geschehe, wenn der Feyerabend Ruhe und Stille in die Wohnstube gebracht habe, daß es aber schlechterdings unmöglich sey, einer Menge von Kindern neben schnurrenden Spinnrädern oder gar neben klopfenden Weberstühlen und tobenden Spulrade, wo nicht gar unter Wiegengerumpel und zum Einschläfern des gewiegten Kindes erhobenen Gesinge und Gebrumme, mit Erfolge als Lehrer vorzustehen, und daß es also nötig sey, dafür zu sorgen, daß man eine ordentliche Schulstube habe, die zu weiter nichts als zur Schule gebraucht werde.
Es wurde ferner bemerkt, daß, wenn auch bisher der Lehrer die Schulstube gehalten habe, er doch dieses nur in sofern gethan habe, als die Commune das Ihre zu thun vernachläßigte und mit einem Unterrichte, der bloß den Namen hatte, für lieb nahm, und daß, wenn man anders einen Mann haben wolle, wie man ihn brauche - einen Mann der ausser den Hauptstücken der Religion, die den Menschen durchs Leben hindurch leiten, vor Thorheit und vor Sünde bewahren, in Leiden und Widerwärtigkeiten trösten, und gegen die Schrecken des Todes mit guter Zuversicht schützen könne, auch soviel Lesen, daß sich einer in der folge dadurch weiter unterrichten, so viel Schreiben, daß er sich auf diesen Wege anderen verständlich machen, und so viel Rechnen lehrt, das er sich im gemeinen Leben helfen kann - durchaus von der Commune dafür gesorgt werden müsse, daß dieser da sey.
Es wurde auch gezeigt, daß die Commune, wenn sie wolle, daß, so schlecht die Zeiten auch seyen dennoch könne. Denn wenn auch, ein Haus auf der Gemeinheit zu bauen, von Seiten der Kosten, die es mache manches Abschreckende, und von Seiten der Nützlichkeit selbst manches Bedenkliche habe, so sey damit noch nicht die Sache abgeurtheilt. Einer aus ihrer Mitte, Rolf nro. 1. habe sich erboten, wie die vorläufige Verabredung mit demselben klarmache, ein Haus wie es sich für den Schulmeister gehöre, nebst 4 Scheffelsaat Land zu stellen und zwar gegen jährliche 25 Reichstaler, und es komme nur darauf an, ob sich die Commune dazu verstehen wolle, diese alljährlich aufzubringen, so habe sie durchaus mit weiter nichts zu thun.
Alles vergeblich. EfseImann nro. 3. nebst Bülter nro. 8. Linnemann nro. 17, welchen Kraks nro. 7. und Brakenmann nro. 10. sich gleich beygesellten hintertrieben alles durch ein beständiges Nein.
Senne 10 Nov. 1811.
Ett. Hildebrand, Prediger.
Mit Bleistift nachgetragen:
1818 11 Knaben
15 Mädchen
1818 Lehrer Schwarzbeck Senne II
Februar 1985 - Fritz Soll