Die Gehobene Privatschule

Auszug aus der Hermann Diekmann Chronik

 

Das Gründungsjahr der Schule läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben, da schriftliche Nachrichten hierüber fehlen. Die Tochter des Gründers, Marie Weerth, glaubt, daß es das Jahr 1857 sei. Nach ihrer Angabe ist sie von Pastor Wilhelm Weerth, Amtmann Wessel, Dr. Caspari und anderen ins Leben gerufen worden. Zwei noch lebende Schüler aus den ersten Jahren sind der Rentner August Asemissen und der Besitzer des Bartholdskruges, Aug. Grote. Im Konfirmandenregister der Kirchengemeinde sind 1862 zuerst Schüler der Rektorschule genannt. Das erste Schullokal war die Gertkammer, ein Anbau der Kirche. Als erster Rektor wird der Theologe Gerstung, später Pastor in Hannoversch-Münden, genannt. Ihm folgten in kurzen Zeiträumen Stamm, Brüssel, Kronemeier, Deppe, Jürgens, Warnestel, Zeiß, Kuhlmann, Osterhaus und 1879 bis 1884 Marie Weerth. Laut Gerichtsakte vom 27. April 1876 werden der Privatschule durch fürstlichen Erlaß die Rechte einer juristischen Person verliehen. Die Schule hat von Anfang an nicht bloß aus Oerlinghausen, sondern auch aus der Umgegend großen Zuspruch von Schülern gehabt. . . Anfang der siebziger Jahre folgte die Verlegung in die leerstehende alte Oerlinghauser Leinenlegge. Doch hier war ihres Bleibens auch nicht lange, denn die Legge wurde verkauft und an ihrer Stelle ein Wohnhaus — jetzt Kolonat Büker, Jägerstraße 1 — erbaut. Der derzeitige Vorstand der Schule entschloß sich infolgedessen zum Ankauf eines Gartens am Kirchplatze. Hier wurde dann ein eigenes massives Schulgebäude errichtet.

Zu Ostern 1878 konnte das neue Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Die Schule stand damals unter der Leitung von Marie Weerth und dem Küster Kuhlmann. Anfangs wurde nur der untere Raum als Lehrzimmer benutzt, während die oberen Räume von dem jeweiligen Lehrer bewohnt wurden. Als dann die Schülerzahl stieg, wurde das ganze Haus Lehrzwecken dienstbar gemacht           Bald mußte eine zweite Lehrkraft hauptamtlich angestellt und eine Anzahl Stunden durch hiesige Volksschullehrer übernommen werden. Seit 10 Jahren sind drei Personen hauptamtlich tätig. Die Namen aller Lehrpersonen anzuführen, würde zu weit führen. Im Laufe der Jahre haben etwa 1000 Schüler und Schülerinnen ihre Ausbildung an der Privatschule genossen. Und wir dürfen wohl sagen, daß manche der ehemaligen Schüler ihren Mann im späteren Leben gestanden haben     Augenblicklich wird die Schule von 46 Kindern, Knaben und Mädchen, besucht. Der Lehrplan ist so eingerichtet, daß die Jungen nach vierjährigem Besuch die Obertertia der Oberrealschule und die Mädchen die Obertertia des Lyzeums erreichen können Erfreulicherweise hat die Stadtverwaltung am 1. April 1936 die Schule übernommen. Seitdem führt sie den Titel: Städtische Rektorschule.

(Nach Aufzeichnungen von M. Weerth und W. Hofbüker.)