Fritz Soll erinnert sich „Brausen“ in der Schule: Ein Erlebnis !
[Bild: Lehrer vor dem Eingang der alten Volksschule, genau an der Stelle, wo demnächst einmal der neue Eingang des Rathauses eingerichtet werden soll. Diese historische Aufnahme stammt aus dem Archiv der Stadt.]
Oerlinghausen. Der Neubau der Volksschule vor 100 Jahren — die NW berichtete — fiel in eine Zeit, in der die Gemeinheit „Dorf Oerlinghausen“ aus einer gewissen Stagnation erwachte. Vielleicht hat der Bau dieses „Riesengebäudes“ auch dazu beigetragen. Das Gelände, auf dem der Neubau errichtet wurde, war vorher ein Teil des Dorf-Feuerlöschteiches gewesen. Bei der Gründung des Fundamentes mußten im oberen (südlichen) Teil erst 300 Sack Zement aufgeschüttet werden, um den Boden haltbar zu machen.
Bis 1928 wurden die Schulräume noch mit Öfen beheizt. Dabei konnte es passieren, daß sich in der Pause im Winter ein Schüler in die Klasse schlich und den ganzen Kohlenvorrat in den Ofen schüttete. Nach etwa einer halben Stunde erreichte der Ofen dann sein Höchstmaß an Ausstrahlung und wurde ein rotglühendes Ungetüm. Die darauf folgenden Untersuchungen wurden natürlich, wie damals üblich, mit einem verschärften Verhör durchgeführt. Die dann gebaute Warmwasserheizung brachte für alle Schüler einen gewaltigen Fortschritt — denn es wurde gleichzeitig eine Gemeinschaftsdusche eingebaut. Welch ein Erlebnis, wenn's zum „Brausen“ ging! Wer kannte so etwas, geschweige denn, wer hatte so etwas zu Hause — keiner! Bis zum Anbau 1949 standen die Toilettenanlagen noch separat in der südöstlichen Ecke des Schulhofes. Sie konnten von jeder Klasse (vom Lehrer) eingesehen werden, so daß es kein Schummeln gab. wenn mal jemand mitten in der Klassenarbeit „mußte“.
Es wäre nun noch manches über unsere uns liebgewonnene „alte Schule" zu schreiben, aber das sparen wir uns auf, wenn mal über die „alten“ Lehrer geschrieben wird.
Als im Jahre 1975 das neue Gymnasium eingeweiht wurde, begann in der alten Volksschule der Umbau, und im Dezember 1976 zog die Stadtverwaltung hier ein, um die Tradition des Gebäudes für alle Oerlinghauser fortzusetzen. (Siehe auch Geschichte und Geschichten Oerlinghausen, Seite 110— 117) Fritz Soll