1850 lagen Briefe noch in der Apotheke aus

 

[Bild: Philatelist Helmut Hollwitz schlug beim Stammtisch des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins seine wertvollen Alben auf.]

Oerlinghausen (roe). Bevor in' Oerlinghausen Mitte des 19. Jahrhunderts eine Poststelle eingerichtet wurde, sorgte der „Post-Jüsken“ August Kramer mit seinem Esel dafür, daß die Bergstadt damals nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten war. Mehrmals in der Woche zog er zu den älteren Poststellen nach Bielefeld und Detmold. Das ist das allererste Kapitel der Oerlinghauser Postgeschichte, deren Anfänge der Naturwissenschaftliche und Historische Verein bei seinem Stammtisch am Montagabend beleuchtet hat.

Der vortragende Fritz Soll gab dabei eine Chronik zum Besten, die der ehemalige Postmeister Holzkamp verfaßt hat. Die Frühgeschichte der hiesigen Post war vor allem von dem Kampf zwischen Preußen und dem Haus Thurn und Taxis um die Oerlinghauser Postrechte gekennzeichnet. Den Streit um die Errichtung einer eigenen „Postexpedition“ für die Bergstadt gewann 1840 zunächst Preußen. Schon fünf Jahre später gaben die Preußen die Rechte dann aber doch für 27 Jahre an Thurn und Taxis ab, weil das Geschäft nicht lohnte.

1852 führte Thurn und Taxis Briefmarken ein, die mit einem besonders ringförmigen Entwertungsstempel mit der „Postleitzahl“ 326 bedruckt wurden. „Postexpeditor“ war der Apotheker des Dorfes, der die mit der Postkutsche eingetroffenen Briefe im Schaufenster auslegte. Mit der Anbindung an die Eisenbahn 1903 hatte die Personenpost in Oerlinghausen ausgedient.

Die alte Chronik des Postmeisters ergänzte am Stammtisch des Historischen Vereins der Philatelist Helmut Hollwitz. Der leidenschaftliche Sammler zeigte den Interessierten seine umfangreiche Sammlung von „Oerlinghauser Postbelegen“. Gemeint waren gestempelte Marken und Umschläge, die von Oerlinghausen abgesandt wurden. Hollwitz' ältestes Exemplar stammt noch aus der Zeit des „Post-Jüsken“ (1830). Den fehlenden Absendestempel ersetzte der Postmann damals noch mit einem handschriftlichen Vermerk in roter Tinte: „Oerlinghausen".