Die „Kumpstonne“ auf dem Tönsberge
Wem wäre nicht der auf dem Rücken des 334 Meter hohen Tönsberges sich erhebende, weithin in die Lande schauende Windmühlenstumpf, oder, wie die „Ausländer“ ihn nennen, die Kumpstonne, bekannt? Er gehört nun einmal zu dem Stadtbilde, ohne den man sich den Berg nicht denken könnte, und bildet für manchen Wanderer ein vortreffliches Orientierungsmittel.
Wind und Wetter haben in den letzten Jahren an dem altersgrauen Gemäuer genagt, mächtige Nisse und Löcher sind, namentlich an der Innenseite, entstanden. Das in die Ritzen eindringende und bei Kälte gefrierende Wasser treibt die Steine immer mehr auseinander. — Die Stadt hat sie bekanntlich in ihr Wappen ausgenommen. Als Ruine macht sie ohne Zweifel einen sehr schönen und freundlichen Eindruck. — Hören wir die Geschichte des Stumpfes:
Es war im Jahre 1752, als man Anstalten machte, auf dem Tönsberge, auf Bark- Hauser Grund und Boden, eine Windmühle zu errichten, ohne die Genehmigung des derzeitigen Besitzers, des Kanzleirates Johann Wilibald Barkhausen, eingeholt zu haben. Auf Veranlassung des Amtsrates Ramus waren schon die Vorarbeiten dazu gemacht und der Platz eingeebnet worden. Eine Beschwerde des Meiers zu Barkhausen an die Kammer, in der er den Platz als sein Eigentum nachwies und klarlegte, daß ihm durch die Anlage einer Mühle Schaden erwachse, hatte keinen Erfolg; denn von anderer Seite wurde behauptet, daß der Platz der Dorfschaft gehöre. Ohne sich um den Protest des Kanzleirates zu kümmern, fuhr man bereits Steine und Holz an. Der Kanzleirat wandte sich nun mit einer Klage an das Reichskammergericht zu Wetzlar. Hier hatte er Erfolg. Auch die Rentkammer lenkte ein, und es kam zwischen den Streitenden zu einem Vertrage, in dem Barkhausen gegen allerlei Zugeständnisse der Gegenseite die Erbauung einer Windmühle genehmigte. Im Jahre 1753 wurde die Mühle von Cord Henrich Temme als Verwalter in Betrieb genommen. Die Unkosten waren aber sehr hoch, so daß man sie schon ein Jahr später an einen anderen Herrn verpachtete. Dieser liquidierte bereits schon nach zwei Jahren aus Unrentabilität der Mühle. Der nächste Inhaber zahlte keine Pacht, ein anderer rückte aus, der nächste war wieder zahlungsunfähig usw. Die Pacht wurde von 50 Taler auf 30 herabgesetzt, aber es fand sich trotz dem kein Pächter. Von 1781 bis 1799 ist sie dann von Johann Hermann Tölke übernommen worden. Dann folgten in einem Jahrzehnt wieder vier Pächter, bis dann 1810 die Rentkammer die Mühle für 500 Taler (1000 Taler hatte sie gekostet!) an Henrich Frevert verkaufte. Frevert veräußerte sie an Jobst Henrich Pehle, und im Jahre 1815 kam sie wieder zu Barkhausen. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ist sie dann in Betrieb gewesen und wurde 1851 nach Barkhausen verlegt. Ruhmvoll ist also die Geschichte der Mühle nicht. — Einer meiner Mitarbeiter beim Ausgraben vorgeschichtlicher Siedlungen, zur Zeit Sturmführer im Arbeitsdienst: Werner Jahnke, Detmold, hat die Geschichte der Tönsbergmühle frei gestaltet. Seine Erzählung gewährt uns einen Einblick in das Leben der Oerlinghauser vor rund 180 Jahren. Auszugsweise sei diese nette Erzählung hier wiedergegeben:
„Den steilen Hang des Tönsberges knarrte ein Wagen hinauf, sechs Pferde zogen die Steinlast empor. Mit Fluchen und Peitschenknallen trieb der lange Lütkemeier seine Tiere an. Es war eine Schinderei hier herauf, aber geschafft mußte es werden. Als er auf halber Höhe war, ließ er die Gäule verschnaufen und schob schnell und geschickt einen Stein hinter das breite Rad, damit der Wagen nicht zurückrollte. Den Weg hinauf ging sein Blick; wenn er bei der einzelnen Kiefer nochmals Pause machte, konnten es die Pferde schaffen. Innerlich mußte er lachen; stand erst die Mühle da oben, dann würde er oft zusehen, wie sie ihre langen Arme durch die Luft streckte. Als die Sonne höher stieg, ihre Strahlen eine angenehme Wärme erzeugten, warfen die Leute oben auf der Bergkuppe die schweren Steine vom Wagen. Der Platz ringsum war eingeebnet, gefällte Kiefern lagen an der Seite. Mühevoll war die Ausschachtung, der steinige Boden leistete Widerstand, aber allmählich ging die Arbeit vorwärts. „Macht eure Sache nur gut“, sagte der Lütkemeier, „sonst liegen nachher die Steine wieder unten, es weht hier oben ganz gut, bei den Herbststürmen möchte ich nicht der Müller sein.“ Damit zog er die Bremse fest und fuhr vorsichtig den abschüssigen Weg wieder hinab.
Abends im Krug snakten die Bauern lang und breit über den Mühlenbau, der allen recht lächerlich erschien. Die Detmolder Kammer und besonders der Amtsrat Ramus mußten herhalten. Er war unbeliebt bei ihnen; denn als Leiter des Baues suchte er an allen Ecken die Kosten zu verringern, was die Leute zu heißen Reden veranlaßte. Die Luft in der Schenke war blau, an rohen Tischen hockten die Bauern und redeten wild durcheinander. Der Krüger, ein breitschultriger, großer Mann, lehnte bei seinen Gläsern oder schaute beim Kartenspiel zu. Da stand der Lütkemeier auf und brüllte über die Zecher, sie möchten einmal die Mäuler halten, er habe etwas zu sagen. Allmählich gelang es ihm, sich Gehör zu verschaffen. „Ihr wißt alle“, hub er umständlich an, „daß bei uns eine Mühle gebaut wird; denn ich fahre die Steine selber hinauf, kann euch sagen, daß es eine verdammte Schinderei ist; bezahlen tun sie einem das kaum, und die Pferde fressen obendrein das Doppelte. Aber ich sage euch, wer will denn da oben sein Korn mahlen lassen? ihr vielleicht? Das ist es ja eben, die hochvornehmen Herren in Deppel haben geruht, uns mit dem Kram zu beglücken. Wir müßten eigentlich dankbar sein, daß man uns erlaubt, die Säcke bis in den Himmel zu schleppen. Diese geehrten Pergamentschnüffler, die bloß mit Feder und Sandfaß spielen, haben eben vom Arbeiten gar keine Ahnung!“ Die Bauern lachten, und der Redner fuhr fort: „Kann allerdings sein, daß die Allergnädigsten zu sehr mit unseren Talern klingeln können, schinden ja genug Steuern heraus. Jedenfalls ein Trost, daß die neue Mühle nicht weggeblasen wird und uns obendrein auf den Schädel fällt!“ „Prost, prost“, schrien die anderen lachend, „der Lütkemeier ist ein Kerl, er kann eine ordentliche Rede halten.“ Mit roten Köpfen sangen die Zecher. „Deubel“, sagte der Wirt, „es ist schon spät, ich wette, daß gleich unser „Pikenträger“ angezogen kommt.“ Er hatte kaum ausgesprochen, als sich die Schenkentür mit schrillem Quietschen auftat. Ein Mann in langem dunklem Mantel trat ein, ein wahres Ungeheuer von Hund kam hinter ihm hervor. Im Arm hielt der Sonderbare eine Hellebarde, in der linken Hand eine Lampe. Er stellte sich rasch in Positur und sang mit merkwürdig feuchter Stimme:
„Hört, ich habe euch wüsten Gesellen zu sagen, die Mitternachtsstunde hat lange geschlagen, wer jetzt noch sauft und singt und lacht, vom Amtsrat wird mit Straf' bedacht.“
Die Gäste lachten laut auf, aber sie nahmen den „Pikenträger“ gutmütig in ihre Mitte, und er ließ sich auch nicht lange nötigen zum Mittrinken. Der Amtsrat Ramus hatte ihn wegen der Diebereien angestellt, außerdem sollte er das „wüste Zechen“ unterdrücken. Er dichtete auch im stillen und sang dann mit großer Amtswürde sein eigenes Vers‘chen, wie der Nachtwächter der Freien Hansestadt Lemgo. Mit der Zeit wurden den Zechern die Köpfe heiß; verschiedenen saß der Teufel im Nacken, sie fingen allerlei Sticheleien an. Als noch einige Viehhändler aus Paderborn eintraten, kam das Gespräch wieder auf die Mühle, denn sie wollten Näheres über den Bau auf dem Tönsberge wissen. Der Wächter verteidigte mit aller Macht das Unternehmen; denn er glaubte als Hüter der Ordnung, eingesetzt vom Amtsrat, dafür eintreten zu müssen. Er wurde aber niedergeschrien, drohende Worte wurden laut, von solch einer Nachteule ließen sie sich nichts sagen, er solle seine Lampe nehmen und schleunigst verschwinden.
Durch die Straßen von Herford trabte ein Reiter, einfache und derbe Kleidung umschloß ihn, aufrecht saß er im Sattel, seine Bewegungen verrieten eine gewisse Sicherheit. Vor dem Hause des Kanzleirates Barkhausen sprang er ab und ließ sein Tier in den Stall führen. Barkhausen wunderte sich, daß ihn sein Verwalter zu sprechen wünsche. „Ich bitte den Herrn Kanzleirat um Entschuldigung, daß ich ungerufen nach hier kam, aber eine wichtige Nachricht zwang mich, Euch gleich Mitteilung zu machen.“ „Ihr wißt“, sagte der Angeredete,“daß ich für meinen redlichen Verwalter jederzeit zu sprechen bin, was gibt es, haben die Bauern wieder Holz gestohlen?“, „Nichts von alledem, aber vorn auf dem Tönsbergkamm wird eine Mühle gebaut, und da ich nichts davon wußte, nahm ich an, daß auch Ihr nicht unterrichtet seid“, entgegnete der Verwalter. Barkhausen sprang vom Stuhl auf, als er die Kunde hörte, und sah den Sprecher erstaunt an. „Eine Mühle auf meinem Besitz, Welschmeier, habe ich recht gehört?“ „Es ist so, Herr Kanzleirat; als ich gestern nach Oerlinghausen ritt, fragten mich die Leute, was die Mühle für einen Zweck habe, dann bin ich hinaufgestiegen und fand die Arbeiter bei ihrer Arbeit, das Fundament war gemauert, die Bäume gerodet und alles geebnet. Ich fragte die Leute, wer denn den Bau angeordnet hätte; es sei der Herr Amtsrat Ramus gewesen. Ich bin nicht zu ihm gegangen, obwohl ich gern erfahren hätte, ob Ihr unterrichtet seid, aber ich hielt mich dazu nicht berechtigt. “ Kanzleirat Barkhausen hatte mit großer Spannung zugehört, sein Holz wurde also auch noch geschlagen, sicher fand es beim Bau Verwendung, Er war aber nicht der abteilich-herfordische Kanzleirat, daß er seinen Besitz ohne Zustimmung bebauen ließ. Er würde schon dafür sorgen, daß die angefangene Mühle da oben wieder abgetragen würde, ganz gleich, wer die Taler hineingesteckt habe. „Ihr habt recht gehandelt“, sagte Bark-- hausen nach einer Weile, daß Ihr mich von dieser Dreistigkeit unterrichtet habt. Es fehlt mir leider an Zeit, Euch noch länger anzuhören, aber in 2 bis 3 Tagen komme ich selbst, um mich mit Ramus zu besprechen. Ruht noch aus, ich lasse Euch eine Stärkung bringen!“ Damit erhob er sich und ging mit schnellen Schritten aus dem Zimmer.
Goldener Herbst war im Lande. Hell schien die Sonne auf die Hügel, daß die bunten Laubwälder aufleuchteten in herrlicher Pracht. Den Weg nach Oerlinghausen ging der Kanzleirat Barkhausen, um mit eigenen Augen den Mühlenbau zu sehen. Das war so recht ein Morgen für ihn, der Ritt von Herford nach seinem Gut war ihm ein Erlebnis gewesen. Jetzt schritt er zu Fuß weiter. Seine Blicke hefteten sich auf die freundlichen Fachwerkhäuschen am Tönsberge. Vom Schopketal grüßten die Birken hell leuchtend herüber; prächtig nahm sich das Goldgelb gegen die Schonungen mit ihrem Dunkelgrün aus. Erinnerungen stiegen in ihm auf, von fröhlicher Jagd im herbstlich-bunten Wald, wenn die Meute über die Heidkuppen jagte und er mit der Büchse durch das raschelnde Falllaub schritt. Das war etwas anderes als die öde Amtsstube, wo Schriften und Bücher sich müde stauten. Barkhausen vergaß, zu welchem Zweck er die steile Kuppe Hinaufstieg, alle häßlichen Eindrücke der letzten Wochen verschwanden. Ob der arme Bauer, welcher mit Pflug und Spaten seinen Acker bestellte, inmitten der lachenden Sonne, nicht doch glücklicher war als er, der angesehene und geachtete Kanzleirat? Als er auf dem Tönsbergkamm angelangt war, verfinsterten sich seine Züge. Die Pracht im Umkreis verschwand vor seinen Augen, er stand am Bauplatz und sah erstaunt die Veränderung auf seinem Besitz. Er trat indessen freundlich an den Fuhrmann heran und sagte: „Es ist wohl schwer, die Steine hinaufzuschaffen und gefährlich obendrein?“ Der Angeredete nahm die Mütze ab und sagte ehrerbietig: „Ja, Herr, eine Quälerei ist's, und die Handwerker klagen auch, daß bei dem harten Wind hier schlechtes Arbeiten sei“. Barkhausen erkundigte sich noch über die Arbeit, und der Fuhrmann sagte ihm: „Wir müssen von morgens bis abends fahren, damit der Bau noch vor den Frösten hoch ist“. Nach einiger Zeit schritt der Amtskanzleirat wieder zum Dorf hinab. Auf dem Hauptweg traf er mit Ramus zusammen. Die beiden Freunde reichten sich die Hände. „Willkommen in unserem Dörfchen! Hat Euch der prächtige Tag hierhergelockt? Sicher wollt Ihr zur Jagd, Ihr habt glücklich gewählt mit dem Wetter. Kommt zu mir herein und stärkt Euch!“ Als sie beim Wein im behaglichen Raum des Amtsrats saßen, glaubte Barkhausen den Zeitpunkt gekommen, ihn über sein Erscheinen aufzuklären. „Die Büchse hat heute noch Ruh, lieber Ramus, aber es wäre mir eine Freude, wenn Ihr Mich nächste Woche begleiten wolltet, ich halte ein Treiben ab, es wird recht lebhaft werden; das Revier ist gut besetzt. Aber heute führte mich etwas anderes in Euer Dörfchen. Ihr seid mir ein redlicher Freund, Ramus, und darum sage ich Euch offen mein Begehr, erklärt mir, was auf dem Tönsberg vor sich geht! “ Der Angeredete sah erstaunt auf und fragte verwundert: „Ich verstehe Euch nicht. Ist der Bauplan nicht eingehalten von mir? Ich habe meine Anordnungen genau nach der Rentkammer getroffen, was mißfällt Euch an der Sache? Gewundert habe ich mich freilich, daß Ihr bei den Vermessungen nicht zugegen ward, aber Ihr konntet sicherlich nicht aus dem Amt.“ Barkhausen lächelte und sah seinen Freund an. „Nun, dann will ich Euch sagen, bis gestern hatte ich weder Kunde noch Ahnung von der Sache. Mein Verwalter kam nach Herford geritten und gab mir Bericht. Ich bin von der Landesherrschaft einfach übergangen, es ist so weit, der freie Mann darf über seinen Grund nicht mehr verfügen!“ Ramus sah den Erregten erschrocken an. „Ihr wußtet nichts von dem Bau, die Kammer hat Eure Einwilligung nicht geholt?“ „Wie ich Euch sagte, eben war ich oben — er deutete nach dem Berg hin —, und habe gesehen, daß man meinen Besitz bebaut!“ Der Amtsrat konnte es nicht fassen, daß die Rentkammer so eigenmächtig vorgegangen war. Doppelt unangenehm für ihn, weil die Sache seinen Freund betraf. „Offen muß ich Euch sagen, so etwas ließe ich mir auch nicht gefallen, ich würde auch dagegen protestieren. Ich dürfte diese Antwort zwar auch nicht geben, aber Recht muß Recht bleiben! Glaubt mir, hätte ich den geringsten Argwohn gehabt, Ihr hättet eine heimliche Botschaft erhalten.“
Lange besprachen sich die beiden noch über den Streich der Rentkammer. Barkhausen versicherte, er wolle nicht eher ruhen, alsbis der letzte Stein wieder im Tal liege. — Die Detmolder Herren öffneten ein Schreiben, dessen Siegel mit dem Barkhauser Familienwappen versehen war. Die runden Gesichter wurden besorgt; denn der Inhalt war ihnen unangenehm. Er, der Kanzleirat, erlaube sich mitzuteilen, daß er niemandem Erlaubnis zum Mühlenbau gegeben habe, der Weg über die Kuppe sei zerfahren und zum Holztransport unbrauchbar; er verlange, daß er wieder hergestellt würde und das „Gemäuer“ wieder entfernt werde. Ein harter Schlag! Man beriet hin und her; denn um den Besitzer hatten sie sich nicht gekümmert. Nach kurzer Zeit hatte Barkhausen die Antwort in den Händen. Sie war doch etwas verblüffend für ihn; denn man teilte gnädigst mit, daß der Platz der Dorfschaft gehöre. Bald lagen aber die Urkunden auf der Rentkammer, welche einwandfrei besagten, wer der rechtmäßige Besitzer sei.
Das störte aber keineswegs den Fortgang der Arbeiten auf dem Tönsberg. Das Müllerhaus und auch die Mühle wuchsen täglich in die Höhe. Wilibald Barkhausen aber strengte beim Reichskammergericht eine Klage an, weil er sich den Gewaltmaßnahmen nicht beugen wollte. Plötzlich traten die ersten Fröste auf, der Bau konnte nicht mehr zu Ende geführt werden. Viel zu früh legte sich der Schnee auf die Heidkuppen, lastete auf den Kiefern, schuf oben auf dem Tönsberge wieder die gewohnte Ruhe. Eulen und Krähen suchten in den Mauern Schutz, Marder richteten sich zwischen den Balken häuslich ein.
Als im Frühjahr 1753 die braunen Heidstengel wieder aus dem Schmelzschnee hervorsahen, kam der Bescheid vom Reichskammergericht. Der Kanzleirat hatte den Prozeß gewonnen, er konnte die Entfernung der Windmühle von seinem Boden verlangen. Aber da er Recht bekommen hatte, ließ er sich schließlich auf Verhandlungen ein, die den Erfolg hatten, daß die heiß umstrittene Mühle doch Daseinsberechtigung erhielt.
Ende Mai des Jahres wurde sie noch fertig, stolz reckten die vier Flügel sich in den Wind. Cord Henrich Temme, welcher als Verwalter angestellt war, gab sich redliche Mühe, das Werk musterhaft zu leiten. Ein paar Esel wurden angeschafft, die das Korn heraufzuschleppen hatten. Davon wäre zwar der dürre Müllerknecht wenig erfreut; denn ihm erwuchs die Aufgabe, die störrischen „Grauviehcher“ anzutreiben. Er fluchte dabei mehr, als wenn Lütkemeier eine Achse am vollbeladenen Wagen gebrochen wäre. Im Anfang ging der Betrieb auch gut, aber bald ließ die Arbeit nach. Als die Rentkammer ihren großen Fehler einsah, war es zu spät, über 1000 harte Taler hatte sie hineingesteckt. Nun wurde die Mühle verpachtet, aber zur Freude aller Oerlinghauser wechselten die Pächter bald jedes Jahr. Oft stand sie auch ganz leer. Ihr Schicksal schien ein schlechtes zu sein. Eines Tages kam wieder ein neuer Müller, aber seine Hauptarbeit war das Schnapstrinken. Mit seinem hämischen Spitzbubengesicht und seinem scharfen Hohn eroberte er sich nicht gerade die Herzen der Leute . . .“ Zur 900-Jahr-Feier der Stadt wurde der altersgraue Stumpf vom Besitzer zu einem herrlichen Aussichtsturm ausgebaut.