Etwas über unsere Kirche

 

Eine der ältesten Kirchen des Lipperlandes ist unsere Kirche in Oerlinghausen. An einem wichtigen Paßübergang gelegen, wo alte Handelsstraßen sich trafen, war Oerlinghausen sehr früh der Mittelpunkt des Havergaus. Schon zur Zeit, als das Christentum ausgebreitet wurde unter den Sachsen, war hier ein wichtiger Stützpunkt. Urkundlich wird die Pfarrkirche zum erstenmal im Jahre 1036 genannt als Mittelpunkt eines weit reichenden Pfarrgebiets. Aus dem Namen des Schutzpatrons Alexander schließt man, daß der älteste Kirchenbau nach 851 entstand.

Der jetzige Kirchenbau geht in seinen ältesten Teilen zurück auf einen spätromanischen Bau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammen der untere Teil des Turmes, wie an seinen Rundbogenfenstern und dem alten Turmportal leicht zu sehen, und die Seitenschiffmauern. Nach der Feuersbrunst im Jahre 1509 erhielt unsere Kirche in einem großzügigen Erweiterungsbau die jetzige rein gotische Form. Im Innern der Kirche ist deutlich zu erkennen, wieweit die alten Mauern reichten. Gleichzeitig mit der Erweiterung wurden die Mauern höher gezogen, neue Fenster und Türen statt der alten romanischen eingesetzt, sodaß die Kirche jetzt rein gotisch erscheint und als eine der schönsten spätgotischen Kirchen bezeichnet werden darf.

Der Kirchenraum ist etwa 31 m lang und 15,70 m breit, die Höhe bis zum Schlußstein beträgt 12,50 m. Nach der Einführung der evangelischen Lehre zwischen 1530 und 1540 wurden Emporen eingebaut, um genügend Platz zu schaffen. Diese „Priechen" blieben bis 1930. Der Kirchturm ist 69 m hoch, er wurde 1866 höher hinaufgeführt, sodaß er jetzt weit ins lippische Land hinein grüßt nach allen Seiten.

Daß der heilige Alexander Schutzpatron der Oerlinghauser Kirche war, erkennen wir aus dem Spruch auf unserer alten 1547 gegossenen Glocke:

Sanderus (d. i. Alexander) het ick

de levendigen rope ick

de doden beschrie ick

dem dondere stur ick Johan Ahns goet mick.

a. d. M D XLVII

v. d. m. i. e. (Verbum dei manet in eternum = Gottes Wort bleibet in Ewigkeit) Dieser Glockenspruch ist die einzige bekannte plattdeutsche Form des »vivos voco, mortuos plango, fulgura frango«!

Eine andere Besonderheit unserer Kirche ist der Schlußstein des Chorgewölbes mit der Inschrift: »Jesus (JHS) Maria st. Johannes MVCXIV«.

Als dritte Kostbarkeit sei unsere herrliche Orgel genannt. Sie ist in holländischem Barockstil gehalten. Gestiftet wurde sie von der Gräfin Amalie, einer geborenen Burggräfin zu Dohna, die ihrem Gemahl, dem Grafen Simon Henrich zur Lippe weite holländische Besitzungen, darunter Vianen und Ameiden mit in die Ehe brachte. Der Orgelprospekt zeigt das bunte lippische Wappen mit dem Dohnaschen Wappen und denen von Vianen und Ameiden.-Die prachtliebende Frau hielt sich oft in Oerlinghausen auf und veranstaltete glänzende Jagden und Jagdfeste, wozu der Landvogt Bracht (Brachtshof) die Vorbereitungen zu treffen hatte.

Ein Strebepfeiler an der Südostecke zeigt unter einer alten Sonnenuhr die Jahreszahl 1511 (MCCCCCXI).

Der breite mächtige Bau unserer Kirche ruht in der Mitte unserer Stadt. Laßt uns froh und dankbar sein, daß wir eine so schöne Kirche haben. Laßt uns auf das hören, was unsere alte Glocke uns jeden Tag zuruft: De levendigen rope ick.

Gottes Wort bleibet in Ewigkeitl