Das Wappen der Kirchenorgel

 

Oerlinghausen, den 4.2.1952.

Der prächtige Prospekt der Barockorgel vom Jahre 1688 zeigt ein gräflich-lippisches Wappen, wie es in dieser Zusammenstellung selbst in Lippe nur selten anzutreffen ist. Um es zu erklären müssen wir zunächst lesen, was darunter steht:

"Von Gottes Gnaden Simon Henrich, Regierender Graf und Edler Herr zur Lippe, Von Gottes Gnaden Amelia, Regierende Gräfin und Edle Frau zur Lippe, geborene Burggräfin und Gräfin zu Dona, Souveraine von Vianen und Ameiden, Erbburggr. zu Utrecht, Herr und Frau zu Nordelors, Wetingen, Haaften, Herwijnen, Hellonw und Nieveldt, 1688."

Alle Namen sind abgekürzt, z.T. nur durch Einzelbuchstaben wiedergegeben. Hierzu ist folgendes zu bemerken:

Simon Henrich, geboren 1649, regierte von 1666 bis 1697. Er war verheiratet mit Amalie Gräfin Dohna. Marie Weerth sagt von ihr (Mitt. Band VII S. 47): "Sie war eine hochgebildete, geistreiche Dame, prachtliebend, energisch, zielbewußt, streng reformiert, ehrgeizig für sich und ihre Familie. Ihr um 4 Jahre jüngerer Gemahl war keine glänzende Erscheinung."

Am Zustandekommen dieser Ehe war kein Geringerer als der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg beteiligt, der wegen seiner westlichen Besitzungen (Minden-Ravensberg, Jülich, Kleve, Berg) auf eine engere Verbindung mit dem protestantischen Lippe großen Wert legte. Amaliens Vater, Christian Albrecht von Dohna, gehörte zur nächsten Umgebung des Kurfürsten und war der einflußreichste Mann am Berliner Hofe. Amalie brachte als Mitgift u.a. die holländischen Herrschaften Vianen und Ameiden, sowie mehrere andere Besitzungen in den Niederlanden mit in die Ehe und damit in lippischen Besitz. Schon ihr Enkel hat allen holländischen Besitz wieder abgestoßen. Aber das Wappen von Vianen und Ameiden, das Simon Henrich in das lippische Wappen als gevierten Mittelschild mit aufnahm, blieb seitdem im gräflichen und fürstlichen Wappen. Es zeigt 3 Reihen schwarzes / Wolkenfeh auf Goldgrund und 3 schwarze geknotete Schnüre in X - Form auf Silber. Das schöne Dohnasche Wappen, das nach dem Tode Simon Henrichs aus dem lippischen Wappen wieder verschwunden ist, zeigt auf blauem Grund 2 weiße gekreuzte Hirschgeweihe und auf Goldgrund einen springenden roten Löwen unter einem schwarzen Turnierkragen. Nehmen wir dazu das bekannte lippische Wappen mit der roten Rose im Silberfeld, mit Stern und Schwalbe im roten Feld und dazu die Grafenkrone und den goldenen Oelzweig, so können wir uns einen Begriff machen von der bunten Pracht des Prospekts.

Es bleibt noch die Frage: Wie kommt das gräfliche Wappen gerade in der Kirche der damals noch kleinen Gemeinde Oerlinghausen? Die Anwort finden wir in verschiedenen Akten des Landesarchivs.

Als Stifterin der großen Orgel gilt die Gräfin Amalie. Sie war oft und gern in Oerlinghausen und wohnte in dem weiträumigen neuen Schlosse des gleichfalls prachtliebenden Landvogts Hermann Adolf Bracht.

Sie weilte dort wochenlang zur Jagd in den umliegenden Wäldern, oder auf ihren häufigen Reisen zu ihren holländischen Besitzungen, oder bei kurzen Ausflügen zur nahen Sparrenburg, wenn gerade der Brandenburger in seinem "Linnenländchen” weilte, dann ging es im Brachtschen Schlosse hoch her. Der Landvogt hatte ihr zuliebe gegen den Willen des Pfarrers sogar eine "gräfliche Prieche" in die Kirche bauen lassen. Der obstinate Pfarrer ging bald darauf in den Ruhestand. Sein Nachfolger wußte die häufige Anwesenheit der Gräfin besser auszunutzen. Er erhielt 1687 die Zusicherung für den Bau einer Orgel. Später stellte sich allerdings heraus, daß die von Amalie gespendete Summe für die Fertigstellung des Spielwerks nicht reichte. Durch Kollekten und "Stiftungen" des Landvogts und der umliegenden Meierhöfe und Kolonate wurde im Laufe von 10 Jahren endlich die fehlende Summe zusammengebracht.

gez.: Reuter.