Die katholische Kapelle

 

Schon vor dem Weltkriege hat es hier einige katholische Familien gegeben. Sie traten aber in Bezug auf ihre Kultur nie in Erscheinung. Nach 1918 aber ist eine nicht unerhebliche Vermehrung der Katholiken in Oerlinghausen zu beobachten. In Oerlinghausen lag während des Krieges das Ersatz - Batallion des Königs - Infanterie - Regiments Nr.145, das seinen Ersatz zum großen Teil aus katholischen Gegenden Deutschlands bezog. Mehrere Angehörige dieses Regiments haben sich in Oerlinghausen verheiratet, oder Verheiratete haben sich als Gewerbetreibende hier niedergelassen. Eine weitere Ursache für die Vermehrung der Katholiken in Oerlinghausen ist darin zu erblicken, daß die Bevölkerung an sich nicht mehr so seßhaft ist wie früher. Arbeiter aus Industrie und Landwirtschaft ziehen dorthin, wo ihnen Erwerbsmöglichkeit geboten wird.

So ist hier eine kleine katholische Diaspora - Gemeinde entstanden, die bald den Wunsch hegte, ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, um nicht mehr auf die weiten Wege nach Lage oder Stukenbrock angewiesen zu sein. Vor allem war es der Maschinenmeister der im benachbarten Währentrup gelegenen Rekord - Zement - Industrie, Josef Wörner, der zunächst auf den Zusammenschluß der Katholiken hiesiger Gegend hinarbeitete und dann den katholischen Kirchenbau - Verein in Oerlinghausen ins Leben rief. Wörner kaufte von dem Möbelfabrikanten Wilhelm Bobe ein Grundstück in der Steinbruchstraße, das er für den Bau einer Kapelle zur Verfügung stellte. Trotz Wirren der Inflationszeit gelang es dem Eifer der Sammelnden, im Laufe der Zeit genügend Mittel zu erhalten, sodaß 1921 dem Bau näher getreten wurde. Inzwischen hielten die Katholiken hier ihren Gottesdienst unter denkbar ungünstigen Umständen ab, zuerst in einem Klassenzimmer der Volksschule [Fußnote: Am 1. Mai 1921 zuerst.], dann in dem Möbellager der Firma Müller & im Hotel "Stadt Bremen" (jetzt Rathaus Cafe). Als dies Lager einging, fand der Gottesdienst in der Scheune der Frau Seiff, Hauptstraße 38, statt. Dann wurde das Wohnzimmer von Fräulein Bertha Nüschen, Detmolder Straße Nr.45 dafür hergerichtet. Bis dann endlich die Kapelle so weit fertiggestellt war, daß sie im Dezember 1923 durch den Franziskanerpater Balduin aus Paderborn geweiht werden konnte.

Josef Wörner hat die Fertigstellung des von ihm begonnenen Werkes nicht mehr erlebt. Er starb im Alter von 64 Jahren am 22. Juni 1922 in Oerlinghausen. Seine Witwe setzte mit gleichem Eifer die Sammelarbeit fort, tatkräftig unterstützt von Frau Heinrich Ricke, Hauptstraße 74, von Fabrikant F. Luce in Bielefeld (Johannisberg) und vielen anderen Gönnern.

Die Maurerarbeiten erhielt Maurermeister Fritz Silbermann in Oerlinghausen übertragen, die Tischlerarbeiten der Tischlermeister Ökenpöhler in Stukenbrock, die Schlosserarbeiten der Schlossermeister Friedrich Grote in Oerlinghausen. Die Dachdeckerarbeiten besorgte Stephan Kroll, hierselbst.

Ihr eigenartiges, hohes Gepräge erhielt die Kapelle durch das Künstler - Ehepaar Berthold Müller und Jenny Müller - Wigmann, jetzt in Berlin. Berthold Müller ist ein Oerlinghauser Kind, Sohn des Kommerzienrats Bruno Müller und dessen Ehefrau Alwine, geborene Weber.

Die Kapelle ist dem heiligen Antonius geweiht, im Hinblick auf die Ruine der Hünenkapelle auf dem Tönsberge. Demgemäß brachte Berthold Müller die Figur des Hl. Antonius über dem Eingang der Kapelle an. Der Hl. Antonius ist ihr Schutzpatron. Im Innern finden wir zartgetönte Fresko - Bilder: In der Mitte Maria mit dem Christuskinde, von Jenny Müller's Meisterhand, die auch die linke Seitenfigur, den heiligen Benedictus geformt hat, während die rechte Seitenfigur, der heil. Franziskus, von Berthold M. stammt. Die Bildwerke stehen meines Erachtens auf hoher künstlerischer Stufe. Auch die Bildhauerarbeit der schönen Eichentür ist von dem Ehepaar Berthold Müller gemacht.

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die katholische Gemeinde seelenhirtlich von den Franziskanern in Paderborn versorgt wird, die hier z.Zt. alle 14 Tage Gottesdienst abhalten. Im übrigen gehört die Gemeinde zum Pfarramt Lage (Lippe).