Aus der Geschichte unseres Heimatmuseums

 

Träger des Museumsgedankens war seit 1924 der Verein für Natur- und Heimatkunde. Den Grundstock einer wertvollen Sammlung von wichtigen Dingen bildete die sogenannte Möhlmann-Maschesche Stiftung. Diese wurde zunächst in einem kleinen Schränkchen des früheren Geflügelzuchtvereins in der Gastwirtschaft Nagel untergebracht. Der Schriftführer des Vereins spornte immer wieder zu neun Sammlungen an. Schon am 12. Mai war der erwähnte Schrank bis obenhin mit alten heimatlichen Gegenständen gefüllt. Ein Vereinsmitglied bot einen alten Bücherschrank zum Kauf an. Da dieser aber nicht groß genug erschien, beschloß man in einer Generalversammlung am 21. Juli 1924, einen großen Vereinsschrank anzuschaffen. „Die Mittel dazu hofft man aus einem öffentlichen Vortrag des Herrn R. Bielefeld am 18. August zu bekommen. “ (Die Gelder langten aber bei weitem nicht.) In der Sitzung vom 24. August wird laut Protokoll Herr D. beauftragt, „bei einem Tischlermeister den Vereinsschrank in Auftrag zu geben. Die Höhe soll 2,20 Meter, die Breite 3,70 Meter betragen.“ Am 7. September erfährt man, daß der Schrank etwa 300 Mark kosten würde. Schon am 27. Dezember konnte der Schrank vom Vorsitzenden dem Verein übergeben werden. Es waren inzwischen so viel Sachen eingegangen, daß der neue Schrank beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Schrank kostete 405,95 Mark. Damit dieser bezahlt werden konnte, gab der Verein für 171 Mark Schuldscheine an Mitglieder aus. — Am 6. Februar 1928 ist der Schrank bereits wieder so angefüllt, daß man Zwischenfächer anbringen läßt. Man spricht schon von einem zu schaffenden „Stadtmuseum“. Mitglied D. tritt bereits an den damaligen Bürgermeister zwecks Bereitstellung mehrerer Räume für „ein Heimatmuseum“ heran. Auch der Bürgermeister hatte sich mit diesem Gedanken befaßt. Es wurde davon gesprochen, daß vielleicht später einmal das Blankesche Haus, Pfarrstraße, für diesen Zweck in Frage kommen könne. Inzwischen wurde eifrig weitergesammelt. Da die Wohnungsnot noch anhielt, konnte an eine Verwirklichung dieser Idee nicht gedacht werden. Der Vereinsschrank war bald nicht mehr in der Lage, alle Gegenstände aufzunehmen. Der Schriftführer bewahrte sie in seiner Privatwohnung auf, ein Teil wurde auch auf dem Schulboden untergebracht. — Im Oktober 1931 machte der Bürgermeister Reuter den Vorschlag, es sei vielleicht möglich, später das Museum im Hause Tönsbergstraße 3 unterzubringen, nur müsse die Wohnungsnot erst behoben sein! Wir waren ein gutes Stück vorangekommen. Am 26. Oktober 1931 erklärt in einer Sitzung der Schriftführer D., „daß die in der Schule untergebrachten Gegenstände selbstverständlich Eigentum des Heimatmuseums blieben.“ — Nach dem Ableben des letzten Oerlinghauser Handwebers, Friedrich Blanke, erwarb der Stadtrat von den Erben des B. den Webstuhl zum Preise von 20 Mark. Der Schulvorstand genehmigte die Unterbringung des Webstuhles auf dem Schulboden. (Oktober 1931.) Immer neue Hinweise im „Oerlinghauser Anzeiger“ auf das Heimatmuseum und gelegentliche Besuche bei Oerlinghauser Bürgern halfen zum weiteren Ausbau desselben mit. Die Katalogkarten erbat sich der Verfasser vom Bürgermeister Reuter und das Katalogbuch vom „Oerlinghauser Anzeiger“. Ende 1932 hatte D. auf dem Schulboden nicht weniger als 137 Gegenstände untergebracht. Hinzu kamen alle die Schätze des Vereinsschrankes und diejenigen die noch in der Privatwohnung des Verfassers in Kisten und Kästen aufgespeichert lagen. — Im Jahre 1933 zogen Nationalsozialisten in den Schulvorstand ein, die den Bestrebungen des Verfassers volles Verständnis entgegenbrachten. Der Schulvorstand beschloß die Instandsetzung eines Raumes und überließ die weitere Ausgestaltung dem Verfasser. In 6 Monaten, von Mai bis Ende Oktober, war der Raum zu einem Schul- und Heimatmuseum eingerichtet. Die Einweihung fand am 14. November 1933 statt.

Zu dieser Feier waren alle die bisherigen Spender für das Museum eingeladen. Rund 60 Personen fanden sich ein. Als Vertreter der Landesregierung war Kreisrektor Grote, Detmold, anwesend, ferner waren da Rektor Busch, Helpup, der Vorsitzende des Schulvorstandes, A. Kespohl, Bürgermeister Möller mit den Stadträten, der Vorsitzende des Vereins für Natur-und Heimatkunde, der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins usw. Nach den üblichen Begrüßungsworten des Gründers dieses ersten Schulmuseums sprachen die Vertreter der einzelnen Organisationen dem Schöpfer den Dank für das geschaffene Werk aus. Der Stadtrat überreichte Pg. D. ein schönes Bild vom Führer und Reichskanzler, der Schulvorstand einen Kupferstich vom Hermannsdenkmal, der Heimatdichter Karl Steinmeyer ein nettes Gedichtchen, der Verkehrsverein die Summe von 50 RM. zum weiteren Ausbau des Museums. Daran schloß sich eine Besichtigung des über 400 Teile enthaltenden Museums. Den Abschluß dieser schönen Feier bildete eine gemeinsame Kaffeetafel. — Der „Oerlinghauser Anzeiger“, der dieser Feier am nächsten Tage drei Spalten widmete, schloß mit den Worten: „Möge dieses Museum ein Ansporn sein zu weiterer intensiver Sammlung. Möge das Museum auch reichen Segen ausströmen auf alle Generationen der kommenden Zeit.“ Mit ähnlichen Worten schloß auch der Bericht der „Staatszeitung“ am 16. November 1933. Die Wünsche beider Zeitungen sind in der folgenden Zeit in Erfüllung gegangen. Rund 1800 Menschen sind bis September 1934 Besucher des Museums gewesen. Unter den Besuchern finden wir am 13. Mai 1934 den Staatsminister Riecke, am 14. Juni 1934 den Landesschulrat Wollenhaupt, am 14. November 1933 den Kreisrektor Grote, den Bezirksrektor Busch, den Schulvorstand, den Bürgermeister mit Stadtrat, Sturmführer Heumann, den Major a. D. von Lentzcke, 57 Oerlinghauser Volksgenossen, dann in der folgenden Zeit Studienräte, Professoren aus ganz Deutschland, Ortsgruppen des NSLB., Schulungslager, Landschulheime, sozialpädagogische Seminare, Geländesportlehrgänge, Gymnasien, Oberrealschulen, Lehrgänge des Volksbildungswerkes, Volksschulen usw. — Immer mehr Gegenstände wurden herbeigeschafft, so daß schließlich kein Bein mehr loszubekommen war und die Besichtigungen aufhören mußten. — Wir wollen nicht vergessen, daß auch der Reichssender Köln unserm Museum einen Besuch abstattete.

Bürgermeister und Stadtrat überzeugten sich, daß ein größerer Raum von seiten der Stadt jetzt unbedingt für das Heimatmuseum bereitgestellt werden müsse. Man ging recht bald zur Tat über und stellte das Haus Tönsbergstraße 3 zur Verfügung. Anfang Juli waren sämtliche Wohnungen in dem Hause geräumt. Nachdem die wichtigsten Reparaturen im Hause beendet und das Gebäude mit einem schönen Außenputz versehen war, konnte der Umzug von der Schule zum neun Heim durchgeführt werden. Zum Leiter des Heimatmuseums wurde vom Bürgermeister der Verfasser ernannt. Hauswart wurde Aug. Brinkmann. Im Winterhalbjahre 1935/36 wurde der Aufbau des Museums durchgeführt. Schon der Vorplatz beweist, daß ganze Arbeit geleistet worden ist. Soweit sich beim Schreiben dieser Zeilen übersehen läßt, macht schon der Treppenaufgang und der freie Platz einen einladenden Eindruck. Die grauen Mauern werden in ewigen Jahren von Efeu überwuchert sein. Eine alte, von Meisterhand verfertigte und uns geschenkte große Lampe, links am Hause, wird den Eingang in der Dunkelheit erhellen. Wir treten auf den Vorplatz! Ein alter Bekannter, die alte Dorfslampe, entbietet uns den Gruß, links von uns der alte Hopfenbottich der Brauerei, davor steinerne Bänke, zur Ruhe einladend.

Links wieder davon die alte Dorfspumpe vom Gehrenberg. Am Hange selbst, rechter Hand, ist für die Zukunft ein botanischer Garten vorgesehen, vielleicht auch eine Voliere für unsere gefiederte Welt! — Wir treten ein ins Museum. Die Wände des langen Hausflures find mit allerlei Geweihen und Gehörnen, alles Stiftungen von Oerlinghauser, geschmückt. Zimmer 1 zeigt uns Geräte und Werkzeuge sowie die Wohnung der ersten Menschen von Oerlinghausen. Zimmer 2 macht uns bekannt mit unseren Vorfahren von der jüngeren Steinzeit (4000 vor Christi Geburt bis zur Zeit des Frankenkaisers Karl). Zimmer 3 stellt die älteste Hausweberei dar. Im Nebenzimmer sehen wir die moderne Weberei Oerlinghausens. Zimmer 5 ist das Waffenzimmer, das in erster Linie unsern alten Soldaten und auch unserer Jugend Freude machen wird. Zimmer 6 ist der Geologie, der Münzensammlung, der Schützengesellschaft, der Schmetterlingskunde und der Vogelwelt gewidmet. Das nächstfolgende Zimmer stellt eine Wohnküche vor 200 Jahren dar. Im Nebenzimmer (8) ist ein 100 Jahre altes Schlafgemach zu sehen. Zimmer 9 wird wahrscheinlich eine alte Oerlinghauser Hausfärberei aufnehmen, und das letzte Zimmer (10) ist den Verstorbenen geweiht. — Mehr kann aus begreiflichen Gründen im Rahmen dieser Schrift über die Einrichtung des Museums noch nicht gesagt werden, da ich noch mitten in der Aufbauarbeit stehe. Aber schön wird's werden, und alle Oerlinghauser werden daran ihre helle Freude haben! — Zu diesem Heimatmuseum kommt dann noch das unter Leitung von Professor Reinerth wiederaufgebaute Freilichtmuseum am Barkhauser Berge. Beide gehören zusammen, und keins ist von dem andern zu trennen. Wer das Heimatmuseum besichtigt, muß auch die wiedererstandene Siedlung am Barkhauser Berge aufsuchen, und umgekehrt. Beide ergänzen sich einander!