Übelstände - Wasserleitung und Straßenbeleuchtung
Lippische Landeszeitung Nr. 277 vom 26. November 1883
Oerlinghausen 22. November. (Hiesige Übelstände.) es bestehen in unserem Orte so manche Übelstände, dass es sich wohl verlohnt, auf einige derselben näher einzugehen, vielleicht entschließt man sich an maßgebender Stelle den Wünschen der Einwohner Oerlinghausens in etwas entgegenzukommen. Da ist zunächst unser Schmerzenskind, die Wasserleitung!
Was da früher alles gesündigt ist, möge unerörtert bleiben das aber ist Tatsache, das seit ca. 1/2 (wir glauben seit Legung der eisernen Rohre) dass der Posthalterei gegenüberliegende Abflussrohr derartig defekt ist, dass bei dem geringsten Wasserdruck ein Strahl Wasser hervorplätschert, der dann vom Winde hin und hergetrieben die Umgebung des Abflussrohres in eine Pfütze verwandelt. Wir glauben, dass ein Schlosser oder Klempner imstande ist, den belegten Übelstand in Zeit von 10 Minuten zu beseitigen. Hinsichtlich der Straßenbeleuchtung erfreut sich Oerlinghausen der segensreichen Einrichtung, dass das Anzünden der Laternen sich nicht nach Bedürfnis, sondern nach dem Kalender richtet, oder mit anderen Worten: wenn Mondschein im Kalender steht - mag es bei Nebel, Regen etc. so dunkel sein, wie es will - so werden die Laternen nicht angezündet; das scheint uns eine übel angebrachte Sparsamkeit zu sein. Wenn wir nun zum Schluss noch den Wunsch aussprechen, es möge in Zukunft in Bezug auf Straßenreinigung ein strengeres Regiment, wie bisher Platz greifen, so glauben wir, dass wir mit unseren Wünschen nicht alleine stehen.
Das die chaussierte Strecke mittelst Kratzeisen gereinigt ist, erkennen wir dankbar an, die Straße am entgegengesetzten Ende Oerlinghausens wird aber entschieden stiefmütterlich behandelt.