Brunnenprobleme spielten selbst bei der 48er Revolution eine Rolle
Vor 75 Jahren machte Oerlinghausens Wasserwerk der Not ein Ende - Zuletzt grub einer dem anderen das Wasser ab
[Bild: Bau des ersten Wasserbehälters auf dem Oerlinghauser Tönsberg oberhalb der Jugendherberge im Jahr 1911. Foto. Archiv Soll]
Oerlinghausen. Hoch oben am Berge, wo unser Dorf lag, herrschte seit eh und je Wasserknappheit Tiefer in den Tätern trat hier und da schon mal eine Quelle ans Tageslicht, wie in der Schopke (Wasserwerkswiese), in der Hellkuhle und auf der Schulwiese (am Postweg). Diese drei Stellen tagen weitab vom Dorfe, und ein Teil der Dorfbewohner hatten an diesen Quellen ganz alte Rechte zum Waschen und Spülen ihrer Wäsche und zum Bleichen ihrer Leinewand.
Andere Quellen außerhalb des Dorfes wurden als Flachsrotten benutzt, so im Welschen und in der Lander. An der Quelle beim heutigen Hedwigsheim errichtete man schon um 1860 ein Kaltwasserbad.
Das alles war rund ums Dorf. Und wie sah es im Dorfe selbst aus? Aller Regen floß schnell ab, oft zu schnell alles mit sich fortreißend. Es war nicht genug Wasser, was sich in den Brunnen sammelte. Immer neue Brunnen wurden gebaut, und zuletzt grub der eine dem anderen das Wasser ab. Wieviel Brände hätten gelöscht werden können, wenn man nur genug Wasser gehabt hätte. Sogar bei der Revolution 1848 ging es noch um die Auswirkungen einer Brunnengeschichte des alten Dorfsvorstandes, gegen den sich die „Wut des Volkes“ richtete. Aber um diese Zeit faßte der neue Dorfsvorstand den Beschluß, eine Holzröhren-Wasserleitung vom Kalderberg bis zum Simonsplatz zu bauen. Diese Leitung hat trotz vieler Reparaturen lange Jahre bestanden. Die Pumpe am Simonsplatz wurde bis 1911 aus ihr gespeist.
1899 befaßte sich dann der Dorfvorstand zum ersten Male mit dem Bau eines Wasserwerkes. Der Antrag wurde wegen fehlender Mittel zurückgestellt. 1908 war es aber soweit. Am 6. Januar wird der Bau beschlossen, und am 29. Dezember 1911 erhält die Firma Scheven in Düsseldorf den Auftrag, das Wasserwerk zu dem Preis ihres Angebotes von 97242 Mark zu bauen. Schon am 19.8.1912 bittet die Firma Scheven um Abnahme des Wasserwerkes. Nun war die schreckliche Wassernot des trockenen Sommers 1911 schnell vergessen.
Wir, die heute beim Kochen und Waschen usw. unseren Wasserhahn nur schwenken brauchen, sollten etwas an dieses Jubiläum denken und an die, welche vor 75 Jahren den Mut hatten, dieses Wasserwerk zu bauen.
Fritz Soll