Auszüge dem Protokollbuch der Dorfschaft Oerlinghausen 1892-1907

betreffend dem Elektrizitätswerk, Fritz Soll jun. - Aug. 1991

 

21. Nov. 1898

Herr Carl Paradies hält einen längeren Vortrag über Anlage eines Wasserwerkes in Verbindung mit einem Elektrizitätswerkes.

Zur Vorprüfung dieser Angelegenheit wird eine Commission gewählt bestehend aus den Herren Weber, Teilmann, Grote, Hölter.

2. Nov. 1900

Ferner war Herr Vorster aus Hagen anwesend wegen einer Zentrale für Azetylengas und gab die Erklärung ab, daß er sich mit einer Elektrizitätsgesellschaft die Beleuchtung von Oerlinghausen nicht teilen könne.

Her Vorster wurde alsdann noch das für die Zentrale in Aussicht genommene Grundstück in der Kuhtrift vorgezeigt und dann die Beleuchtungsfrage wieder vertagt.

23. Jan. 1901

Es liegt ein Schreiben der Hagener Azetylenwerke vor, das eine Einsendung abgeänderter Kontrakte in Aussicht stellt. Dieselben sind aber noch nicht eingetroffen, was nach Hagen berichtet werden soll.

Ferner wünscht die Firma Isaac Meyer & Lindemeyer hier eine Erlaubnis zur Benutzung der Straßen für Anlegung einer Elektrizitätszentrale und Übernahme einer Hypothek auf das demnächstige Elektr. Werk.

Herr Joe Meyer befürwortet diesen Antrag persönlich.

Der Gemeindeausschuß stellt sich beiden Projekten Projekten wohlwollend gegenüber, will aber erst weitere Entwicklung abwarten.

27. Feb. 1901

Es liegt ein Gesuch der Firma Isaac Meyer & Lindemeyer an Fürstliches Verw. Amt vor, dahingehend ihr bei Fürstlicher Regierung die Benutzung der Regierungs- und Kommunalstraßen vom Bahnhof Oerlinghausen nach dem Orte Oerlinghausen und von da nach Lage bzw. Oetenhausen zur Anlage von elektrischen Beleuchtungsanlagen auszuwirken.

Der Ortsausschuß beschließt dem Verwaltungsamt auf die Anfrage, ob die Gemeindevertretung irgendwelche Bedenken oder Einwendungen gegen das vorstehende Gesuch zu machen habe, zu antworten, daß die Gründung einer Elektrischen .Anlage für Beleuchtungs- und Betriebszwecke für die Ortschaft wohl von großem Interesse sein könnte, daß die Firma Isaac Meyer & Lindemeyer jedoch dem Ortsausschuß nicht die nötige Gewähr bietet für die Ausführung der in genannten Gesuche angegebenen Anlagen.

1. März 1901

1.)        Die Anlage irgendwelcher Gaswerke für gleiche Zwecke kann nicht gehemmt werden.

2.)        Die Anlage von elektrischen Privatpersonen in Oer1inghausen von eigenen Fabrikwerken zu eigenem Gebrauch muß jederzeit gestattet werden.

3.)        Sollte sich eine Firma finden, welche eine elektrische Bahn anlegen will, sei es von einer anderen Stadt, Orte oder einem Bahnhofe nach oder durch Oerlinghausen, so haben die Firmen Meyer, Kummer das Vorrecht zum Baue einer solchen Bahn, müssen sich aber innerhalb 3 Monaten über die Bauausführung innerhalb einer von der Fürstl. Regierung zu bestimmenden Zeit erklären, widrigenfalls das Alleinrecht zur Benutzung der Dorfsstraßen für elektrische Leitungen durch genannte Firmen erlischt.

4.)        Nachsuchende Firmen müssen sich verpflichten die geplanten Bauten und Anlagen innerhalb 2 Jahren vollendet und in Betrieb zu haben.

5.)        Die nachgesuchte Konzession zur Benutzung der Dorfsstraßen wird den nachsuchenden Firmen auf fünfundzwanzig Jahre ertheilt.

12. Juni 1901

T.O. Antrag Joe Meyer, der künftigen elektr. Ges. Oerlinghausen m.b.H. ein ersthypothek […..] 4½ % Darlehn von M 25000 zuzusagen, falls ein 5% Reingewinn der Anlage in 5 aufeinanderfolgenden Jahren nachgewiesen wird.

Es wird beschlossen: Der sich bildenden Elektrizitätsgesellschaft m.b.H. in Oerlinghausen soll eine erstmalige Hypothek von M 25000 .- zu ½ % höherem Zinsfüße zugesagt werden als die Dorfschaft das Geld verleihen kann, und zwar für den Zeitpunkt, wo dem Orte ein 5 %iger jährlicher Reingewinn der ganzen Anlage außer den ordentlichen üblichen Abschreibungen in fünf aufeinanderfolgenden Jahren nachgewiesen wird.

Zugleich wird dem Orte das Recht Vorbehalten, zu diesem Zeitpunkte mit vorstehendem Kapitale statt der ersten Hypothek als Teilhaber in die Gesellschaft m.b.H. einzutreten. Die Prüfung der Bilanzen bleibt dem Ortsausschüße event. unter Zuziehung von Sachverständigen vorbehalten.

27. Juli 1901

Erteilung der Concession an die Firma Isaac Meyer & Lindemeyer, Anlage eines Elektrizitätswerkes betreffend.

Nach Zurückziehung der Concession, welche der Firma Isaac Meyer & Lindemeyer in Verbindung mit der Firma Kummer & Co. ertheilt war, ersucht die Firma Isaac Meyer & Lindemeyer um eine Neukonzession unter Vorlegung eines Contraktentwurfes. Letzteres wird verlesen.

Es wird beschlossen den Contraktentwurf durch eine Commission, bestehend aus den Herren Reuter, Teilmann, Grote, Weber prüfen zu lassen. Die Commission soll innerhalb 8 Tagen Bericht erstatten.

1. Aug. 1901

Tagesordnung : Vorlage eines Kontraktentwurf es für die Anlage eines Elektrizitätswerkes in Oerlinghausen.

 

Die in voriger Sitzung gewählte Kommission hat einen Entwurf ausgearbeitet und in der heutigen Sitzung vorgelesen.

Es wird beschlossen was folgt:

Auf Basis des vorgelegten Konzessions-Vertrags-Entwurfes, ertheilt der Dorfsgemeinde-Ausschuß der Firma Isaac Meyer & Lindemeyer oder aber der G.m.b.H., welche von genannter Firma ins Leben gerufen werden wird, die Erlaubnis zur Errichtung eines Elektrizitätswerkes.

Da sich die Firma Isaac Meyer & Lindemeyer noch nicht fest darüber erklärt hat, welche Fabrik für elektrische Anlagen die Bauausführung übertragen werden soll, so muß dieses baldmöglichst nachgeholt werden und unterliegt ebenfalls der Genehmigung des Dorfsgemeinde Ausschusses.

Eine genaue Abschrift des Entwurfes wird den Akten der Dorfsgemeinde einverleibt.

29. Aug. 1901

1.) Konzessionsvertrag zwischen der Gemeinde Oerlinghausen und dem Elektrizitätswerke Oerlinghausen G.m.b.H.

Als Bauausführende Firma wird Gebr. Körting in Hannover genehmigt. Der Vertrag wird in der von der Kommission in Gemeinschaft mit dem Elektr. Werke festgestellten Form genehmigt.

17. Sept. 1901

Elektrische Beleuchtung der Dorfstraßen.

Es wird beschlossen, dem elektr. Werke M 1200 Pauschquantum für jährliche elektr. Straßenbeleuchtung einschl. Installation etc. für 46 Abend- und 4 Nachtlampen von 25 Kerzenstärken zu bieten, spätere Mehreinrichtung im Verhältnis. Außerdem soll Aufstellung der Masten und Anbringung der Straßenlaternen an den Häusern nur in Einverständnis mit der Elektr. Kommission (Herren Reuter, Tellmann, Grote und Weber) erfolgen.

14. Okt. 1901

2.) Beleuchtung der Ortsstraßen und -Wege durch das Elektrizitätswerk Oerlinghausen.

Es wird beschlossen, daß die Ortsstraßen seitens des Elektrizitätswerkes Oerlinghausen durch 43 Lampen, welche bis 11 Uhr Abends und 4 Lampen, welche die Nacht hindurch weiterbrennen (jede Lampe zu 25 Normalkerzenstärke) beleuchtet werden sollen zu dem geforderten Preise von M. 1378 .- = Tausenddreihundertachtundsiebzig M. mit der Bedingung, daß die entlegenen Nebenstraßen (Welschen, Steinbült) in Zukunft durch die überflüssig werdenden Petroleumlampen beleuchtet werden sollen.

3.) Ertheilung einer Konzession zur Anlage einer Wasserleitung für die Ortschaft an das Elektrizitätswerk Oerlinghausen.

Es wird beschlossen: Der Ortsgemeindeausschuß ist gewillt der Anlage eines Wasserwerkes grundsätzlich näherzutreten und dem Elektrizitätswerke die Vorkonzession zur Vornahme der Vorarbeiten auf die Dauer eines Jahres zu erteilen. Der definitive Konzessionsvertrag für die Ausführung unterliegt späterer Vereinbarung.

Dem Elektrizitätswerke werden falls dieses Werk die Ausführung unternimmt, M 25000 . - = fünfundzwanzigtausend Mark, auf erste Hypothek in sichere Aussicht gestellt und zwar zu demselben Zinsfüße, welchen die Ortschaft für das Kapital von M 25000 ,- zu zahlen haben wird.

8. Jan. 1902

2.) Petition der Bewohner der Detmolderstr. um mehr Licht wird abgelehnt.

3.) Petition der Anwohner des Steinbült, betr. Aufstellung von mehr Petroleumlaternen soll in etwa berücksichtigt werden. Die Lichtkommission wird das Erfordernis prüfen und das Notwendige veranlassen.

6b.) Antrag Weber eine Vereinbarung Seitens des Ortsvorstandes mit dem Elektrizitätswerke zu treffen, daß in Brandfällen die Ortslaternen angezündet werden. Die Kosten dafür sind von der Feuerwehr der Brandkasse in Rechnung zu stellen.

27. Juni 1902

5.) Eingabe der Firma Isaac Meyer &, Lindemeyer, Anlage einer Elektrischen Bahn vom demnächstigen Bahnhofe Oerlinghausen nach dem Dorfe und durch die Hauptstraßen betr.

Die genannte Firma gibt durch Herrn Joe Meyer verschiedene Unterlagen betr. die Anlagekosten und der voraussichtlichen Einnahmen der Bahnanlage zur Kenntnis, welche vom Ortsausschuß mit Interesse entgegengenommen werden, eine Beschlußfassung in dieser Angelegenheit wird, weil zu neu, auf 8 Tage hinausgeschoben.

4. Juli 1902

Erledigung des Punktes 5.) der T.O. vom 27. Juni:

Es wird folgende Resolution gefaßt:

Der Ortsgemeindeausschuß steht dem Baue einer Elektrischen Bahn von dem Bahnhofe nach dem Orte Oerlinghausen durchaus wohlwollend gegenüber, ist auch wohlgeneigt diese Sache später finanziell als für die Entwicklung des Ortes sehr wünschenswerth zu unterstützen.

Weil solche gleislose Bahnen heute noch sehr neu sind, so will der Gemeindeausschuß einstweilen deren Entwicklung weiter abwarten und später eine oder mehrere derartige Anlagen durch eine Abordnung an Ort und Stelle besichtigen und näher untersuchen lassen.

12. Sept. 1902

4.) Veränderung an der Straßenbeleuchtung: Der Antrag der Kommission, 2 Straßenlampen auszuschalten und dafür 3 andere einzuschalten (die dritte als letzte fehlende 47ste) wird nach den vorliegenden Vorschlägen der Kommission angenommen. Die Umänderung soll in Gegenwart der Kommission angeordnet bzw. vorgenommen werden. Aus der Kommission treten Herr Tellmann und Herr Grote aus und dafür die Herren Holzkamp und Asemissen ein.

5.) Elektr. Liftanlage in der Fortbildungsschule: wird einstweilen vertagt.

6a.) Anfrage des Fürstl. Verwaltungsamtes über die Stellung des Ortes zum Projekt der Elektr. Straßenbahn: soll im Sinne des wohlwollenden Beschlusses letzter Sitzung beantwortet werden.

18. Okt. 1905

2.) Elektrische Beleuchtung der Fortbildungsschule: Es liegt ein Kostenanschlag über eine elektrische Anlage in Höhe von ca. M 200,35 vor. Die Anlage wird genehmigt.

12. Feb. 1906

4d.) Beleuchtung an verschiedenen Plätzen: wird bis zum Herbst vertagt.