Wie kam das Ehrenmal der 145er auf den Tönsberg

 

Die folgende Zusammenstellung habe ich der Akte über das Denkmal der 145er entnommen. Die Aufzeichnungen reichen bis zum 5. Januar 1926. Es lagen ursprünglich zwei Entwürfe zum Denkmal vor, und zwar ein Entwurf, der auf der Tönsberghöhe das Denkmal eines „Königstigers“ vorsah, und dann der zweite, der in etwa zur Ausführung gelangt ist. Am 2. Februar 1930 beschließt der Verband der Vereine ehemaliger Kameraden vom K.I.R. 145 in Barmen: „Das übereinstimmende Urteil der Jury und der beiden Gutachter geht dahin, daß der Entwurf Damman „Königstiger“ unter allen Umständen ungeeignet sei. Die Kommission schlägt für die weitere Durchführung folgende Punkte zur Beachtung vor:

1.         Die Umleitung des Verkehrs durch Verlegung des Höhenweges auf der Südseite.

2.         Schaffung eines Plateaus als Weihebezirk.

3.         Schaffung einer raumbildenden Architektur innerhalb des Bezirks um die besondere      Plastik herum.

4.         Errichtung einer Plastik als Totenmal im Inneren dieses Raumes.

5.         Nach Möglichkeit Beschränkung auf einen Zugang zu diesem geheiligten Bezirk.

Bezüglich der Plastik findet der Vorschlag des Künstlers (Berthold Müller, d. Vers.), der liegenden Figur über dem Sarkophag in strenger Formung die einstimmige Zustimmung der Kommission. Herr Müller wird dann mit der weiteren Bearbeitung des Projektes betraut, und dieser setzt sich gleich mit Baurat Streich, Bielefeld, in Verbindung. — Es schien so, als ob nun alles in bester Ordnung sei und mit der Ausführung des Denkmals recht bald begonnen werden würde. Aber, wie immer, so stieß man recht bald auf Schwierigkeiten. In einem Schreiben an den Bürgermeister Reuter redet man „die unerfreuliche Zuspitzung der Denkmalsangelegenheit, die zum großen Teil verursacht wurde durch das ewige Hin und Her einiger Vereine in der Behandlung der von ihren Vertretern gefaßten Beschlüsse usw. “ Unter andern reicht Berlin den Antrag ein: „Die Versammlung am 9. März dieses Jahres möge beschließen, sämtliche Beziehungen zur Gemeinde Oerlinghausen in der Denkmalsangelegenheit ungesäumt abzubrechen und wegen Auswahl eines anderen Standortes erneut mit den dem Verbande angeschlossenen Vereinen in Verbindung zu treten.“ Schwere Sorgen kamen über Oerlinghausen und seinen Bürgermeister, der sich schon seit 3 Jahren für die Erbauung des Denkmals auf dem Tönsberg eingesetzt hatte.

Oerlinghausen hat nichts unversucht gelassen, das Ehrenmal der 145er nach hier zu bekommen. Schon am 9. Oktober 1927 konnte Bürgermeister Reuter in Duisburg mitteilen, daß die Stadtverordneten beschlossen hätten, für das auf dem Tönsberg in Oerlinghausen zu errichtende Ehrenmal für die gefallenen Helden des Königs-Infanterie-Regiments einen Betrag von 5000 Mark zur Verfügung zu stellen. Die Zinsen für diesen Denkmalsfonds stellte der Schutzverband für Handel und Gewerbe zur Verfügung, unter der Bedingung, „daß auch weiterhin die Genehmigung zur Abhaltung der Verlosung gegeben werde“.

Am 20. Mai 1930 könnte der Bürgermeister dem Künstler Müller in Berlin- Charlottenburg unter anderm folgendes mitteilen: . . . „Die Arbeiten auf dem Tönsberge schreiten rüstig voran. Oberdiek hat die Pfeiler bald fertig. Man kann sich bereits eine Vorstellung davon machen, wie der Bau wirken wird.“

Die Arbeiten schritten denn auch fleißig voran, so daß die Einweihung schon auf den 31. August 1930 festgesetzt wurde. In der Einladung des Fest- und Denkmalsausschusses heißt es dann: „In den Tagen von Dannevoux am 30. und 31. August 1930 findet die feierliche Weihe des Ehrenmals unserer gefallenen Kameraden vom Königs- Infanterie-Regiment auf dem Tönsberge bei Oerlinghausen statt. — Unsere alte Garnison Metz ist uns genommen. Deshalb haben wir als Standort unseres Denkmals den Ort gewählt, in welchem in den Kriegsjahren das Ersatz-Bataillon des Regiments lag, die Stadt, aus der dann so manche Kameraden ins Feld gerückt sind. — Dort oben auf dem Tönsberge, mitten im Teutoburger Walde, ist nun ein Ehrenmal entstanden, daß in schlichter, aber erhebender Weise die Erinnerung an unsere teuren Toten und an unser stolzes Regiment verkündet. — Es hat lange gedauert, bis wir uns über den Standort und über die Form des Denkmals einigten. Nun ist es endlich so weit, daß über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg eine unsern gefallenen Helden würdige Ehrung geschaffen wurde, bei deren Weihe wir uns die Hand reichen wollen mit dem Gelöbnis alter unwandelbarer Treue zu unserm Regiment.“

Am 9. Juli 1930 wurde die Urne in den Grundstein endgültig vermauert. Es waren zugegen: Generalmajor Paul Thümmel aus Bielefeld, Stadtbaurat Theodor Streich, Bielefeld, Kaufmann Paul Kochsiek aus Oerlinghausen, Kaufmann Karl Hahn, Oerlinghausen, Maurermeister Rudolf Oberdiek, Oerlinghausen, Ehefrau Paula Reuter, Oerlinghausen, und Bürgermeister Reuter. Auch der Spruch für das Denkmal erforderte allerhand Arbeit und Mühe, Folgende drei Sprüche wurden in Vorschlag gebracht:

1.         Stadtbaurat Streich, Bielefeld:

            Brüder, ihr starbt für uns. Einig wollen wir streben, Zu neuer Macht das Vaterland zu     heben.

2.         Bürgermeister Reuter:

            Wanderer, stehe still.

            Denk an die tausend Helden, Sie starben für dies Land Und auch für Dich.

3.         Berthold Müller, Berlin (Oerlinghausen)

Der Heimat Heilgen Boden schirmend, Starbet ihr Tapferen unbesiegt, Des Opfers Größe ehrend, Hemme den Schritt, Du Wanderer.

Die endgültige Fassung war dann die folgende:

Wanderer hemme den Schritt, Schirmend der Heimat heiligen Boden, Starben die Tapferen unbesiegt, Beuge Dich vor des Opfers Größe.

Am 31. August 1930 fand dann die Weihe und Übergabe des Males statt. Etwa 5000 bis 6000 Menschen hatten sich auf dem Tönsberge eingefunden einmal der Feier wegen, dann aber auch, um den Zeppelin zu sehen, der angeblich auch an diesem Tage den Tönsberg überfliegen sollte.

Am Ehrenmal wurden 22 Kränze der verschiedensten Vereinigungen niedergelegt. Nach dem Feldgottesdienst übernahm Bürgermeister Reuter das Denkmal und führte aus: „Ich übernehme das Denkmal des Königs-Infanterie-Regiments hiermit in die Obhut der Stadt Oerlinghausen. Ich verbürge mich dafür, mit der ganzen gesetzlichen Macht des Bürgermeisteramts, daß diesem Denkmal aller Schutz der staatlichen und kommunalen Autorität zuteil wird. — Aber viel höhet als dieser gesetzmäßige Schutz gilt mir und allen Oerlinghausern die selbstverständliche Pflicht, in Liebe und Treue über diesem Denkmal zu wachen. — Und hoch über dieser Pflicht steht noch die Ehrfurcht, mit der sich jeder dieser heiligen Stätte naht. Diese Ehrfurcht vor den gewaltigen Taten des Regiments, diese hohe Ehrfurcht vor dem großen Opfer der toten Helden macht uns unsere Aufgabe leicht.

Ich schließe mit einem Dank an alle, die dazu beigetragen haben, daß dieses Werk vollendet wurde. Treue und Dank! Mit diesen Worten lege ich den Kranz der Stadt Oerlinghausen an Ihrem Denkmal nieder.“

Dann erscholl aus Tausenden von Kehlen das Deutschlandlied.

Nachdem alle Teilnehmer das Denkmal besichtigt hatten, ordnete sich der Zug zur Parade vor Prinz Oskar v. Preußen und Excellenz von der Heyde. Mit Musik ging es dann zu den Festzelten zurück, wo die Hungrigen aus der Feldküche gespeist wurden. —

Wie wir oben gesehen haben, hatte sich ursprünglich der Schutzverband für Handel und Gewerbe verpflichtet, die Zinsen für die angeliehenen 5000 Mark zu übernehmen. Da der Schutzverband sich 1934 auflöste, trat eine andere Rechtslage ein. Am 13. Juni 1934 tritt der Schutzverband die Restsumme seines Vermögens in Höhe von rund 2000 Reichsmark an die Stadt ab. Die Verpflichtung zur Zahlung der Zinsen für die Anleihe von 5000 Mark für das Kriegerehrenmal ist damit hinfällig geworden. Die Stadt hat daraufhin die 2000 Reichsmark auf die Denkmalsanleihe am 18. Juni 1934 abgetragen.

Am Schluß unserer Ausführungen über das Ehrenmal auf dem Tönsberge schließen auch wir uns den Ausführungen des Hannoverschen Kuriers vom 8. August 1930 an. Es heißt darin: „Groß ist die Zahl der Kriegerdenkmäler, die seit dem Weltkriege allüberall in deutschen Gauen errichtet worden sind. Was aber augenblicklich auf dem Tönsberg oberhalb der lippischen Stadt Oerlinghausen seiner Vollendung entgegengeht, ist ein Ehrenmal von ganz besonders tiefempfundener künstlerischer Eigenart und selten packender Wirkung!“