Für Kaiser und Vaterland
[Bild: Die Oerlinghauser Hauptstraße im Frühjahr 1915. Mit Blasmusik marschieren die Soldaten in den Krieg - an der Apotheke vorbei, hinunter Richtung Bahnhof, um von dort an die Westfront zu fahren. Das Foto ist übrigens das Bild des Monats März aus dem historischen Kalender des Lions Clubs Oerlinghausen.]
Oerlinghausen (hb). 100 Jahre genau ist es her. Damals war der Erste Weltkrieg gerade voll entbrannt und die Westfront in Frankreich und Belgien benötigte Hunderttausende von Soldaten. Auch in Oerlinghausen gab es gewaltige Veränderungen. Denn in den ersten Monaten des Jahres 1915 fiel die Entscheidung, das wirtschaftlich aufstrebende Dörfchen als Lazarettstandort und aus Ausbildungsstandort für neue Rekruten zu nutzen. Oerlinghausen bekam quasi den Status einer Garnisonsstadt. Das 145. Regiment aus Metz im französischen Lothringen, das damals noch zum deutschen Reich gehörte, prägte praktisch das ganze Ortsbild rund um den Tönsberg. Alle großen Gasthäuser und öffentlichen Gebäude waren vom Heer belegt.
Manöverplatz und Übungsgelände für die Rekruten bildete das Gebiet zwischen dem Barkhauser Berg und dem heutigen Segelflugplatz. Dort übten die Soldaten des 145sten für den Kriegseinsatz in Flandern und Nordfrankreich. Es wurden Schützengräben im Sennesand ausgehoben, sie lernten dort das Leben im Unterstand und das geschickte Tarnen der eigenen Stellung. Nach der Ausbildung - oder der Genesung nach einer Verwundung - transportierte man die Soldaten wieder mit der Eisenbahn an die Westfront. Die meisten Soldaten verloren damals ihr Leben in den schrecklichen Materialschlachten und Stellungskämpfen des Krieges. Das Ehrenmal auf dem Tönsberg wurde in den 1920er Jahre zu Ehren der Gefallenen des 145. Regiments errichtet.