Eiche musste fallen
Wegen der möglichen Unfallgefahr ist die alte Schillereiche am Anfang der Marktstraße gefällt worden. Der Ort, an dem sie gestanden hat, hat schon viel erlebt
[Bild: Historisches Foto: Der Hof ist um 1950 aufgegeben worden. Die Spinnschule am Marktplatz/Ecke Marktstraße, Eigentümer ist Tierarzt Tasche gewesen, ist 1826 erbaut und 1896 abgerissen worden. Im Jahr 1905 ist hier die Schillereiche gepflanzt worden. | © Archiv Höltke]
Oerlinghausen. 110 Jahre lang schmückte die "Schillereiche" die Kernstadt am Anfang der Marktstraße. Anfang November musste der imposante Baum gefällt werden. Im Frühjahr soll es einen jungen Nachfolger geben.
"Die Schillereiche ist am 10. November 1905 anlässlich des 100. Todestages von Friedrich Schiller gepflanzt worden", erzählt Heimatkenner Werner Höltke. "Sie stand an einer Stelle mit besonderer geschichtlicher Bedeutung." Bereits im Jahr 1826 hatte der damalige Tierarzt Tasche einen Bauplatz von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Oerlinghausen erworben. "Er baute an der Stelle, an der bis vor kurzem die Eiche gestanden hat, ein großes Fachwerkhaus." Als neun Jahre später auf Drängen der lippischen Regierung der Beschluss gefasst worden sei, eine Spinnschule zu errichten, "hat man sie in das Tasche-Haus verlegt", das hat Werner Höltke den Annalen entnommen.
In der Folgezeit habe hier manches junge Mädchen das Spinnen gelernt. Und zwar das Handwerkliche. Bis zum Jahr 1869 ging das so, dann wurde der Betrieb eingestellt. "Das war die Zeit", erinnert sich Werner Höltke, "als das Handspinnrad von der Spinnmaschine verdrängt worden ist." Als der Eigentümer des Hauses im Jahr 1896 verstarb, konnte die Dorfgemeinde das Haus und den zugehörigen Grund und Boden kaufen.
Das Gebäude wurde abgerissen, Teile von ihm aber beim Aufbau des Niemanschen Hauses am Welschenweg wiederverwendet. Mit der freigewordenen Fläche bekam die Dorfgemeinde einen Marktplatz "und es wurde alles getan", erzählt Werner Höltke, "diesen Platz mit Leben zu füllen". Dazu habe auch das Anpflanzen der Eiche gehört. Diese Aufgabe hatte im Jahr 1905 der damalige Gemeindevorsteher August Reuter im Beisein von vielen Dorfbewohnern übernommen. "In den Annalen", sagt der Heimatforscher, "ist sie fortan als Schillereiche geführt worden."
Drei neue Bäume
Nachdem eine der drei Linden an der Marktstraße im Sommer dieses Jahres umgestürzt war, als gerade eine Mutter mit ihrem fünfjährigen Sohn dort vorbeiging und der fallende Baum beinahe schlimmen Schaden angerichtet hätte, hatte es auch für die beiden anderen eine Baumkontrolle und ein separates Gutachten gegeben. [slpjAuch sie wurden gefällt. Wohl, weil die Wurzeln zu wenig Feuchtigkeit bekommen hatten. An ihre Stelle sollen nach Auskunft von Thomas Kronshage im Frühjahr zwei neue Linden kommen.
Die Stelle nicht weit von der Tönsberg-Apotheke soll nicht frei bleiben. "Im Frühjahr soll dort eine neue Eiche gepflanzt werden", informiert Bauhofleiter Thomas Kronshage. Ein Baumgutachten, das Bauamtsleiter Helmut Holthöfer im Bauausschuss vorgestellt hatte, hatte belegt, dass der die Eiche nicht mehr zu retten war. "Die toten Äste aus der Krone herauszuschneiden, hätte nichts gebracht", sagt auch Thomas Kronshage. Aufgrund der möglichen Unfallgefahr habe der Baum gefällt werden müssen. Mittlerweile hat der Bauhof die Wurzeln herausgefräst.